Kategoriearchiv: Meldungen

Es geht wieder los

Die Wiener Staatsoper nimmt morgen, am Dreikönigstag, ihren Spielbetrieb wieder auf. Auf dem Programm steht Puccinis  La Bohème unter der Leitung von Eun Sun Kim, die zuletzt unter anderem an der New Yorker Metropolitan Opera erfolgreich war und mit dieser Vorstellung an der Staatsoper debütiert.

Das zweite Bild in Franco Zeffirellis unvergleichlicher Produktion

Benjamin Bernheim, der als Rodolfo angesetzt war, ist erkrankt und wird durch Simir Pirgu ersetzt. Bernheim möchte in der Reprise am 9. Jänner aber singen. Mimi ist Nicole Car, erstmals als Musette zu erleben: Vera-Lotte Boecker, die zu Silvester eine quirlige Adele in der »Fledermaus« gegeben hat.

Staatsoper

Staatsopern-Stopp

Die Wiener Staatsoper muß wegen mehrerer Omikron-Fälle ihre Vorstellungen bis einschließlich 5. Jänner 2022 absagen. Betroffen von der Absage ist auch die für 1. Jänner geplante „Fledermaus“-Aufführung. Die Absage konnte lediglich drei Stunden vor dem geplanten Vorstellungs-Beginn kommhniziert werden.

Das Foyer der Staatsoper mit den Bundestheaterkassen bleibt geöffnet, auch die Führungen durch das Haus werden weiter angeboten. Die Tickets werden selbstverständlich refundiert.
 
Staatsoperndirektor Bogdan Rošcic erklärte: »Die Staatsoper kämpft seit bald zwei Jahren mit Corona und hat bisher, wenn nicht gerade Lockdown war, keine einzige Vorstellung abgesagt. Dieser Weg ist in den vergangenen Wochen immer schwieriger geworden. Die Belegschaft der Oper ist zu über 85% dreifach geimpft und wird mindestens dreimal die Woche PCR-getestet. Aber die Arbeitsbedingungen, vor allem bei den künstlerischen Gruppen, das gemeinsame Spielen, Singen, Tanzen, Musizieren machen einen vollständigen Schutz unmöglich. Unter den Zeichen von Omikron haben die Geschwindigkeit und Intensität des Infektionsgeschehens drastisch zugenommen. Unser Ziel ist es, durch diese Unterbrechung des Spielbetriebs und eine weitere Verschärfung unserer Sicherheitsmaßnahmen ab 6. Jänner wieder spielen zu können. Ich entschuldige mich bei allen Besucherinnen und Besuchern, die Karten für die betroffenen Vorstellungen haben, für die Unannehmlichkeiten. Wir werden alles dafür tun, den Spielbetrieb am 6. Jänner wieder aufzunehmen.«

Nachlese

Silvester-Programme 2021 So wirr, wie es war, hat sich das Musikjahr 2021 auch verabschiedet. Die Silvester-Aktivitäten in den Metropolen, die man via Livestream mitverfolgen durfte, hätten unterschiedlicher nicht sein können.

Da war, um lokalpatriotisch zu beginnen, eine solide „Fledermaus“-Aufführung an der Wiener Staatsoper, vor Publikum, aber ...

 

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Schumann-Fantasie

Yudina-Rarität

Stöbern im Netz zahlt sich aus. Jüngst stellte das russische Labal Moscow Conservatory Records einen Livemitschnitt mit der großen Maria Yudina online, eine Live-Wiedergabe von Robert Schumanns Fanstasie in C-Dur aus dem Jahr 1951 von außerordentlichem Zuschnitt. Nicht, wie zu erwarten war, in den virtuosen Passagen am Ende des Mittelsatzes, wo es falsche Töne hagelt. Doch an der Poesie von Yudinas Schumann-Deutung ändert das nichts. Der abschließende langsame Satz ist ungemein dicht und groß gesteigert, die unbändige Kraft, die schon Yudinas Einstieg ins Werk kennzeichnet, ist hier offenkundig der Motor für energetische Prozesse, die aus der improvisatorisch verträumten Geste der ersten Takte, aus den singenden melodischen Linien immer wieder vulkanös auszubrechen scheinen. Einer der vielen spannenden Beiträge zur Schuman-Rezeption aus Rußland.

zur Aufnahme

nur noch heute!

