Ein apartes Programm mit Nostalgiepotential haben sich Camilla Nylund und Christian Thielemann für ihr gemeinsames Konzert mit den Berliner Philharmonikern ausgesucht, das heute live aus der Philharmonie gestreamt wird: Der Abend beginnt mit Vorspiel und Karfreitagszauber aus Richard Wagners Parsifal, Richard Strauss’ Vier letzte Lieder stehen im Zentrum. Vor der selten gespielten Orchesterfassung, die Arnold SChönberg von J. S. Bachs Präludium und Fuge in Es-Dur erstellt hat, erklingen dann noch die drei Vorspiele aus Hans Pfitzners Palestrina. Und das ist für Verehrer von Thielemann ein Déja-entendu-erlebnis, denn mit dieser Oper hat der Dirigent als junger Maestro international Aufsehen erregt, nachdem er sie zunächst in Nürnberg gegen alle Vorbehalte von Intendanz und Journalistik durchgesetzt hatte.
Ein Livestream ermöglicht es heute einem Internationalen Publikum in der Londoner Wigmore Hall dabei zu sein, wenn Kirill Gerstein ein virtuoses Recital-Programm mit Werken von Busoni und Liszt absolviert.
Stefan Herheim startete mit einer eigenen Neuproduktion in seine Intendanten-Zeit. Das Theater an der Wien ist zwar wegen Renovierung geschlossen, sodaß der neue Chef ins Museumsquartier ausweichen mußte, aber dort gelang ihm die Inszenierung von Leoš Janáčeks zauberhaft-hintergründiger Märchenoper »Das schlaue Füchslein« nach Meinung von Publikum und Presse glänzend.
Am 25. September musizierten die Tonkünstler unter Jakob Lehmann im Brucknerhaus Linz im Rahmen des „Internationalen Brucknerfestes“ Werke von österreichischen Komponisten, die 1938 ins Exil getrieben wurden: Erich Wolfgang Korngold spritzige „Baby-Serenade“, eines der amüsantesten Stücke jener Epoche, Karl Weigl: Tänze aus Wien, ein echtes Heimwehwerk aus der amerikanischen Emigration und, nicht minder heimatverbunden die Vierte Symphonie von Egon Wellesz, die den Untertitel „Austriaca“ führt. Dazu das Klavierkonzert op. 25 von Viktor Ullmann, eines jener deutschsprachigen Tschechen , die im Konzentrationslager ums Leben kamen. Entdeckungen allesamt!
Eine Verschmelzung der Kulturen zelebriert die Neuoroduktion von Claudio Monteverdis »Orfeo«, die an der Opera North jüngst herauskam und über die Plattform operavision gestreamt werden kann. Italienisches Barock und indische Klänge treffen da aufeinande: Violine und Tar Shehnai, Cembalo und Santoor & Sitar, die Rhythmen der Tabla nicht zu vergessen.
Am 16. Oktober des Vorjahres hat NHK ein Konzert seines Orchesters unter der Leitung von Herbert Blomstedt aufgenommen. Auf dem Programm des Abends standen das Violinkonzert von Johannes Brahms und Carl Nielsens Fünfte Sympnonie. Solist war Leonidas Kavakos.
Der Doyen der Dirigenten unserer Zeit erfreut sich jetzt, im hohen Alter, international größter Beliebtheit und gilt vielen tatsächlich als der »große alte Mann« unter den Kapellmeistern.
Ö1 sendet heute die Aufzeichnung einer Vorstellung der New Yorker Metropolitan Opera aus dem Jahr 1965. Eine der damals noch raren Aufführungen von Giuseppe Verdis »Simon Boccanegra« mit der großen Renata Tebaldi als Amelia, Met-Legende Jeome Hines als Fiesco und Anselmo Colzani in der Titelpartie.
Colzanis Name war Wiener Opernfreunden damals ein Begriff, wenn auch nicht alle gut auf ihn zu sprechen waren: Er war nämlich jener Bariton, den Herbert von Karajan in seiner Neuproduktion von Verdis »Otello« dem bis dato unangefochtenen Wiener Star Paul Schöffler in der Rolle des Jago vorzog – denn man sang ab sofort italienische Opern in der Originalsprache, womit sich weder Schöffler noch viele der Wiener Opernkenner anfreunden mochten. Die Zeitläufte haben immerhin in diesem Punkt dem Dirigenten-Direktor recht gegeben. Colzani ist nach Ablauf der ersten »Otello«-Serie unter Karajan im Mai 1957 nie wieder an der Staatsoper aufgetreten, machte aber jenseits von Wien Karriere . . .
Sabine Devieilhe (Foto: Anna Dabrowska)
Die frischeste Sopranstimme
Wer lieber eine der schönsten Stimmen der Gegenwart bei einem Live-Auftritt belauscht, hat via Digital Concert Hall Gelegenheit dazu. Sabine Devieilhe ist die Solistin in einem Konzert der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Maxim Emelyanychev mit Musik von Mozart, darunter Arien aus »Idomeneo« und »Die Entführung aus dem Serail« und das Et incarnatus est aus der unvollendeten Messe in c-Moll. Umrahmt wird das Vokal-Programm von der »Figaro«Ouvertüre, der »Serenata notturna« und der »Prager« Symphonie.
Aufregend, aufschlussreich: Pianist Igor Levit stellt seine Interpretation von Hans Werner Henzes „Tristan“ in historisch-kritischen Zusammenhang mit Werken von Franz Liszt, Richard Wagner und Gustav Mahler, Liszts berühmten »Liebestraum« inbegriffen. (Sony)
Ein Liebestraum, und was daraus werden kann: Zutiefst humane, intime Botschaften plaudert Igor Levit in seinem jüngsten Album aus. Das Programm der beiden CDs basiert auf den Erfahrungen einer Begegnung auf dem Salzburger Festspielpodium: Mit den Wiener Philharmonikern unter Franz Welser-Möst hat Levit im August 2018 Hans Werner Henzes „Tristan“ aufgefüh...
Heute ist der »Tag der Fahne« und der Sender Ö1 begibt sich rechtzeitig auf die Spuren der Operettenkultur, die ja typisch für Österreich ist. Allerdings: Michael Blees hat für seine Operetten-Spielereien heute etwas Besonderes vorbereitet: Er spielt Aufnahmen aus dem Strauß-, Kálmán- und Lehár-Repertoire in russischer, polnischer, tschechischer, italienischer, schwedischer, spanischer, französischer und ungarischer Sprache – und sogar eine Nummer auf Japanisch! Ob das sprichwörtliche »’s flüstern Geigen« da auch instrumental anders ausnimmt?