Alfred Wopmann zum Geburtstag

Intendanten? Sind das nicht die PR-Agenten jenes notorischen Klüngels von Stückezertrümmerern? Rückblickend sollte man Alfred Wopmann daher lieber einen Prinzipal nennen, einen, der das (Musik-)Theaterhandwerk von der Pike auf gelernt hat und zum Pater familias der Bregenzer Festspiele geworden ist, dem besten, den das Festival je gehabt hat.

Mit Musik hat alles bei ihm begonnen. Er war Student des legendären Franz Samohyl, aus dessen Kaderschmiede die Philharmoniker zwei Generationen ihrer Geiger rekrutierten. Mit den Studienkollegen, die zu Symphonikern oder Staatsopern-Musikern geworden waren, musizierte Wopmann in jungen Jahren als Substitut. Er war beispielsweise mit von der Partie, als Dimitri Mitropoulos die Premiere der „Macht des Schicksals“ im Haus am Ring dirigierte.

Auf den Livemitschnitt dieses Ereignisses stößt, wer nach der mitreißendsten Aufnahme dieser Verdi-Oper sucht. Er fehlt gewiss auch in der Sammlung Wopmanns nicht, der im Gespräch so lebhaft über Hörerlebnisse zu berichten weiß wie über seine jüngste Lektüre, über ärgerlich misslungene Neuinszenierungen und erfüllende Kunstgenüsse, die aufmerksame Beobachter der Szene ja doch heute noch machen können.

Die Neugier, das Suchtverhalten, große Erlebnisse zu ermöglichen und mit anderen teilen zu wollen, machten Wopmann zum idealen Festspiel-Chef. Er war imstande, Raritäten zu entdecken, die das Publikum lieben lernte, weil er die rechten Interpreten fand. Das verdankte er nicht nur der Fähigkeit, Noten lesen zu können, sondern auch seiner intimen Kenntnis des Theaters. Die wiederum gründete auf langjähriger Assistententätigkeit bei Meisterregisseuren, solchen, bei denen Aufführungen noch mit dem ersten Akt begannen, mit dem letzten endeten und zwischendrin so eindrucksvoll wie möglich die Geschichte erzählt wurde, die dem Text zu entnehmen war; Jean-Pierre-Ponnelle beispielsweise.

So wurde aus dem Orchestergeiger ein Oberspielleiter, ein Regisseur und 1983 der künstlerische Leiter der Bregenzer Festspiele. Als solcher hat Wopmann Geschichte geschrieben, weil sein musikalisch fundierter Theaterinstinkt ihn Lösungen für Unlösbares aufspüren ließ: Wer Jerome Savarys „Zauberflöten“-Inszenierung am See erlebt hat, Harry Kupfers und Wladimir Fedosejews „Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch“ im Festspielhaus, der weiß, wo das Wort „unvergesslich“ im Musiktheater am Platz ist – und gratuliert dem findigen Impresario zum heutigen 85. Geburtstag herzlich.