»Capriccio« aus Dresden

Der Streamingdienst von ARTE zeigt heute, 26. Dezember, noch die Aufzeichnung der Produktion der letzten Oper von Richard Strauss, Capriccio, mit Camilla Nylund als Gräfin Madeleine unter der Leitung von Christian Thielemann. Letzte Chance für Strauss-Freunde!

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Über Wolfgang Rihm

Neue Musik macht ratlos

Frieder Reininghaus und sein Buch über Wolfgang Rihm.

Wolfgang Rihm wird 70. Dieses magische Datum für die sogenannte Neue Musik wirft seine Schatten voraus. Ein Buch über den Komponisten, das die langjährige „FAZ“-Kritikerin Eleonore Büning aus freundschaftlicher Perspektive erarbeitet, kommt demnächst heraus. Druckfrisch ist eine Rihm-Dokumentation aus der Feder des wortgewandten Frieder Reininghaus, der nicht dafür bekannt ist, dass er sich ein Blatt vor den Mund nimmt und Rihms bemerkenswerte Erfolgsgeschichte ins bunte, von heftigen Widersprüchen charakterisierte Umfeld der musikalischen Avantgarde-Szene Europas seit den 1970er-Jahren setzt.

Reininghaus hat die Interviews, Kritiken, Radiosendungen über den Komponisten durchforstet und nicht zuletzt Rihms eigene Reden und Aufsätze noch einmal gelesen. Das Kaleidoskop an Aussagen und Polemiken, das er zusammengesetzt hat, zeichnet ein adäquates Porträt eines Mannes, der schon als Jugendlicher gegen den Stachel des Zeitgeistes löckte und so zu einem Leuchtturm in der Brandung einer ästhetischen Revolution wurde, die den rigiden Ordnungen der Nachkriegs-Ära den Garaus machte.

Rihm kann man nicht mit Vorschriften kommen, auch nicht mit kulturpolitischen Phrasen, die es Rezensenten und Musikologen bis heute ermöglichen, sich über die schwierige Aufgabe, über Musik etwas auszusagen, hinwegzuschwindeln. Im Dialog mit Hans Heinrich Eggebrecht meinte Rihm einst: „Musik (Kunst) ist herrschaftslos.“ Das wiederum stellt Reininghaus „rundweg in Abrede“. Das ist vielleicht die beste Position, um sich einer widersprüchlichen Persönlichkeit zu nähern.

„Niemand nie nichts nachgemacht“

(Nietzsche)

Rihm selbst hatte schon früh auf der „Fachmesse“ für Neue Musik in Darmstadt reüssieren können, weil nach Theodor Adornos Jüngern dort Carl Dahlhaus die Macht übernommen hatte, der meinte, das Wort von der „engagierten Musik“ sei „ein Schlagwort, mit dem sich Gedankenlosigkeit drapiert.“ Ob ein Komponist irgendwo links oder gar rechts zu verorten wäre, interessierte Rihm noch weniger als ästhetische Doktrinen. Der „Süddeutschen Zeitung“ gestand er: „Wenn man Restriktionen nicht akzeptiert, dann verlieren sie automatisch ihre Bedeutung.“ Der so entstandene quasi luftleere Raum barg indes neue Probleme: „Jeder, der heute komponiert, erlebt die Abwesenheit einer allgemein gültigen Sprache als Zwang und Freiheit.“

Wie Kreativität in diesem Myzel gedeiht, hat Rihm vorgemacht, und als Lehrer gewusst, dass Kollegen an ihm nicht Maß nehmen durften. Er hat sie „beraten“ und kam damit weiter als die Ferienkurs-Dogmatiker mit ihren Reglements. Immerhin konnte ein Mann wie Jörg Widmann, „beraten“ von Rihm, zu Jörg Widmann werden, indem er, wie es scheint, eine völlig ungestörte Entwicklung durchmachte. Rihm hat auch, um seinen Favoriten Nietzsche zu zitieren, „niemand nie nichts nachgemacht“. Kritiker sprechen von der „Fingerfertigkeit“ des Komponisten wie von einem wendigen Pianisten. Da war einer, der viel konnte, dessen Musik sich aber nirgendwo einordnen ließ. Eben dieses Phänomen zu fassen, hat Frieder Reininghaus die gesammelten Ratlosigkeiten der Kommentatoren gesichtet. Dabei verbirgt er sympathischerweise seine eigene Ratlosigkeit nicht. Anders wäre er einem Wolfgang Rihm auch nicht beigekommen. ■

