Kategoriearchiv: Feuilleton
»Boris« unter Fedosejew
Starker Mussorgsky im Repertoire Boris Godunow in der Staatsoper - wer meint, Repertoire könne sich nicht zu unvorhersehbarer musikalischer Größe aufschwingen, erlebte hier den Gegenbeweis.
Die Überraschung des Abends: Anatolij Kotscherga. Bisher garantierte ein Auftritt dieses Sängers äußerste Lautstärke ohne jegliche Differenzierung. Wie immer d...
Araiza ruiniert sich
Wie verliere ich meine Stimme? Francisco Araiza gab im Konzerthaus anläßlich eines Liederabends Anlaß zu schlimmsten Befürchtungen. Hatten die Unken recht, die ihm angesichts seiner Repertoire-Erweiterung den baldigen Stimmruin prophezeiten?
Nicht, daß dem beliebten Tenor ausgerechnet im letzten Lied eine Höhe jämmerlich abgerissen ist, steht dabe...
Wie ist Kleibers Rosenkavalier?
Anne Sofie von Otter, im März Kleibers Wiener Rosenkavalier, gab einen Liederabend, der symptomatisch war für die derzeitige Umwertung aller Werte.
In Zeiten, in denen ein sogenannter Barockspezialist mit den Wiener Philharmonikern Franz Lehárs "Lustige Witwe" für Schallplatten aufnimmt, läßt sich der neue, vielumworbene Stern aus Schweden bei Moz...
Zum Tod von Anestis Logothetis
Urgewaltig und filigran Anestis Logothetis, Wahlwiener mit griechischen Vorfahren und einer der eigenwilligsten Komponisten unserer Zeit, starb mit 72 Jahren in Lainz. Erst 1989 wurde er mit dem staatlichen Würdigungspreis für Musik geehrt.
Bis er am Dreikönigstag einem Krebsleiden erlag, galt der Bulgare griechischer Abstammung, den es 1942 nach Österreich verschlagen hatte, eigentlich als Außenseiter. Dem großen Publikum blieb er suspekt, weil dieses allen Schöpfern Neuer Musik argwöhnisch begegnet; von den Kollegen aber wurde der AlUhl-Schüler wahlweise mitleidig oder gönnerhaft belächelt, oder gar nicht erst als ernstzunehmender Komponis...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Neujahr 1994
Lorin Maazel und die Frage, was ein gutes Konzert ist Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker war schon einmal für sieben Jahre in den Händen von Lorin Maazel. Jetzt kam er wieder. Es waren zwei gute Stunden für das Orchester und für die Strauß-Dynastie. Über die Frage, wie man Walzer (und Polkas) dirigieren darf, gehen die Meinungen in Wien ...
Natalie Dessay
Puppe Olympia zu Besuch bei Orlofsky Natalie Dessay hat als Olympia in »Hoffmanns Erzählungen« Wiens Opernpublikum im Sturm erobert. Dem Interviewer erteilt sie eine Lektion in französischem Charme.
Da herrscht Koketterie, aber mit Augenmaß - im wahrsten Sinn des Wortes. Kein Zweifel: Diese junge Künstlerin weiß, was sie will und wie das zu erreichen wäre. Ein selbstbewußtes "ich warte", zieht sich wie ein Ariadnefaden durchs Gespräch. Die Stufen des Erfolgs sind vor ihr aufgebaut: Die nächsten Jahre wird sie durch Residenzverträge mehrere Monate an die Staatsoper gebunden sein. 1994 singt sie an der Met und an der Mailänder Scala. "Es kommt schon langsam", kommentiert sie, was man anderswo eine blitzartige Karriere nennen würde. Auch, daß sie ihre Traumpartie, die Lucia di Lammermoor ers...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Robert Starer
Vom Bleiben im Fremden Robert Starer galt als musikalisches Wunderkind, als er 1938 aus Wien vertrieben wurde. Er ist nie heimgekehrt. Am 8. Jänner feiert der Komponist, dessen Werk in der ganzen Welt gespielt wird, in New York seinen 70. Geburtstag. Ein Gespräch zum Jubiläum.
Ich bin Amerikaner", meint er im Gespräch. Und das, obwohl seine Karriere auf typisch wienerische Weise begann. Starer, musikalisch eminent begabt, fand mit dreizehn Jahren Aufnahme in die Wiener Musikakademie und entpuppte sich dort rasch als pianistisches Talent. Der "Anschluß" machte seiner Karriere als Klavierstudent rasch ein Ende. Starer floh nach Jerusalem, unterbrach seine musikalischen Aktivitäten, um bei der Royal Air Force Kriegsdienst zu absolvieren. Erst nach seiner Ausreise in die Vereinigten Staaten, ...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Ivan Koslowski
Gefesselter Caruso des Ostens Ivan Koslowski ist tot. Die Nachricht, auf die viele westliche Musikfreunde wohl mit Achselzucken reagieren, bedeutet für echte Belcanto-Freunde nicht mehr und nicht weniger, als daß einer der größten Sänger des Jahrhunderts von uns gegangen ist.
Daß der ukrainische Tenor international nahezu unbekannt geblieben ist, verweist uns nicht zuletzt auf die Folgen des stalinistischen Terrors. Obwohl die Glanzzeit dieses unvergleichlichen Künstlers dank seiner perfekten Technik jahrzehntelang andauern konnte, blieb er ein "sowjetisches" Phänomen. Seine Auftritte im Westen sind an einer Hand mühelos abzuzählen. Im Gespr...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Triumph mit Offenbach
Herrlicher Lebensbeweis der Gattung Oper Die Wiener Staatsoper hat einen solchen Erfolg mit einer Premiere seit vielen Jahren nicht mehr errungen: "Hoffmanns Erzählungen" wurden zum Triumph aller Beteiligten; und zum herrlichsten Lebensbeweis der Gattung Oper.
Orkanartig wurde der Beifall, als die junge Sopranistin Natalie Dessay vor dem Vorhang e...