Kategoriearchiv: Rezensionen

Die Salzburger Carmen im TV: 30 Minuten großes Musiktheater inmitten eines Regie-Desasters.

SALZBURGER FESTSPIELE - REGIE-WILLKÜR - DIRIGENTEN-WILLKÜR - ZWEI FABELHAFTE SINGSCHAUSPIELER - UNNÖTIGE TANZEINLAGEN

Bekäme jemand nur den Schluß zu sehen (und zu hören), er könnte glauben, da habe sich eine musiktheatralische Sternstunde im Großen Festspielhaus ereignet: Asmik Grigorian - trotz Todesahnung kalt bis ins Herz - und Jonathan Tetelman- am Rande des Irrsinns - geben Carmen und Don José wie exzellente Filmschauspieler, die auch noch hoch expressiv singen können. Nur: Wer das erleben wollte, mußte mehr als drei Stunden lang durch ein jämmerliches szenisches Spektakel, in dem eine Ballett-Compagnie noch in den intimsten Szenen fortwährend um die Sänger herumhüpfte, während sich Dirigent Teodor Currentzis am Pult seines Utopia-Orchesters um alle Details von Georges Bizets kümmerte, worüber er das große Ganze vollständig aus den Augen verlor.

 

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Messiaens »St. François« wieder in Salzburg. Diesmal im Castellucci-Styling.

Fotos: SF/Monika Rittershaus

Am Schluß liegt sein Leichnam, ein Häuflein Elend, nackt an der Steinmauer. Die Schafe – im Text zuvor immer wieder genannt – weiden auf der Bühne. Durchs geöffnete Dach der Felsenreitschule strahlt »Bruder Sonne«, der Abglanz eines Bühnenscheinwerfers, es ist kurz nach elf Uhr nachts. Auch das Salzburger Glockengeläute ist nicht echt, es muß natürlich zugespielt werden, pünktlich zum Finale des Saint François d'Assise. Mit dieser Oper krönte Olivier Messiaen 1983 sein Lebenswerk, das auf zwei Säulen ruhte: der lebenslangen Beschäftigung des Musikers mit dem rätselhaft vielgestaltigen Gesang der Vögel und einem unerschütterlichen Katholizismus.

 

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Die Salzburger Festspiele schicken Ariadne auf den Mars

In der Raumstation des „reichsten Mannes der Welt“ spielt die neue Richard-Strauss-Produktion der Festspiele – und implodiert, bevor sie vorgeblich explodiert.

Einmal darf sich Johannes Silberschneider als souveräner Haushofmeister versprechen, um beinah ein Geheimnis zu verraten. Nach dem Fest im Theater seines gnädigen Herrn soll eine „Eplos…“ – doch schon korrigiert sich der strenge Mann: „ein Feuerwerk“, findet er zu Hugo von Hofmannsthals originalem (und im kleinen Festspielhaus diesmal wider Erwarten nur marginal verändertem) Text zurück. Aber eine kleine Andeutung, wie diese Salzburger „Ariadne auf Naxos“ enden könnte, hat er damit gemacht. Das wäre ja auch verwunderlich gewesen, wenn es bei Regisseur Ersan Mondtag plötzlich opernführermäßig korrekt zugegangen wäre.

 

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»Onegin« mit der Grigorian in Wien

Kann eine Vorstellung mit Asmik Grigorian schiefgehen? Nein. Aber sie kann viele Fragen bezüglich des Zustands der Wiener Staatsoper aufwerfen...

Pikhasovich/Griogrian (Foto: Pöhn)

Was soll schiefgehen, fragt man sich, wenn man den Besetzungszettel studiert: Die Staatsoper präsentiert Tschaikowskys „Eugen Onegin“ mit Boris Pinkhasovich in der Titelpartie, Asmik Grigorian als Tatjana und Bogdan Volkov als Lenski. Alle drei bieten die guten, teils sogar außergewöhnlichen Leistungen, die man von ihnen erwartet. Doch wirklich künstlerisch entfalten können sie ihre Talente nicht, weil man ihnen weder szenisch noch musikalisch den nötigen Halt gibt. Man leidet an diesem Abend kaum mit Puschkins Unglücksfiguren, eher hadert man mit dem Schicksal, das dem Repertoirebetrieb im Haus am Ring offenbar beschieden ist.

 

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Die Berliner in Eisenstadt

Kirill Petrenko und Gautier Capuçon mit den Berliner Philharmonikern erstmals im Haydn-Saal von Schloss Esterházy.

Einen Tag vor ihrem Gastspiel im Wiener Musikverein konzertierten die Berliner Philharmoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten erstmals im Haydn-Saal von Schloß Esterházy. Mit von der Partie war Cellist Gautier Capuçon.. Wer aber angenommen hätte, angesichts einer Verbeugung vor dem Genius loci hätte man eines seiner Cellokonzerte einstudiert, der irrte. Man gab Tschaikowskys Rokokovariationen und setzte vor das für die Tournee längst geplante Programm lediglich eine kurze Haydn-Ouvertüre (Hob. 1a/7).

 

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Staatsoper: Ein Gschnasfest bei Mozarts Kaiser Titus

Emily d'Angelo als Sextus (Foto: Staatsioer/Marcella Ruiz-Cruz)

NACHHÖREN IN Ö1

Mittlerweile lautet das Motto bei Premieren der Wiener Staatsoper nur noch: Wird es nur etwas schlimmer als bei der alten Produktion oder wird auch dieses Werk für die kommende Generation vollständig ruiniert. Im Fall von Mozarts Clemenza di Tito darf man Entwarnung ...

 

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Bychkov und seine Tschechische Philharmonie in Wien

Eine Kür für eines der großen europäischen Symphonieorchester mit filigraner Musik von Mendelssohn, Ravel und Strawinsky

Wiener Konzerthaus, Februar 2026

Ein ungewöhnliches Programm als orchestrale Kür: Mendelssohns „Italienische“, Ravels G-Dur Konzert mit der für Beatrice Rana eingesprungenen Alice Sara Ott und Strawinskys komplette „Pulcinella“-Ballettmusik mit Gesang – an diesem Ort in 100 Jahren nur dreimal aufgeführt! – die transparent-filigranen Textur aller drei Werke verlangt von allen Instrumentengruppen brillante, vielfältig differenzierte Leistungen – ohne daß der notorisch satt und dunkel timbrierten Gesamtklang der Tschechischen Philharmonie zu kurz kam.

Das ließ Erinnerungen wach werden an alte Zeiten – die nicht immer gut waren…

 

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So engagiert „entnazifiert“ Michael Wolffsohn Herbert von Karajan

Verlag Herder (2026) – 304 S. 26,- Euro

Der prominente Zeitgeschichtler, immer für kontroverse Analysen gut, hat die Dokumente über des Dirigenten Beziehung zum NS-System neu gesichtet und ausführlich kommentiert.

Das Buch wird insofern Staub aufwirbeln, als der prominente Autor sich kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es darum geht, wie schlampig viele seiner Historiker-Kollegen bis dato argumentiert haben, wenn es darum ging, zu untermauern, was „ohnehin alle wissen“: Der große Dirigenten, Wiener Staatsopern- und Salzburger Festspiel-Chef Herbert von Karajan (1908-1989) hegte starke Sympathien für das Hitler-Regime oder war gar „ein glühender Nazi“.

 

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