Frieder Reininghaus: Rihm. Der Repräsentative

220 S., kart., € 35 (Königshausen & Neumann, Würzburg)

Argerich zurück

Argerich und Pires: Comeback

Zwei Grandes Dames der Pianistik hatten sich zuletzt eine Zeitlang von den internationalen Podien zurückziehen müssen. Nun sind beide gemeinsam wieder vor Publikum erschienen: Unter Daniel Hardings Leitung musizieren Martha Argerich und Maria Joao Pires mit dem Orchestre de la Suisse romande Mozarts Doppelkonzert in Genf.

Das Konzert wurde live übertragen, der Mitschnitt steht schon im Internet abrufbereit. Anbei der Link:

youtube

Maria Joao Pires und Martha Argerich am 16. Dezember 2021 in Genf

Als Zugabe musizierten die beiden Damen den langsamen Satz aus Mozarts C-Dur-Sonate für Klavier zu vier Händen (KV 521).

Wiener Verehrer der Argerich freuen sich über die Nachricht ganz besonders, denn die Pianistin soll am 20. Jänner im Konzerthaus mit Gidon Kremer und Mischa Maisky einen Kammermusik-Abend geben.

Petrenko live

Apartes Philharmoniker-Programm

Kirill Petrenko absolviert eines seiner raren Konzerte mit den Wiener Philharmonikern. Auf dem Programm: Das Bratschenkonzert von Alfred Schnittke mit Antoine Tamestit und die Dritte Symphonie von Alexander Skrjabin – nicht gerade gewöhnliches Repertoire für die Wiener Musiker. Umso spannender, wie das Ergebnis der Probenarbeit mit dem bekannt unerbittlichen Interpreten Petrenko ausfällt. Angesichts der Tatsache, daß es sich bei ihm um den Chefdirigenten der „Erzkonkurrenz“ in Berlin handelt, legen sich die Wiener ja erfahrungsgemäß besonders ins Zeug…

Das Konzert ist live in Ö1 zu empfangen.

SINKOTHEK-INFO

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Salzburg 2022

Helga Rabl-Stadler präsentierte zum letzten Mal das künftige Sommerprogramm und hofft auf stetige Erweiterung der Kunst-„Begeisterungsgemeinschaft“.

Immer größer möge die „Begeisterungsgemeinschaft“ namens Salzburger Festspiele werden, mit diesem Wunsch verabschiedete sich Helga Rabl-Stadler bei ihrer letzten Saison-Pressekonferenz. 27 Jahre und mehr als sechs Millionen Besucher, eine Deckung von 45 Prozent der Kosten durch die Einnahmen aus dem Kartenverkauf: Die Bilanz der Langzeit-Festspielpräsidentin kann sich sehen lassen. Verständlich, dass sie ihre letzten Worte in dieser Funktion nicht ganz ohne Rührung sprechen konnte. Nichts Geringeres als Dantes „Göttliche Komödie“ dient denn auch als Leitstern für das Salzburger Programm im Sommer 2022.

Der beginnt seit einigen Jahren immer schon mit der Premiere bei den Pfingstfestspielen: Auch diesmal wird „Der Barbier von Sevilla“ mit Cecilia Bartoli (Regie: Rolando Villazón) im August wieder ins Programm genommen. Rabl-Stadler verwies darauf, dass die Karriere der Diva mit diesem Werk begonnen hatte. Nun steht Rossinis Prototyp einer musikalischen Komödie inmitten von (mehrheitlich tragischen) Abhandlungen zum Thema Menschsein. Intendant Markus Hinterhäuser avisierte Neuinszenierungen von so unterschiedlichen Werken wie Puccinis „Triptychon“, Bartóks „Blaubarts Burg“ und Janáčeks „Katja Kabanová“, die nicht von ungefähr alle um 1920 zur Uraufführung gekommen sind.

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