Jetzt singt sie wieder
Gundula Janowitz über ihr Comeback als Lied-Interpretin
Ich übe jeden Tag. Und zwei bis drei Mal im Monat singe ich jetzt wieder", sagt Gundula Janowitz, die große Sopranistin, die vor einigen Jahren beinahe über Nacht beschlossen hat, nicht mehr aufzutreten. In der Zwischenzeit war sie Operndirektorin in Graz, hat aber angesichts ständiger Querelen bald das Handtuch geworfen: "Ich habe", bricht sie gegenüber der "Presse" ihr langes Schweigen, "einfach meine Menschenkenntnis überschätzt".
Selbstmitleid ist der Janowitz fremd. Dazu hat sie sich ihre Karriere mit viel zu bitteren Opfern erkauft. Heute pilgern die Fans zu den raren Janowitz-Auftritten neugierig und dankbar wie kaum je zuvor: Das liegt vielleicht daran, "daß ich mir der Verantwortung heute noch viel mehr...
Was kann der Franz dafür, daß er so schön ist?
Die Salzburger Festspiele feierten mit Messiaens Heiligenoper einen vorhersehbaren Triumph
Manchmal sagt die Tatsache, daß nach einer Premiere ausgiebig gejubelt worden ist, rein gar nicht über deren künstlerische Qualität aus. Auch, daß es Buhrufe für den Regisseur gab, fällt nicht wirklich ins Gewich...
zum KOMPONISTENPORTRAIT
NACHRUF (1992)
Die Stille zwischen Joyce und Duchamp
Zum Tod des amerikanischen Avantgarde-Komponisten John Cage
Die Parabel vom Sinn, der unsinniger nicht sein kann: Daß Stille Musik ist, daß Harmonie anarchisch sein kann, daß es auf eins herauskommt, ob ein Komponist seine Werke mit mathematischer Akribie konstruiert oder einfach Tennisbälle ins offene Klavier wirft (nicht, weil es so ähnlich klingt, sondern weil es irgendwie genau dasselbe ist) - John Cage hat allen Schmerzen zugefügt.
Den Konzertabonnenten sowieso, falls sie je mit ihm in Berührung gekommen sein sollten. Aber auch den eifrigen Theoretikern der Avan...
"Ich bin ein anderer geworden"
Der Komponist Friedrich Cerha spricht über sein Schaffen
Ich bin ein anderer geworden", sagt Friedrich Cerha. Monatelang war er im Spital gelegen, sehr, sehr krank, am Rande des Todes. So radikal hätte er seinen Grundsatz wahrlich nicht in die Tat umsetzen wollen, daß nämlich die stetige Veränderung eine Bedingung für jedes kreative Leben sein müsse. "Die Freude an der Veränderung setzt nämlich voraus, daß Sie unzufrieden mit sich sind. Und das ist wichtig. Es ist bequem, zu bleiben, wie man ist."
Die stetige Veränderung, das "Heranziehen des neuen Menschen" ist Cerhas Leitgedanke: "Sie sehen das an meinen Opernstoffen, am ,Baal', aber auch am ,Rattenfänger'". Vielleicht auch an der Tatsache, daß in Cerhas Werk insgesamt ein enormer Reichtum herrscht, eine Lu...
Ganz einfach phänomenal
Fedosejews Bregenzer Festspielkonzert mit den Symphonikern
Zu welchen Höhen sich die Wiener Symphoniker unter einem Dirigenten wie Wladimir Fedosejew aufschwingen können, weiß man spätestens seit den atemberaubenden "Bildern einer Ausstellung" im Wiener Musikverein vor einigen Monaten. Jetzt hat sich das überwältigende Ereig...
Marjana Lipovsek und ein Klangerlebnis der Spitzenklasse
Richard Strauss' "Frau ohne Schatten" unter Sir Georg Solti bei den Salzburger Festspielen
Die Salzburger "Frau ohne Schatten" segelt nach wie vor unter falscher Flagge: Wie schon bei der Premiere der Götz-Friedrich-Inszenierung sollte die Strauss-Oper auch diesmal viel eher nach der Amme ben...
Lieber komponieren als Mozart dirigieren
Erich Urbanner über die Situation des Musikschaffenden heute
Ich kann nicht, wie manche Kollegen, am Fließband schreiben, um eine Uraufführung nach der anderen herauszubringen, obwohl das vielleicht gar nicht so schwer wäre, weil man dann sozusagen in eine Eurphorie hineinkommt und wirklich am laufenden Band produzieren kann. Ich ziehe eher den steinigen Weg vor." So erklärt sich Erich Urbanner, österreichischer Komponist aus Tirol, der seit Jahren an der Wiener Musikhochschule auch Komponisten-Nachwuchs heranzieht.
Der "steinige Weg", das heißt: akribische Arbeit, wohlüberlegte Schritte, lieber fünf Dinge nicht, das sechste dafür aber ganz akkurat formulieren. Überlegt, mehrfach überdacht, verlief Urbanners Komponistenkarriere von Anfang an. Fürs K...
Der Dritte im Bunde
Jetzt sang auch José Carreras vor Tausenden - in Schönbrunn
Nachdem er mit seinen beiden Konkurrenten bereits gemeinsam an einem Monsterspektakel vor unzähligen Opernfreunden unter freiem Himmel mitgewirkt hatte, mußte Jos'e Carreras - ganz wie Domingo und Pavarotti - auch einen entsprechenden Soloabend in Wien absolvieren.
Sibirien, wo Ferien noch Ferien sind
Statt Janaek zu spielen, umgaukelt Salzburg Aug' und Ohr
Dem nächsten, der mir sagt, zu Karajans Zeiten hätte man bei den Salzburger Festspielen nur oberflächlich polierte Staffage serviert, jetzt aber, unter G'erard Mortiers Fittichen, werde man zu den tiefgründigen Wahrheiten in der Kunst vordringen, verordne ...
Fesch, der Prinz von Homburg
Sawallisch verabschiedet sich mit einer Henze-Oper von München
Viele, für einen Opernchef ungewöhnlich viele Jahre lang hat Wolfgang Sawallisch die Geschik ke des Münchner Nationaltheaters gelenkt. Jetzt verabschiedet sich der geborene Kapellmeister von seinem Haus, um mit dem Philadelphia Orchestra einen der fashionabl...