Im Gespräch. Mit der CD „Fortissima“ stürmt die Cellistin Raphaela Gromes die Klassik-Charts. Im gleichnamigen Buch erzählt sie von den Komponistinnen, die sie wiederentdeckt hat. Die einzige Österreich-Präsentation gibt es in Reichenau an der Rax.
Im Vorjahr landeten die Cellistin Raphaela Gromes und ihr Duopartner Julian Riem mit ihrer CD „Femmes“ einen Sensationserfolg und belegten über Wochen Spitzenplätze in den Klassik-Charts. Auch das jüngste Album „Fortissima“ landete sofort auf Platz eins – und widmet sich erneut dem Schaffen von Komponistinnen. Schon „Femmes“ hat auch Kenner in Erstaunen versetzt: Wie viel gute Musik wurde „verschwiegen“, weil sie von Frauen geschrieben wurde! Diesmal geht die (wiederum bei Sony erschienene) CD Hand in Hand mit einem gleichnamigen Buch, in dem Raphaela Gromes über ihre Recherchen berichtet. Bei der einzigen Österreich-Präsentation am 8. November im Schloss Wartholz in Reichenau wird die Schauspielerin Patricia Aulitzky aus dem Buch lesen und durch das musikalische Programm führen.
Ö1 sendet am Freitagabend einen Zusammenschnitt von Aufnahmen vom diesjährigen Festival von Lockenhaus. Das legendäre Rencontre illustrer internationaler Musiker, einst von Josef Herowitsch, dem musikhungrigen Pfarrer der burgenländischen Gemeinde im Verein mit dem Geiger Gidon Kremer gegründet, mauserte sich rasch zum weltweit berühmten Treffpunkt für Freunde der Kammermusik. Noch viele Jahre nach Herowitschs Tod reisen aus aller Welt die Connaisseurs an – nicht zuletzt, um, gespielt von erlesenen Interpreten, Musik kennenzulernen, die im allgemeinen Repertoire vollkommen ausgeblendet wird. Auch heuer war die Ausbeute reich:
Ein Konzeptalbum von Georg Nigl und Alexander Gergelyfi zaubert uns in alte Zeiten zurück: So hat das wohl ungefähr geklungen, wenn der Komponist in seiner Wohnung in der Rauhensteingasse die ersten Töne seiner eben im Werden befindlichen „Zauberflöte“ vorgespielt hat.
»La donna e mobile« – wie ein freches Lied aus Giuseppe Verdis »Rigoletto« zur Werbe-Melodie für Tiefkühlpizza wurde – und was es sonst noch zu diesem Ohrwurm zu sagen gibt. Katrin Nussmayr fragt nach den Hintergründen eines Welt-Schlagers.
Nach 60 Jahren endlich erschienen! Richter spielt die Sonaten op. 31/3, 90, 101 und 110. (DG)
Richter spielt Beethoven? Das hat es schon gegeben, gewiß, aber dennoch ist die Neuerscheinung nicht nur für Richter-Aficionados interessant, die alles von ihrem Idol besitzen müssen: Was die Deutsche Grammophon soeben aus ihrem Archiv freigegeben hat, gehört zu den herausragenden Beethoven-Interpretationen der jüngeren Vergangenheit!
Der Baßbariton aus Trier, dessen Karriere spät begann, dafür umso länger dauerte, und der Maßstäbe in Partien wie dem Wozzeck gesetzt hat, starb am 27. September 2025, dem Tag seines 88. Geburtstags.
Fabio Luisi am Pult (Fotos: Konzerthaus/Niesel-Reghenzani)
Die Apokalypse und wie sie uns heute unter die Haut geht
Im Wiener Konzerthaus vereinigten sich Singverein und Singakademie, um mit den Symphonikern Franz Schmidts Oratorium »Das Buch mit sieben Siegeln« aufzuführen. Eine etwas zu spät gekommene aber eindrucksvolle Ehrung zum 150. Geburtstag des Komponisten.
Der Opernintendant Matthias Schulz läßt den »Rosenkavalier« von Helnwein neu illustrieren – und spielt selbst Klavier
Günther Groissböck als Ochs im neuen Zürcher »Rosenkavalier« (Foto: Oper ZH/M. Baus)
Viel zum Schauen gab es anläßlich der ersten Premiere der neuen Ära am Opernhaus Zürich: Der neue Intendant ließ – als Höhepunkt eines 24 Stunden dauernden Opernfests inklusive zeitgenössischer Musik – Gottfried Helnwein Richard Strauss‘ »Rosenkavalier« ausstatten und auch andeutungsweise »inszenieren«. Für den Feinschliff der Personenführung sorgte freilich Lydia Steier – die beiden ließen nur den ersten Aufzug im vom Textdichter Hofmannsthal vorgesehenen Wien der Mozartzeit spielen.
Die Röcke fliegen hoch. Wir schauen nicht darunter, sondern wollen herausbekommen, was hinter dem Pariser Modetanz der Belle Epoque steckt. Im Dialog mit Katrin Nussmayr, die, wie gewohnt, „taktlose“ Fragen stellt, dringen wir weit vor in die Geheimnisse von Jacques Offenbach und seinen Nachfolger im Gefilde der Unterhaltungsmusik.
Meine Lieblingsaufnahmen: Der Livemitschnitt der Aufführung von Anton Bruckners selten gespielter Sechster Symphonie durch die Berliner Philharmoniker unter Wilhelm Furtwängler ist zwar nur fragmentarisch erhalten — und doch eine der bedeutendsten Bruckner-Interpretationen der Aufführungsgeschichte.