Kategoriearchiv: Meldungen

Thielemann in Berlin

Thielemann ersetzt Barenboim

Daniel Barenboim mußte aus gesundheitlichen Gründen die Leitung des neuen »Rings des Nibelungen« (Regie: Dmitri Tcherniakov) zurücklegen. Die Premieren-Serie übernimmt Christian Thielemann.

Daniel Barenboim ist erkrankt und kann die musikalische Leitung der Neuproduktion von Wagners »Ring des Nibelungen« an der Berliner Lindenoper nicht übernehmen. Christian Thielemann dirigiert die erste Aufführungsserie von 2. bis 9. Oktober und auch den dritten Durchlauf der Tetralogie von 29. Oktober bis 6. November.

Favorit Guggeis

Den zweiten »Ring« dirigiert der neue Frankfurter GMD Thomas Guggeis, der offenbar als Assistent Daniel Barenboims fungiert hat, schreibt doch die Intendanz der Lindenoper, er sei »seit rund einem Jahr in die Vorbereitungen eingebunden«.

Guggeis gilt seit seiner Ernennung in Frankfurt als Liebkind der deutschen Kulturpolitik und als einer der möglichen neuen Namen für die Nachfolge Barenboims, der seit 1992 künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper im traditionsreichen Haus »unter den Linden« ist.

Daß mit Christian Thielemann der derzeit bedeutendste Dirigent Deutschlands, gebürtiger Berliner, die wichtige »Ring«-Produktion übernimmt und auch die Probenarbeit in der Schlussphase leitet, wird allerdings als Zeichen gewertet. Thielemann ist nur noch bis zur kommenden Spielzeit Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden . . .

Der Nachlaß der Gruberova

Versteigerung im Dorotheum am 7. September 2022

Nicht einmal ein Jahr ist vergangen, seit Edita Gruberova in ihrem Zürcher Haus gänzlich unerwartet verstorben ist. Am 7. September versteigert das Wiener Dorotheum nun den Nachlaß der weltberühmten Sängerin. Die slowakische Koloratursopranistin, deren Karriere Anfang der Siebzigerjahre an der Wiener Staatsoper begann – wo sie bis zu ihrem Abschied an die 700 Mal aufgetreten ist – war auch eine leidenschaftliche Sammlerin. Daher umfaßt die Auktion nicht nur Juwelen oder wertvolle Roben, sondern auch Kunstwerke – etwa Porträts, das sie selbst als Verdis „Traviata“ und Mozarts Königin der Nacht („Die Zauberflöte“) zeigen, gemalt 1989 vom Wiener fantastischen Realisten Ernst Fuchs (Rufpreis: je 7.000 Euro).

Ernst Fuchs: „Kameliendame“ (1989)

Ernst-Fuchs-Sammlung

Mit Ernst Fuchs war Edita Gruberova befreundet. Daher finden sich in der Sammlung etliche Arbeiten dieses Künstlers. Aber auch ganz persönliche Dinge wie die Schreibkalender der Sängerin, in denen sie akribisch vom Probenplan bis zu Aufnahmesitzungen sämtliche Aktivitäten festgehalten hat, kommen unter den Hammer. Die Palette reicht von Schuhen über den Personalausweis von 1974, österreichische und slowakische Orden und Ehrenzeichen, den Bösendorfer-Flügel (Baujahr 1990, 8.000,-) bis zu Gratulationsschreiben von Künstlerkollegen wie Sir Georg Solti.

Unter den wertvollsten Stücken, für die Verehrer nun bieten können, finden sich ein Collier der Ära um 1900, das die Gruberova ausschließlich bei Auftritten getragen hat (45.000,-), aber auch ein Originalmanuskript von Richard Strauss: Das Lied „Waldseligkeit“ (5.000,-).

Ernst Fuchs: „Königin der Nacht“ (1989)

DER KATALOG

Karl Böhm als »Einspringer«

Kein Live-»Tristan« aus Wien!

Die Wiener Staatsoper hat die Sendung des Livemitschnitts der Premiere von Wagners »Tristan und Isolde» vom vergangenen Gründonnerstag untersagt. Daher bringt Ö1 heute (19.30) eine Wiederholung der Aufzeichnung der »Tristan«-Premiere aus dem Jahr 1967 unter Karl Böhms Leitung mit Birgit Nilsson und Jess Thomas in den Titelpartien, Ruth Hesse (Brangäne) und Martti Talvela (König Marke). Aufgenommen am 17. Dezember 1967. Die Rezensionen der jüngsten Staatsopern-Vorstellung fielen auch in musikalischen Belangen verhalten aus. Vor allem wurde bemängelt, daß dem neuen Tristan, Andreas Schager, im dritten Aufzug bereits die Kräfte verlassen haben und daß der König Marke von René Pape offenbar einen rabenschwarzen Abend gehabt habe.

