Kategoriearchiv: CDARCHIV

Das »andere« Cellokonzert von Camille Saint Saëns

CD-Neuerscheinung (ab 17. September 2026 im Handel): Sol Gabetta spielt Saint-Saëns und Lalo

Sony 2026

Alle Cellisten spielen mit Freude Saint-Saëns' ebenso knappes, wie effektsicheres Cellokonzert in a-Moll. Sol Gabetta hat auch das zweite Werk aufgenommen, das dieser Komponist für dieses Instrument geschrieben hat – und kombiniert es mit dem nicht minder originellen, klangschönen Konzert von Edouard Lalo – begleitet vom Originalklang-Ensemble Les Siècles unter François Xavier Roth, das sich in der Rekonstruktion des typischen, betörenden romantischen Orchesterklangs der französischen Romantik übt.

ZUR REZENSION:

 

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Bizet am Klavier – eine neue CD lüftet ein Geheimnis

Georges BizetDie Klavierwerke

Roberto Prosseda

hyperion (2026)

Er war einer der vielseitigsten Komponisten der französischen Romantik, hätte als brillanter Pianist durch die Welt touren können, wäre er nicht des vielen Übens überdrüssig geworden und überdies viel zu jung gestorben - er durfte ja nicht einmal den Welterfolg seiner "Carmen" miterleben.

Eine Neuerscheinung bringt uns die Klaviermusik von Georges Bizet näher, einen vergessenen Schatz, von dem wir zumindest hätten ahnen können, was er alles in sich birgt, war doch niemand Geringerer als der strenge Glenn Gould Bizets Zeuge...

 

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Mahler im Originalklang – ein »Lied von der Erde«, das aufhorchen läßt.

François-Xavier Roth und sein Ensemble Les Siècles haben haben die Grenzen, die der sogenannten Originalklang-Bewegung gesetzt zu sein scheinen, besonders nachhaltig gesprengt. Bis zu Igor Strawinsky sind sie bereits vorgedrungen und haben sich auch schon ins Allerheiligste der Wiener Fin-de-siècle-Region vorgewagt: Aufnahmen der Ersten und Vierten Symphonie von Gustav Mahler folgte nun »Das Lied von der Erde« – und das sollte gehört haben, auch wer sich von den klassischen Einspielungen unter Bruno Walter oder Otto Klemperer nicht trennen mag. Das wird er auch künftig nicht tun müssen – die beiden Vertrauten des Komponisten waren – neben Willem Mengelberg – immer seine wichtigsten Anwälte; und werden es bleiben.

Und doch...

 

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Das war und bleibt das beste »Neujahrskonzert«

Clemens Krauss (1893-1954)

Clemens Krauss dirigiert die Wiener Philharmoniker – Livemitschnitt vom 1. Jänner 1954

Von den legendären Auftritten des Neujahrskonzert-Gründers, Clemens Krauss zum wienerischen Jahresbeginn, ist leider nur ein einziger Livemitschnitt erhalten. Der hat es aber in sich. Es handelt sich um das letzte der von Krauss dirigierten Walzerkonzerte. Der schlechten Tonqualität des alten Rundfunkbandes zum Trotz: Man sollte das gehört haben, bevor man bei der Frage mitredet, wer am 1. Jänner in Wien Walzer dirigieren darf, wer nicht – und was es mit der Wiener Spieltradition auf sich hat…

 

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Humperdincks »Mirakel« als CD-Premiere

Die Schauspielmusik zu Max Reinhardts Riesenspektakel von 1911 – erstmals auf CD. Aufarbeitung eines bemerkenswerten Moments der deutschen Theatergeschichte.

