Alle Beiträge von sinkothekar

Das Konzert in Schönbrunn – Mehr können wir nicht?

Andris Nelsons dirigierte, Lise Davidsen sang 2024 im Schloßpark

Unter Andris Nelsons absolvierten die Philharmoniker vor Zigtausenden Besuchern und noch viel mehr TV-Zusehern wieder ein Kraut- und Rübenprogramm.

Die Philharmoniker schenken den Wienern, den Touristen und via TV weltweiten zahllosen Interessenten ein Konzert. Das hat schon gute Tr...

 

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»L’Amour, Toujours« und der Index

APERÇU

Das Ding hat ja, musikalisch betrachtet, zwei Seiten. Lassen wir die Textierung einmal beiseite: Von Gigi d‘Agostinos „L‘Amour Toujours“ singen und summen die Fans am liebsten jenen springlebendigen Teil, der wie eine Mixtur aus Handy-Klingelton und Kinderlied klingt. Aber da ist ja noch der Anfang, eine echte kleine, einschmeichelnde Melod...

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Bychkov hört in Prag auf

Nach zehn Jahren Amtszeit wird Semyon Bychkov seinen Vertrag als Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie nicht mehr verlängern. Das wurde jüngst bekannt. Die Ära Bychkov in Prag geht als im Sommer 2028 zu Ende. Sie hat dem Orchester zu neuer internationaler Reputation verholfen und einige herausragende CD-Produktionen hervorgebracht. Zuletzt haben die Tschechen unter Bychkovs Leitung eindrucksvoll Smetanas Zyklus »Mein Vaterland« aufgenommen. Die CD (Pentatone) wurde vom Magazin Gramophone sogleich in ihre monatliche Bestenliste aufgenommen.

Pentatone, 2024
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Thielemann, zwei Damen und ein skeptisches Publikum

WENN THIELEMANN NICHT KOMMT – – – ALS EINST KARAJAN ERKRANKTE – – – WIE EIN SPÖ-POLITIKER GEGEN DAS PUBLIKUM AGITIERTE – – –

APERÇU

Viele leere Plätze im großen Musikvereinssaal nach der Pause: Die Enttäuschung der Wiener Musikfreunde über die Absage Christian Thielemanns war groß: Eigentlich wollte sich der scheidende Chefdirigent mit seiner Sta...

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Mäzenatentum Anno 2024

Im steirischen St. Ulrich im Greith bat man zu einer Uraufführung: Ein engagiertes junges Ensemble hob Richard Dünsers Drittes Streichquartett aus der Taufe – eine Auftragsarbeit von Dr. Johann Maurer bestellt – Mäzenatentum wie anno dazumal!

Das Ineoquartett bei der Uraufführung in St. Ulrich im Greith

Privates Mäzenatentum! Wer angesichts der o...

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Klara Tomljanovic mischt die Gitarre-Szene auf

Ein Parforceritt auf der Gitarre

Die andere Gitarre


Wer da glaubt, die Gitarre sei dazu da, daß man sie zum Lagerfeuer mitbringt, um dort stimmungsvoll draufloszuklimpern, irrt gewaltig: Die Gitarristin Tomljanovic wirft mit ihrem neuen CD-Album alle einschlägigen Vorstellungen vollständig über den Haufen. Pop oder Klassik, das ist hier nicht die Frage: Avantgarde, lautet die Anwort: Sechs zeitgenössische Komponisten haben – zum größten Teil in enger Zusammenarbeit mit der Solistin – neue Stücke für Gitarre geschrieben, die hie und da wirklich völlig neue Klang-Räume eröffnen.

Eine CD als Grenzerfahrung für die Musikerin – wie für ihre Hörer!

MEHR

Zum Tod von Werner Hink

Der philharmonische Konzertmeister starb 81-jährig in Wien.

Er war eine der Galionsfiguren der Wiener Philharmoniker. Seit 1964 musizierte er im Verband der Primgeigen des Staatsopernorchesters, ein Jahr später war er bereits Mitglied der Philharmoniker. 1974 avancierte er zum Konzertmeister.

