David Bobées Szenarium für die Bühne auf der Seine-Insel
»Hölle, wo ist dein Sieg?»
Brahms und »Apocalypse Now«
Brahms »nach der Katastrophe«: La Seine Musicale präsentierte eine szenische Version von Brahms’ »Deutschem Requiem«. Nach ein paar Minuten fragte man nicht mehr, wozu das gut sein sollte.
Ein Flugzeugwrack auf der Bühne. Das verhieß nic...
Seinen Orden bekam der Dirigent Philippe Jordan nicht nur für seine – allerdings fulminante – Bruckner-Interpretation! Mit Jan Lisiecki und seinem einstigen Konzertorchester, den Wiener Symphoniker musizierte der Maestro im Wiener Konzerthaus. Das war ebenso aufschlußreich wie die nachfolgende Ehrung.
Zum Jahresauftakt 2026 nahmen die karnevalesken Einlagen unter der Leitung des Kanadiers Yannick Nézet-Séguin kuriose Ausmaße an – doch wurden auch ungewöhnlich viele poetische, zarte Töne hörbar.
Nikolaus Habjan inszenierte ein Puppenspiel, Franz Welser Möst dirigierte. Das Publikum atmete auf: Endlich wieder einmal keine völlige Entstellung eines bedeutenden Repertoirewerks.
Zwar hätte man mit Otto Schenks alter Regiearbeit noch länger leben können. Doch irgendwann mußte es wohl sein. Fazit: Über weite Strecken sensible Regie, recht geschickt adaptierte Dialoge, gründlich einstudierte Chöre und Ensembles: Mit der ersten Neuproduktion von Beethovens »Fidelio« seit 1970 hat das Haus Beethovens einzige Oper nicht verloren. Das ist mehr als man von den meisten jüngeren Staatsopern-Produktionen behaupten kann. Freilich: Wer bei einer Wiener Premiere musikalische Exzellenz erwartet, wird enttäuscht.
Bestandsaufnahme der Musik der Wiener Ära nach 1900
Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich spannte im Musikverein unter Fabien Gabel einen schillernden Bogen von Richard Wagner bis Joseph Marx – samt »modernen« Spätromantikern wie Zemlinsky und Alban Berg.
Die Tonkünstler-Konzerte im Musikverein sind bei Wiener Musikfreunden nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil sie oft höchst spannend programmiert und vor allem seit Jahr und Tag eine Plattform für exzellente Solisten bieten. Man erinnert sich vielleicht: Die Tonkünstler waren das erste Wiener Orchester, das Grigory Sokolov am Vorabend seines Ruhms eingeladen hat.
Schön Singen, davon konnte diesmal gar nicht die Rede sein: Die »Winterreise«, radikale Seelenbespiegelungen durch Matthias Goerne und Daniil Trifonov. Das ging unter die Haut.
Julia Wesely / Musikverein Wien
»Schauerliche Lieder“ nannte Franz Schubert die ersten Stücke seiner »Winterreise«, als er sie zum ersten Mal im privaten Kreis vortrug. Matthias Goerne und Daniil Trifonov schafften es im Großen Musikvereinssaal, 200 Jahre später nachvollziehbar zu machen, welchen Schock diese Musik bei Hörern im Wiener Biedermeier ausgelöst haben musste. Vielleicht war es sogar ganz gut, dass im Publikum jemand saß, der offenbar gar nicht wusste, was ihn da erwartete und gleich nach dem ersten Lied kräftig applaudierte. Er wurde niedergezischt von all jenen,
An diesem Abend entpuppte sich zuletzt, daß zu früher Applaus manchmal gerade rechtzeitig kommt…
die wissen, was sich heutzutage in einem Konzertsaal angeblich gehört.
Das Beifallklatschen wäre aber spätestens nach zwei oder drei Nummern auch dem wohlmeinendsten Zufallsgast, der einfach schöne Schubert-Melodien hören wollte, vergangen. Weil da wenig war, was man als schöne Melodie erkennen hätte können – und wenn, dann ganz offenkundig in einem Zusammenhang, in dem sie nichts Gutes zu bedeuten hatte. Oder jedenfalls bestenfalls eine schöne, unwiederbringliche Erinnerung.
Fabio Luisi am Pult (Fotos: Konzerthaus/Niesel-Reghenzani)
Die Apokalypse und wie sie uns heute unter die Haut geht
Im Wiener Konzerthaus vereinigten sich Singverein und Singakademie, um mit den Symphonikern Franz Schmidts Oratorium »Das Buch mit sieben Siegeln« aufzuführen. Eine etwas zu spät gekommene aber eindrucksvolle Ehrung zum 150. Geburtstag des Komponisten.
Die Berliner unter Petrenko, Salzburg 2025 (SF/Lena Laine)
Salzburger Festspiele. Vor mehr als 40 Jahren hielten wir bei Mahlers Neunter mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan den Atem an. Nun stürmte das Orchester den Gipfel unter Kirill Petrenko erneut – über eine andere Bergwand…