Im Zuge einer Berliner Rundfunk-Serie von Aufnahmen von Werken des »Hänsel und Gretel«-Komponisten Engelbert Humperdinck auf dem Label Capriccio erschien als Ersteinspielung die komplette Bühnenmusik zu Max Reinhardts legendärem, für eine Zirkusarena geschaffenem Spektakel »Das Mirakel«. Die Produktion kam 1911 in Berlin heraus und ging dann auf Tournee. Reinhardt bewegte Massen auf der Szene, Karl Vollmöllers Szenarium kam ohne Text aus – die Klänge zu der gigantomanischen Pantomime schuf Engelbert Humperdinck, der seinen an der nachwagnerisch-romantischen Märchenoper geschulten Stil unter Einbindung von religiösen Gesängen und Kinderliedern der bunten Theaterästhetik Reinhardts kongenial anpaßte. Die Zeitgenossen waren fasziniert, die Rezensenten amüsiert. Es fehlte nicht an zynischen Kommentaren. Die Wiener »Bombe« ätzte nach der Erstaufführung in der Rotunde auf dem Gelände des Wiener Praters:

 

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Dvořáks »Amerikanisches« Qartett und der »wienerische« Stil

Wiener Konzerthausquartett

Antonìn Dvořáks »Amerikanisches« Quartett mit seinen vielen »böhmischen« Anklängen, in Japan aufgenommen – als Musterbeispiel für die »wienerische« Streichquartettkultur.

Anton Kamper - Walter Weller - Fritz Händschke - Ludwig Beinl (Juni 1962)

Warum diese Aufnahme hörenswert ist?

Für eine japanische Firma hat das Wiener Konzerthausquartett, ein legendäres philharmonisches Ensemble unter der Führung von Anton Kamper, Aufnahmen gemacht, darunter eine hinreißende Interpretation von Dvořáks berühmtestem Streichquartett – Seite an Seite mit der nicht minder beliebten »Symphonie aus der Neuen Welt« in den USA entstanden, aber voll von sehnsuchtsvollen Erinnerungen an die böhmische Heimat – und für Wiener Musiker über die Jahrzehnte hin so etwas wie ein »Heimspiel«, läßt sich doch die berühmter »Wiener Geigenschule« auf böhmische Wurzeln zurückführen – bis heute üben Geigenstudenten ja die Etüden von Otakar Ševčík…

ALS DIE WIENER TRADITION NOCH LEBENDIG WAR

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Ravels Klavierwerk

Wichtiger Neuzugang in der Ravel-Diskographie: Die Aufnahmen des französischen Pianisten Jean-Efflam Bavouzet präsentieren das Klavierwerk des Jahresregenten bei höchster technischer Raffinesse in auserlesener Schönheit.

Maurice RavelDas gesamte Klavierwerk

Jean-Efflam Bavouzet

Chandos (2025)

Die Fülle des Repertoires, die der Pianist Jean-Efflam Bavouzet für das Label Chandos erarbeitet hat, reicht von der Wiener Klassik – eine der raren und überdies international hoch bewerteten Gesamtaufnahmen der Klaviersonaten Joseph Haydns inklusive – bis ins 20. Jahrhundert. Die Beziehung zwischen dem feinsinnigen Interpreten und dem britischen Label begann vor ziemlich genau 20 Jahren mit einer Einspielung des Klavierwerks von Claude Debussy. Wenn Bavouzet nun nach zwei Jahrzehnten sämtliche Klavierkompositionen Maurice Ravels nachreicht, dann wirkt das wie eine bewußte Rundung der künstlerischen Ernte – aber das stimmt insofern nicht ganz, als Bavouzet kurz vor seiner Unterschrift unter den Chandos-Vertrag schon einmal den »ganzen Ravel« aufgenommen hat – für das deutsche Label Darbringhaus & Grimm.

 

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Schostakowitschs Vermächtnis

MATTHIAS GOERNE SiNGT DIE »MICHELANGELO-SUITE« – CD-NEUERSCHEINUNG – HOCHPOLITISCHE KLÄNGE VOR UND HINTER DER »MAUER«

Die Poesie des Bildhauers

Dmitri Schostakowitsch Suite nach Gedichten von Michelangelo

Matthias Goerne – Mikko FranckOrchestre National, Radio France

Die Sonette Michelangelos haben viele Komponisten inspiriert, allen voran Hugo Wolf, der drei seiner letzten Kompositionen diesem Künstler widmete. Auch im XX. Jahrhundert haben etliche Meister sich der Poesie des großen Bildhauers bedient, unter anderem auch Benjamin Britten, der wiederum mit Dmitri Schostakowitsch befreundet war, der im Jahr nach Brittens Tod, 1974, einen Zyklus nach Michelangelo-Gedichten vertont hat.