So wid der Rundfunkabend spannend für Opernfreunde, denn der Livemitschnitt der von Böhm dirigierten Premiere war bis dato nur in Raubpressungen greifbar.

Michael Blees führt durch den Ö1-Abend.

Netrebko und die Scala

Die unendliche Geschichte geht weiter

Der Intendant der Mailänder Scala, Wiens Ex-Opernchef Dominique Meyer, zeichnet ein differenziertes Bild der Absagen und Rückzüge russischer Künstler von den internationalen Podien im Zuge der Kriegshandlungen in der Ukraine. »Ich bin erstaunt über all die falschen Dinge, die geschrieben wurden und nichts mit der Realität zu tun haben«, sagt Meyer über die Absage Anna Netrebkos, die dieser Tage Cileas Adriana Lecouvreur an der Scala singen sollte. Sie wird durch Maria Agressta ersetzt.

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Moskauer Philharmoniker boykottiert

Nikolai Znaider, Christoph Eschenbach und Semyon Bychkov, aber auch Pianist Yefim Bronfman haben ihre Engagements bei den Moskauer Philharmonikern abgesagt. Mit Ausnahme von Eschenbach sind das Künstler, die russische Wurzeln haben, aber im Westen leben. Das Orchester gab die Absagen bekannt, ohne eine Begründung zu nennen. Es ist aber anzunehmen, daß die Musikfreunde in Moskau auch ohne Kommentar begreifen, daß es sich um Reaktionen auf den Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine handelt . . .

München verzichtet auf Gergiev

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ließ den Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev, wissen, daß sein Vertrag aufgelöst wurde. Der Dirigent habe sich trotz ultimativer Aufforderung durch das Management des Orchesters und den Oberbürgermeister selbst, nicht eindeutig und unmißverständlich gegen den Krieg Rußlandes gegen die Ukraine ausgesprochen.

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Netrebko zur Ukraine-Krise

Künstler appellieren lieber an die völkerverbindende Kraft ihrer Arbeit. Kann man sie zu Brandreden gegen ihre Brötchengeber zwingen? Nun hat sich auch Anna Netrebko zum Ukraine-Krieg zu Wort gemeldet. Die Diva beginnt ihr Statement mit einem beherzigenswerten Satz: „Ich habe mir etwas Zeit genommen, um nachzudenken. Denn ich glaube, die Lage ist z...

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New Yorks Opernchef in Moskau

Chef der New Yorker Met in Moskau

Peter Gelb startet eine Co-Produktion mit dem Bolschoi-Theater und ist in der russischen Metropole, um die Premiere von Wagners »Lohengrin« mitzuerleben. Soeben hat er seinen Spieplan für 2022/23 vorgestellt.

Die New Yorker Metropolitan Opera veröffentlichte ihren Spielplan für die kommende Spielzeit  unglücklicherweise an jenem Tag, an dem der russische Angriff auf die Ukraine begann. Und Met-Chef Peter Gelb weilt – in Moskau. Könnten die Zeitläufte grotesker sein? Gelb ist angereist, weil er am Donnerstag der Premiere von Wagners „Lohengrin“ am Bolschoi-Theater beiwohnen wollte. Mit dieser Produktion soll eine Kooperation der beiden Opernhäuser beginnen. „Lohengrin“ wird, zumindest wenn alles nach Plan läuft, im Februar 2023 an die Metropolitan Opera übersiedeln.

Netrebko in New York: Ja und nein!

Eigentlich hatte Peter Gelb für diese Übernahme einen Trumpf im Ärmel: Anna Netrebko sollte die Elsa singen. Aber sie hat vor kurzem abgewinkt, kommt aber nächste Spielzeit dennoch nach New York:   Ab 3. November 2023 ist sie für fünf Vorstellungen die Elisabeth von Valois in Verdis „Don Carlos“ an der Seite von Anita Rachvelishvili (Eboli), Russell Thomas (Don Carlos) und Günther Groissböck (König Philipp).

Groissböck, der an der Met kommende Spielzeit auch den Ochs in der von Simone Young dirigierten Aufführungsserie des „Rosenkavalier“ mit Lise Davidsen singen wird (ab 27. März), ist im neuen „Lohengrin“ sowohl in Moskau als auch in New York als König Heinrich vorgesehen. An der Met werden statt Tamara Wilson und Elena Stihkina als Elsa alternieren, den Titelhelden soll in allen acht Vorstellungen zwischen 26. Februar und 1. April Piotr Beczala singen, der an der Met kommende Saison zuvor bereits als Loris in Giordanos „Fedora“ (an der Seite von Sonya Yoncheva) zu erleben sein wird (ab 31. Dezember). Yoncheva singt an der Seite von Michael Spyres ab 28. Februar 2023 Bellinis „Norma“.