Schon im Jahr seiner Übernahme in den Verband der Philharmoniker gründete Werner Hink sein Streichquartett mit Kollegen aus dem Orchester. Man nannte sich Wiener Streichquartett und prägte jahrzehntelang die kammermusikalische Landschaft der Musikstadt – den wienerischen Spielstil transportierte das Ensemble auch auf Tourneen in die Welt – und mittels CD-Aufnahmen, die nicht zuletzt in Fernost viel Beachtung fanden. Unter anderem spielte das Wiener Streichquartett auch sämtliche Streichquartette Franz Schuberts ein, eine Gesamtaufnahme, die seit den späten Achtzigerjahren allseits als Referenzaufnahme firmiert.

Camerata, 1987

Werner Hink kam am 18. März 1943 in Wien zur Welt und studierte seit seinem sechsten Lebensjahr am Konservatorium. 1962 wurde er Meisterschüler Franz Samohyl, der eine Vielzahl philharmonischer Geiger ausgebildet hat.

Als Kammermusiker hat sich Werner Hink auch als Leiter des Wiener Oktetts profiliert. Seit 1982 war er auch als Lehrer tätig – in jenem Institut in der Johannesgasse, in dem er selbst sich die ersten Sporen verdient hatte.

Am 24. Mai 2024 ist Werner Hink 81-jährig in Wien gestorben.

Beethoven Goes Manga

»Beethoven Wars« an der Seine: »Die Ruinen von Athen« im Manga-Stil

Musikfreunde verzweifeln ob der Attacken des in deutschsprachigen Landen mittlerweile flächendeckenden Regisseurs-Terrors. Kein Meisterwerk ist mehr sicher vor Entstellung bis zur Unkenntlichkeit. Mehr und mehr geschieht das ganz offenkundig vorsätzlich: Denken wir nur an die angebliche Mozart-Premiere der Wiener Festwochen – ein Import einer längst bekannten Opern-Verhunzung wie der neue Staatsopern-„Lohengrin“.
Nun weiß eine ältere Generation, die noch ernsthafte Inszenierungen gekannt hat, woran sie bei Wagners Gralsritter oder Mozarts römischem Kaiser Titus eigentlich sein sollte. Weniger bekannte Stücken katapultiert die kulturpolitisch offenbar gewollte Zerstörungs-Strategie unserer Tage allerdings in die Chancenlosigkeit.

Heißt die Lösung: konzertant?

Es ist ja bezeichnend, dass Opern-Kenner aufatmen, wenn die Salzburger Festspiele ankündigen, Christian Thielemann werde heuer Richard Strauss‘ „Capriccio“ konzertant dirigieren – da ist ungestörter musikalische Genuss garantiert; wenn auch wohl nicht im Sinne eines Komponisten, der sich lebenslang um ehrliches Musiktheater bemüht hat.

Beethoven zu entdecken

Das war ja übrigens auch bei einem Komponisten wie Ludwig van Beethoven der Fall, auch wenn wir das angesichts der Repertoire-Gepflogenheiten gar nicht mehr wissen. Gewiss, den „Fidelio“ kennen wir – der Meister der Symphonie, der Klaviermusik und des Streichquartetts hat ja bekanntlich nur eine einzige Oper geschrieben; die aber dafür gleich dreimal, was zumindest die enzyklopädischeren unter uns zu detailreichen Vergleichsstudien animiert hat.
Was es bei diesem Komponisten noch alles an Theatralischem zu entdecken gäbe, das erschließt sich nur anhand singulärer Projekte. Soeben konnte man Tobias Moretti im Wiener Konzerthaus erleben, wie er zur Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus“ verbindende Texte las. Warum wagt sich eigentlich kein Tanzmeister an eine szenische Produktion? im Ballett muss man ja mehrheitlich nicht so scheußliche Hinterhof- und Kanalisations-Bühnenbilder ertragen, wie sie in der Oper üblich geworden sind.

Mangas statt Kaiser Franz

In Paris hat man gerade auf der Seine-Insel einen Befreiungsschlag anderer Art versucht, der bald auf Tournee gehen soll. Zu den Theater-Kuriosa gehört ja ein für Ungarn komponiertes Beethoven-Duo aus Historiendrama („König Stephan“) und Allegorie („Die Ruinen von Athen“). Dichter Kotzebue setzt zuletzt unter Blitz und Donner zwischen Musen-Skulpturen die Büste von Kaiser Franz. Dergleichen versucht das Kreativteam in Paris nun mittels Video-Animation im Stil der japanischen Mangas neu zu beleben. Nach dem Motto: Wenn schon Verfremdung, dann gleich intergalaktischer Krieg. Das könnte mit Beethovens Musik ein Video-Hit werden …