Zyniker mit einem weiten Herz und offenem Hemd
"Nali" Gruber erzählt, wie viel Musik ein einzelner Komponist lieben kann - und warum
Er ist der große Versöhner unter Österreichs Komponisten. Zu Einem darf er Gottfried sagen, Cerha nennt er Fritz - für Eingeweihte das Signal: Heinz Karl Gruber, kurz "Nali" genannt, hat die Quadratur des Kreises geschafft. Nur, daß er die beiden Antipoden noch nicht an einen Tisch und zu einem Gespräch gebracht hat, stört ihn. Gut möglich, daß ihm eines Tages sogar das gelingt.
Grubers Herz ist, so viel steht fest, weit. Er schätzt nicht nur Cerha und Einem gleichermaßen, er weigert sich überhaupt strikt, die Welt durch einen ideologischen Zerrspiegel zu betrachten. Nicht Schönberg und die Wiener Schule oder Strawinsky, Hindemith und andere "Apolliniker", wi...
Sie wirken und wirken
Zemlinsky-Einakter in der Volksoper
Alexander von Zemlinskys Klangschwelgereien in der Volksoper, kann das gut gehen? Vor drei, vier Jahren hätte man diese Frage noch ohne viel zu überlegen verneint. Nach den jüngsten Erfahrungen, die lehrten, daß das Orchester im zweiten Wiener Haus, richtig geführt, sogar zu virtuosen Leistu...
"Mein Werk ist ein einziges Fragment"
Der Komponist und Geiger René Staar im Gespräch
Heute abend leitet René Staar ein Gedenkkonzert für Ernst Krenek im Musikverein. Daß er und sein "Ensemble Wiener Collage" dieses Ereignis bestreiten, ist kein Zufall. Denn der Livemitschnitt einer Aufführung von Kreneks postromantischem Tongedicht "Durch die Nacht" war das letzte, was der Komponist vor seinem Tod noch hören durfte.
Staar erzählt: "Die Wiedergabe dieses Stückes hat ihn sehr beeindruckt. Er hat mir daraufhin einen Brief geschrieben, den letzten, den er überhaupt diktiert hat." Kreneks Witwe hat dann den Gedanken geboren, ein Konzert in memoriam ihres Gatten in Wien zu veranstalten. Musikvereins-Chef Angyan hat eingewilligt und Staar freut sich, daß er mit dem Programm einen guten Überblick...
Mathematik, Chemie, Politik, Musik - eine große Welt
Die Sopranistin Barbara Hendricks, seltener Gast in Wien, im Gespräch
Montag abend erschien die international so erfolgreiche Sopranistin Barbara Hendricks wieder einmal auf einem Wiener Podium. Im Konzerthaus sang sie französische, aber auch deutsche Lieder. Im Gespräch mit der "Presse" entpuppte sich die zarte Sängerin als bemerkenswerte Persönlichkeit, die bei aller Ruhe eine Impulsivität ausstrahlt, die man ihr auf dem Podium in solchem Maße kaum zutrauen würde.
Ihre Weltoffenheit überrascht. Der geistige Horizont dieser Künstlerin scheint weiter als der vieler ihrer Kollegen. Barbara Hendricks kann denn auch auf ein ungewöhnliches Studium zurückblicken: "Mathematik und Chemie habe ich abgeschlossen", erzählt sie. Gesungen hat sie n...
Triumph der Gegensätze in der Staatsoper
Die "Sevilla-Gala" und die Wiederaufnahme von Cerhas "Baal"
Der Zufall wollte es. Die Staatsoper konnte an zwei aufeinanderfolgenden Abenden nahezu alle Register ziehen, derer sie sich zu bedienen weiß. Gegen Ende einer entscheidenden Saison nahm die seltsame Paarung einer Gala zur höheren Ehre des vor 500 J...
Der ganz normale Superstar
Seiji Ozawa bereitet an der Staatsoper "Pique Dame" vor
So salopp wie er gibt sich keiner: Seiji Ozawa, in aller Welt begehrter Spitzendirigent, von Schallplattenfirmen wie Operndirektoren oder Konzertveranstaltern gleichermaßen umschwärmt, schafft keinen eitlen Personenkult um sich. Im Gegenteil: Seine Arbeit, das Dirigieren, betreibt er als eine Art "ganz normalen Job". Es scheint, als könnte er die Musik, die Beschäftigung mit ihr, außerhalb der Proben- und Konzertzeit ad acta legen wie ein anderer ein eben bearbeitetes Konvolut von Dokumenten.
So distanziert und gelassen spricht Ozawa auch über seine Tätigkeit. Ein Gefühl wie Ehrgeiz ist ihm, scheint's, völlig fremd. Wo man ihn mag und einlädt, dirigiert er. Wenn er Zeit hat. Und er hat naturgemäß wenig Zeit...
Also schrie Zarathustra
Orchester aus Berlin und Helsinki in Wien
Vladimir Ashkenazy ist in Wien als guter Pianist, der nicht gern Zugaben gibt, bekannt. Daß er seit geraumer Zeit auch dirigiert, weiß man vor allem aus den mit Ashkenazy-Aufnahmen stets gut bestückten Plattenläden. Freilich, wer jüngst das Gastspiel des Radiosinfonieorchesters Berli...
Josef Schwejk kommt aus dem Krieg
Chicago Symphony bestritt heuer die Salzburger Pfingstkonzerte
Jetzt heißt es aufpassen. Chicago Symphony soll in den kommenden Jahren die Pfingstkonzerte in Salzburg bestreiten. Finanziell bedeutet das einen enormen Aufwand, der heuer nur mit Hilfe privater Sponsoren abgedeckt werden konnte und im kommenden Jahr d...
Schwarze Symphonie
"Boris Godunow", nun unter Fedosejew
Das hätte ein ganz großes Ereignis werden können und wurde zumindest das Vorspiel zu einem solchen: "Boris Godunow" ist nun in der Wiener Staatsoper unter der Leitung des großen russischen Dirigenten Wladimir Fedosejew zu hören. Zwei Wermutstropfen freilich: Ruggero Raimondi, erstmals in Wien ...
Inneres nach außen gekehrt zum offenen Kunstwerk
"Hyperion" nach Hölderlin und Bruno Maderna im Theater an der Wien: ein Anstoß
Wenn man sehr viel Geld hat, darf man sich so etwas leisten. Einen Schauspieler wie Bruno Ganz zu engagieren, um ihn zwei, drei Hölderlin-Fragmente sprechen zu lassen, eine fulminante Sängerin, einen sensationellen Chor, g...