Stars und neue Namen

Die neue Saison der Met hebt am 27. September 2022 mit Cherubinis „Medea“ an. In einer Inszenierung von Dvid McVicar tritt Sondra Radvanovsky in die Fußstapfen der Callas. Tags darauf feiert Manfred Honeck sein Met-Debüt mit Mozarts „Idomeneo“ (Michael Spyres in der Titelpartie).

Die Met sieht, wie gewohnt, für viele ihrer Aufführungsserien auch kommende Saison wieder Doppelbesetzungen der Hauptpartien vor und stellt dabei einige neue Namen vor. So gibt es ab 2. Dezember 2022 Verdis „Aida“ mit Latonia Moore und Michelle Bradley in der Titelpartie, zwei bewährte Tenöre, Marcelo Álvarez und Brian Jadge, alternieren als Radamès.

Neue Opern

Latonia Moore ist auch am 10. April 2023 dabei, wenn Terence Blanchards „Champion“ Met-Premiere feiert. Der in Wien bestens bekannte Ryan Speedo Green wird da den Aufstieg eines Weltklasse-Boxers aus dem Nichts nachzeichnen. „Champion“ war Blanchards erste Oper. Die Met brachte kürzlich viel beachtet sein „Fire Shut Up in My Bones“ heraus, als erstes Werk eines farbigen Komponisten in New Yorks führendem Haus.

Uraufgeführt wird in New York kommende Saison Kevin Puts’ „The Hours“ mit Renée Fleming, Kelli O’Hara und Joyce DiDonato in den drei Frauenrollen, die in der Verfilmung des von Virginia Woolfs „Mrs. Dalloway“ inspirierten Stücks von 2002 von Meryl Streep, Julianne Moore und Nicole Kidman verkörpert wurden. (Premiere ist am 22. November).

Für Wiener Musikfreunde von speziellem Interesse: Speranza Scappucci, an der Staatsoper bestens bekannt und jüngst für ihr Debüt an der Mailänder Scala mit Bellinis „Capuleti e i Montecchi“ gefeiert, dirigiert in New York ab 10. November die Aufführungs-Serie von Verdis „Rigoletto“ mit Rosa Feola bzw. Lisette Oropesa (Gilda), Benjamin Bernheim bzw. Stephen Costello (Herzog) und Quinn Kelsey bzw. Michael Chioldi (Rigoletto). Adam Plachettka ist der Leporello im „Don Giovanni“ mit Peter Mattei (ab 5. Mai), und Tomasz Konieczny Wagners „fliegender Holländer“ unter Jaap van Zwedens Leitung  (ab 30. Mai 2023).

Beginnend mit „Medea“ am 22. Oktober bringt die Met auch kommende Spielzeit wieder Monat für Monat mindestens eine HD-Übertragungen in internationale Kinos. Nur der Februar ist ausgenommen: Wie heuer legt man da in New York auch kommendes Jahr wieder eine Spielpause ein.

Klassik-Streaming, geht das?

Die Streamingplattform Spotify hat Anno 2022 Schlagzeilen gemacht, weil der Pop-Star Neil Young verbieten ließ, dass seine Musik über die Plattform abgerufen werden konnte. Den in jeder Hinsicht unbeteiligten Klassik-Freund hat daran nicht unbedingt interessiert, was Neil Young so erbost hat. Er dachte eher über die Tragweite eines solchen Boykotts nach – und stellte Vergleiche an, die ihn über Umwege doch wieder zu Mozart führten.

Wer auf Spotify bestimmte Künstler sucht, erfährt auch, wie viele Hörer ihnen Monat für Monat lauschen. Im Fall Neil Youngs waren es zum Zeitpunkt des Boykott-Beginns 5.704.132. Das war auch angesichts von offiziell dokumentierten etwas über 400 Millionen Nutzern des Dienstes keine Kleinigkeit.

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Die Met hat geschlossen

Wiederöffnung mit »Don Carlos«

Premiere einer Neuinszenierung der fünfaktigen Original-Version als Erstaufführung an der Met für 28. Februar geplant.

Das seit Jahren von Krisen gebeutelte New Yorker Opernhaus, die Metropolitan Opera, hat derzeit geschlossen. Die Besucherzahlen sind bis zum Dezember des Vorjahres kontinuierlich gesunken. Von zuvor schon nicht gerade berauschenden 77 Prozent war die Auslastung der Vorstellungen auf weit unter 50 Prozent gesunken. Daraufhin hat die Intendanz beschlossen, den Spielbetrieb auszusetzen.

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