Matthias Goerne

Die »Michelangelo«-Suite stellt so etwas wie ein musikalisches Vermächtnis dar. Matthias Goerne und das Pariser Rundfunk-Orchester unter Mikko Franck haben sie konzentriert und – auch in den introvertierten, leisen Passagen spannungsgeladen – mit beeindruckender Intensität aufgenommen. Und mit einer wenige Jahre zuvor entstandenen Orchestermusik zur Zelebration des 50. Jahrestages der russischen Oktoberrevolution gekoppelt, die auf lärmend-vordergründige Weise durch die »offiziellen«, der sowjetischen Kulturdoktrin verpflichteten Klänge die vollständig nach innen gekehrte, private, subjektive – und damit vielleicht subversive – »ehrliche« Musik desselben Komponisten konterkariert. Ein Hörabenteuer…

 

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Händels Widersacher: Die Chandos-Anthems von Johann Christoph Pepusch

Accent 2024

Originell – beziehungsweise very british – nimmt sich schon die Liste der Ausführenden aus: Die »Girl Choristers of Canterbury Cathedral« und »The harmonious society of tickle-Fiddle Gentlemens« singen und spielen unter Robert Rawson die »Chandos Anthems« – aber nicht die berühmten von Georg Friedrich Händel, sondern jene von Johann Christoph Pepusch (1667–1752), dessen Namen man heute nur deshalb noch kennt, weil er einst die Musik zu John Gays Kassenschlager »The Beggar‘s Opera« (1728) – und damit das Vorgängerwerk zu Brecht/Weills »Dreigroschenoper« – geschrieben hat. Und die »Beggar's Opera« wiederum trug zum Ruin von Händels Londoner Opernunternehmen bei.

Händels Ruin

Von diesem Ruin hat sich Händel, man weiß es, wieder erholt – und blieb eine Berühmtheit über die Jahrhunderte. Doch ist es spannend, nun endlich eine andere Komposition des Widersachers Pepusch zu hören, die nachweist, daß der nicht nur über Provokationspotential, sondern auch über eine gehörige Portion handwerklichen Könnens verfügt. hat.

Auch Pepusch war von Deutschland aus nach England gekommen. Schon früher als Händel, 1697, hatte er die Reise aus Berlin angetreten. Er war nicht zuletzt dafür verantwortlich, daß die italienische Oper in London Fuß fassen konnte – und somit einer jener Männer, die den Grundstein zu Händels späteren Sensationserfolgen gelegt hat. Seit 1714 war Pepusch Musikdirektor des Drury Lane Theatres, für das er »englische Masques nach italienischer Art« schrieb.

 

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Mozarts Requiem, neu »ausgehorcht«

harmonia mundi 2024

Raphaël Pichon hat die bekannte Süßmayr-Fassung von Mozarts Requiem durch Einschübe früherer Mozart-Stücke in ein neues Licht gerückt und uns damit eine bewegende Einspielung des Werks geschenkt.

Pichon beruft sich auf die Traditionsverbundenheit Mozarts, der sein Requiem ganz nach dem Muster vergleichbarer Kompositionen seiner Zeitgenossen (nicht zuletzt Miachael Haydns) skizzierte – mit allen damals üblichen Ingredienzien der katholischen KIrchenmusik, Schlußfugen inklusive.

Sein Schüler Franz Xaver Süßmayr hat das bei Mozarts Tod fragmentarische Werk fertiggestellt. Als Pasticcio ist es uns überliefert – und die vom Meister selbst komponierten Abschnitte sind so stark, so überwältigend, daß sie vergessen machen, daß es sich um eines der großen unvollendeten Meisterwerke der Musikgeschichte handelt.Pichon übernimmt in seiner Neuaufnahme Süßmayrs Partitur, ergänzt seine Interpretation aber durch Interpolation anderer, kaum bekannter Mozart-Stücke.

 

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