»Man bekommt Gänsehaut«, sagt Robert Levin auf die Frage, wie sich ein Pianist fühle der sämtliche Klaviersonaten Mozarts auf dessen eigenem Hammerklavier für CD aufzunehmen. »Man denkt immer wieder: Diese Tasten haben seine Finger berührt! Alle Wiener Meisterwerke hat er an diesem Klavier komponiert!«
Der historische Walter-Flügel gehört der Stiftung Mozarteum. Levin, versiert im Umgang mit alten Instrumenten, hat schon etliche Konzerte auf diesem Juwel gegeben. »Die Initiative zur Aufnahme der Mozart-Sonaten ist von der Stiftung ausgegangen«, erzählt er. Vorangegangen waren den Aufnahmen jeweils Live-Konzerte im Rahmen der Mozartwochen von 2017 und 2018. Die ersten Reaktionen auf die Neuerscheinung waren euphorisch: »Es ist aufregend, wie diese nicht gerade konventionelle Art ankommt«, sagt Levin und meint damit keineswegs nur das klangliche Ergebnis seiner Arbeit auf Mozarts Originalklavier.
Das Opernarien-Debütalbum des chilenischen Sängers demonstriert eine samtig timbrierte Stimme mit satter Tiefe und Bomben-Höhen im italienischen und französischen Repertoire.
DG 2022
Das ist auch eine Lektion in Sachen Dramaturgie: Zuerst die Stimme. Die Stimme, ganz allein. Sie beschwört den Anblick des Himmels: „Cielo!“ – eine der schönsten Tenorstimmen unserer Tage, da waren sich die Zeugen der ersten Auftritte des in Chile geborenen, in den USA ausgebildeten Künstlers sogleich einig. Jahrgang 1988, schaffte Jonathan Tetelman Mitte der Zehnerjahre seinen Durchbruch. In Europa dauerte es etwas länger. Aber auch hierzulande ist der neue Stern am Opernhimmel aufgegangen: In Wien debütierte er in der szenisch verunglückten „Tosca“ im Theater an der Wien. Kommenden Juni singt er an der Seite von Asmik Grigorian in den Opernzwillingen „Cavalleria rusticana/Bajazzo“ erstmals im Haus am Ring.
Soeben brachte die Deutsche Grammophon Tetelmans erste Arien-CD in den Handel. „Cielo“, singt er zu Beginn, erst dann setzen langsam auch die Streicher des philharmonischen Orchesters von Gran Canaria ein, das unter Karel Mark Chichons Leitung die Stimme in der Folge trägt und anschmiegsam begleitet.
Mit den ersten beiden Tönen gibt Tetelman aber unbegleitet seine Visitenkarte ab: Sein samtweiches Timbre versteht er, man hört es sofort, mit Schmachtlocke zu präsentieren. Vielleicht einen Deut zu viel Vibrato mischt er bei. Doch er kann auch anders. Das verraten schon die folgenden Phrasen der großen Arie des Enzo aus Ponchiellis „La Gioconda“: Tetelman phrasiert mit Eleganz und einem von großen Atemzügen getragenen Schwung.