Inszenierungen als gute Aktien
Warum die Kunstform Oper nicht in die Krise kommt und wie der Musiktheatermacher junge Talente zu Weltstars formen kann.
Ioan Holender: Aber wir reden jetzt nicht über den Opernball . . . !
Die Presse: Na ja, in der Woche, in der er stattfindet . . .
Holender: Wenn ich nachlese, wie man mich schon vor zehn Jahren angegriffen hat, nur weil ich gefragt habe, wie sinnvoll dieser Ball in diesem Haus ist, dann kann ich nur sagen: Es hat sich nix geändert. Ich muss das nicht mehr diskutieren. Aber ich kann nachrechnen, was diese Veranstaltung kostet. Jeder kann das. Er muss nur den reduzierten Spielplan der Staatsoper zwei Wochen vor und nach dem Ball anschauen.
Sie haben ja wohl noch ganz andere Probleme als dieses hausgemachte. Wie wirkt sich denn die Wirtschaft...
Was waren das für Zeiten, als erstklassige Leute dasaßen und über Kultur diskutierten!", kommt Operndirektor Ioan Holender ins Schwärmen. "Das war natürlich nur möglich, weil es Gerd Bacher und Ernst Wolfram Marboe gab", assistiert Karl Löbl - er schrieb das nach meiner jüngsten Erwähnung seiner Taten zur E...
München spielt wieder den "Palestrina" von Hans Pfitzner. Intendant Klaus Bachler demonstriert damit zum Einstand Bezug zur großen Geschichte seines Hauses, wo man seit der Uraufführung von 1917 dieses Künstlerdrama in Ehren hielt. "Palestrina" ist schwer aufzuführen, weil der Mittelakt ein Defilee ...
Abschied vom General
Nachruf. Robert Jungbluth, der langjährige Chef der österreichischen Bundestheater, einer der durchsetzungskräftigsten heimischen Kulturmanager, starb 81-jährig in Wien.
Am 5. Jänner hätte Robert Jungbluth Geburtstag gefeiert. 81 wäre er geworden. Zwei Tage zuvor ist er in Wien gestorben, bis zuletzt heftig interessiert an den Vorgängen in der heimischen Theaterszene - auf und hinter der Bühne. Das war sein Leben. Wobei ihn vor dem via Statisterie und Burgtheater-Nebenrollen avisierten Schauspielerdasein nur eines rettete: Seine Lust, Dinge, die er als richtig erkannt hatte, voranzutreiben und um jeden Preis in die Tat u...
Warum der Donauwalzer langsam anhebt
Neujahrskonzert. Die Ersten Geigen machen die Melodie, die Zweiten aber - mit den Bratschen - den Walzer. Peter Waechter, jahrzehntelang philharmonischer Stimmführer, im Gespräch über wienerische Geheimnisse.
Bruno Walter hat amerikanischen Musikern einmal über den Walzertakt gesagt: "Sie spielen immer Eins-zwei-drei. Eins-zwei-drei. Aber in Wien heißt das Eins-zwei und vielleicht-drei!" Peter Waechter, jahrzehntelang Stimmführer der Zweiten Geigen der Philharmoniker, plaudert aus der Praxis.
Die Presse: Wie findet man nun den richtigen Punkt für die berüchtigte Walzerbegleitung? Was ist das Geheimnis?
Peter Waechter: Das Geheimnis liegt im Zuhören. Denn der Charakter der Melodie bestimmt die Art des Begleitens, des sogenannten Nachschlagens. Wenn es e...
Warum der Donauwalzer langsam anhebt
Neujahrskonzert. Die Ersten Geigen machen die Melodie, die Zweiten aber - mit den Bratschen - den Walzer. Peter Waechter, jahrzehntelang philharmonischer Stimmführer, im Gespräch über wienerische Geheimnisse.
Bruno Walter hat amerikanischen Musikern einmal über den Walzertakt gesagt: "Sie spielen immer Eins-zwei-drei. Eins-zwei-drei. Aber in Wien heißt das Eins-zwei und vielleicht-drei!" Peter Waechter, jahrzehntelang Stimmführer der Zweiten Geigen der Philharmoniker, plaudert aus der Praxis.
Wilhelm Sinkovicz: Wie findet man nun den richtigen Punkt für die berüchtigte Walzerbegleitung? Was ist das Geheimnis?
Peter Waechter: Das Geheimnis liegt im Zuhören. Denn der Charakter der Melodie bestimmt die Art des Begleitens, des sogenannten Nachschlagens. We...
Extreme mögen wir nicht. Am Theater jedenfalls scheint das die Maxime zu sein. Zwar kann die Darstellungsform - auf den Sprechbühnen vor allem - gar nicht grausig genug sein. Aber das Darzustellende, das, um das es eigentlich gehen sollte, möge schön das Gleichgewicht halten zwischen allzu tiefgründig-p...
Gott hat's erhalten!
Haydns Kaiserlied. Eine Ausstellung in der Nationalbibliothek hinterfragt, wie ein Genie bewusst populär werden kann - und wie Deutschland Kakanien "bestahl".
Sagen Sie, wie machen Sie diese wunderbaren Adagio-Sätze in Ihren Symphonien?", fragte einst, reichlich naiv, eine Verehrerin den Komponisten Johannes Brahms. Der ätzte ...
Aller Anfang ist ein Schock
Beethovens Auftakt. Zum Start des Symphonienzyklus der Wiener Philharmoniker unter Christian Thielemann: Über die Schwierigkeiten, mit der Musik zu beginnen.
Wie fängt ein Musikstück am besten an? Der Anekdote zufolge hat Richard Strauss einmal gemeint, der Komponist möge zuerst einmal mit großem Aplomb die Hörer wachrü...
Eine Generation von Opernfreunden hat sie nicht mehr auf der Bühne erlebt. Doch im Bewusstsein des Publikums ist der Name Christel Goltz präsent - als "letzte große Hochdramatische des deutschsprachigen Wiener Opernensembles", wie Direktor Ioan Holender das formulierte, als am Wochenende bekannt wurde, dass die Künstlerin 96-jährig in Baden/Wien verstarb. Christel Goltz war zur Wiedereröffnung des Hauses am Ring, 1955, die Färberin in der "Frau ohne Schatten". Diese, ihre Glanzpartie, sang sie danach in sämtlichen Aufführungen der Rudolf-Hartmann-Inszenierung! In einer anderen Paraderolle, der Salome, hatte sie damals durch die ...