Nach längerem Hin und Her ist das für 27. Juli im Schloss der süditalienischen Stadt Caserta geplante Konzert des russischen Dirigenten Valery Gergiev nun abgesagt worden. Nach der Ankündigung des Konzerts gingen die Wogen hoch, denn das wäre der erste Auftritt des Künstlers im Westen nach seiner eindeutigen Positionierung als Befürworter der aktuellen russischen Politik gewesen. Seit Beginn des Ukraine-Konflikts gilt Gergiev bei den Unterstützern der Ukraine als Persona non grata.
Riccardo Muti möchte, wie er es gewohnt ist, am 28. Juli nicht feiern. Dieser, sein 84. Geburtstag sei ein Tag »wie jeder andere«, meinte der Dirigent im Gespräch mit dem Mailänder Corriere della sera. Aufhorchen läßt eine Passage in dem Interview, indem Muti unverhohlen die Unkultur der sogenannten Political correctness als »umgekehrten Rassismus« betrifft.Der Maestro führt zur Untermauerung seiner Kritik auch Argumente aus seinem persönlichen Lebens- und Arbeitsbereich an.
Hans Werner Henzes Oratorium ist vom politischen Aufreger des Jahres 1968 zu einem Schlüsselwerk der Moderne geworden. Die Festspiele hätten kaum eine bewegendere Eröffnung gestalten können.
Libretto und »P.S.« (1969)
Aus dem kommunistischen ist längst ein humanistisches Manifest geworden. „Das Floß der Medusa“ erzählt die Geschichte der von einer selbstsüchtigen Offizierskaste auf offenem Meer ausgesetzten Mannschaft einer gescheiterten Fregatte. Sie hat sich tatsächlich ereignet und galt anno 1816 als Beweis für die Haltlosigkeit einer Restitution der französischen Bourbonen-Herrschaft. Wer so mit seinem Volk umging, hatte das Recht auf Regentschaft längst verspielt.
Die Frage, die mir Katrin Nussmayr diesmal gestellt hat, scheint allzusimpel. Wir alle antworten doch auf die Frage, »Wer sind die musikalischen Klassiker?«, wie aus der Pistole geschossen mit: Haydn, Mozart und Beethoven. Und doch: Mozarts Musik ist so omnipräsent wie die Beethovens. Aber Haydn? Der »Papa« der Klassik hat zwar irgendwie alles erfunden, was gut und teuer ist, die Symphonie, wie wir sie kennen, oder das Streichquartett, die Königsdisziplinen der Instrumentalmusik für zwei Jahrhunderte. Aber wann haben wir das letzte Mal etwas von Haydn im Konzert gehört?
Eben.
Also doch »Wer war Haydn?« – hier im »Presse«-Podcast
Die EBU, Vereinigung der europäischen Rundfunkanstalten, feiert ihr 75-jähriges Bestehen auf ungewöhnliche Weise: Man hat Kompositionsaufträge für zeitgenössische Komponisten vergeben. Die über mehrere Spielzeiten verteilten Uraufführungen werden jeweils europaweit übertragen. Eine schöne Geste der Veranstalter, die sich nicht ganz mit der Organisation des populären »Songcontests« zufrieden geben.
Es war in den Siebzigerjahren, daß ich mich als Teenager im Festspielhaus geschämt habe.
Kleiderordnung? Ich erinnere mich noch gut, wie ich – ausstaffiert mit meinem dunklen Anzug – Mitte der Siebzigerjahre stolzgeschwellter Brust nach Salzburg fahren durfte, um abends Verdis „Don Carlos“ unter Karajan im Großen Festspielhaus zu erleben. Die Vorstellung war großartig. Der Programmzettel nannte die Namen von Superstars nicht nur für die Hauptrollen, sondern auch für den Pagen Tebaldo und die „Stimme vom Himmel“. Ganz zu schweigen von den Juwelen, die Mirella Freni als Elisabeth von Valois trug -- beinah wie die Dame in der Reihe vor mir neben jener Säule, die mir die Sicht auf die Szenerie ein wenig behinderte.
Heute trägt der spanische König einen schwarzen Anzug, wie ich ihn damals anhatte...
Sir John Barbirolli dirigiert Mozarts »Kleine« g-Moll-Symphonie (KV 183), ein Dokument des musikalischen »Sturm und Drang«. Der unerbittlichste Mozart, den es je gab. Da übt der Teenager für spätere musikalische Dramen vom Format der Höllenfahrt des »Don Giovanni«
Kommentar. Schon einmal in der jüngeren Wiener Theatergeschichte hat man die Staatsoper mit einem spektakulären Reset gerettet. Jetzt bräuchten zwei Häuser Zuwendung!
Zwischentöne in der "Presse"
Der Abschied war stürmisch bewegt, wie vorherzusehen. Ein Beifallsorkan dankte Philippe Jordan für seine Arbeit. Sein Vertrag als musikalischer ...
Die Staatskapelle Berlin gastierte erstmals unter der Leitung ihres neuen Chefs in Wien und brillierte im Musikverein mit Strauss und Bruckner. Erin Morley hatte es schwer, mit ihrer hellen, beweglichen Sopranstimme gegen die vielfältigen Klangzaubereien der Musiker.
Die Rezension in der "Presse"
„Wunder muss ich euch melden“, singt Siegfried in der „Götterdämmerung“ – manchmal sehr zu Recht. Nach der Premiere der jüngsten Neuinszenierung von Wagners „Ring des Nibelungen“ an der Berliner Lindenoper raunten die Kenner sich jedenfalls zu: Der neue Generalmusikdirektor sei gefunden: Christian Thielemann war für den Berliner Langzeit-Opernchef Daniel Barenboim eingesprungen und hatte triumphiert. Nicht nur beim Publikum. Auch die Orchestermitglieder äußerten sich euphorisch.
SO DURCHKREUZT MAN POLITIKER-PLÄNE
So durchkreuzte letztlich die normative Kraft des Faktischen längst geschmiedete kulturpolitischen Pläne – Thielemann, er war niemals der Wunschkandidat deutscher (und leider auch nicht österreichischer) Politiker, wurde Barenboims Nachfolger.
Bestätigung in Wien
Nun kam er das erste Mal mit seiner neuen Staatskapelle nach Wien. Und im Musikverein bestätigten die herrlichsten Klänge alle mirakulösen Erzählungen: Da haben sich wirklich ein Orchester und ein Dirigent auf den ersten Blick gefunden.
Auch auf allen Streamingdiensten präsent: Die erfolgreichste der Filmmusiken des argentinischen Komponisten Lalo Schifrin, der fünf Tage nach seinem 93. Geburtstag am 26. Juni 2025 in Los Angeles gestorben ist.