Kategoriearchiv: Interviews, Portraits

Leontyne Price

Als Mary Violet Leontyne Price zur Welt kam, gab es in Ohia noch ein sogenanntes »Negro Central State College«, an dem farbige junge Menschen studieren konnten. In politisch korrekten Zeiten unvorstellbar, galt dergleichen damals bereits als höchst fortschrittlich. Daß die unbemein begabte Sängerin mit der sinnlich schönen Sopranstimme ein Stipendium für die renommierte Juilliard School erhielt, war freilich alles andere als selbstverständlich, der Karrierestart bezeichnend: In Serie gibt man am Broadway und auf Europa-Tour von 1952 bis 1954 Gershwins Porgy an Bess. Price ist die Bess an der Seite von William Warfield, der bald ihr Ehemann ist. Und es geht dem Publikum so, wie es der Sängerin zuvor selbst ergangen war:

I was mad about my voice,it was gorgeous.

Das fanden auch die Ke...

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Mstislav Rostropowitsch

Belcantist am Instrument,Animator am Dirigentenpult

Er war die Callas des Violoncellos. Weitaus zugänglicher und ein wenig umtriebiger, das freilich.Doch der Ton, den er seinem Instrument entlockte, der war von jener Schönheit und Eindringlichkeit, wie ihn nur Primadonnen, kaum je aber Instrumentalisten erzielen. Außerdem wirkte seine Leidenschaft fürs Musikmachen ansteckend. Auch wenn er am Dirigentenpult stand, und das war seit vielen Jahren jene Profession, die er am meisten liebte.

Mstislaw Rostropowitsch

Die Orchestermitglieder reagierten auf seine Gesten mit jener unwiderstehlichen Mischung aus Einsatzfreude und Hingabe, die dem Hörer jeweils das Gefühl gab, bei einer Art wonnigem Spiel Zaungast sein zu dürfen. Deshalb verzieh man Mstislav Ro...

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Karl Richter

(1926 - 1981) Geboren in Plauen, erwies Karl Richter schon in jugendlichem Alter sein Musiktalent. Er durfte auf der Silberman-Orgel im Dom zu Freiberg/Sachsen seine Übungen absolvieren und der legendäre Karl Straube akzeptierte ihn als seinen letzten Schüler.Mit 22 wurde Richter Organist der Leipziger Thomas-Kirche und tauchte damit tief in die große Bach-Tradition ein. 1951 floh er mit leichtem Gepäck aus der DDR, um zunächst in Zürich seine Zelte aufzuschlagen.

Doch bald wurde München seine Wahlheimat.Ab 1952 arbeitete Richter mit seinem Münchner Bach-Chor und dem dazugehörigen Orchester am großen geistlichen Repertoire der Musikgeschichte - mit starker Betonung des Kantaten- und Oratorienwerks von Johann Sebastian Bach.Dank eines Vertrags mit der Deutschen Grammophon hinterließ er ein...

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Marie-Claire Alain

1926 - 2013 Eine der prominentesten Organisinnen ihrer Zeit, entstammte Marie Claire Alain einer Musikerfamilie. Auch ihre Brüder Olvier und Jehan waren Musiker - wobei Jehan Alain, einer der bedeutendsten Komponisten des frühen XX. Jahrhunderts, im jugendlichen Alter von 29 Jahren im Zweiten Weltkrieg fiel. Lebenslang bemühte sich die jüngere Schwester, das Werk ihres Bruder zu propagieren und auch die Druckausgaben vorzubereiten. Marie Claire Alain war eine der produktivsten Organistinnen, hinterließ vor allem über 250 Aufnahmen - darunter (ab 1959) drei Gesamtaufnahmen des Orgelwerks von Johann Sebastian Bachs, dessen Musik in der Familie besonders hoch gehalten worden war. Als Lehrerin war Alain nicht minder erfolgreich und begründete eine regelrechte Oragnistenschule, aus der unter a...

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Dietrich Fischer-Dieskau

Der Lieder-Papst

(1925 - 2012)

Bilder im Kopf des Musikkritikers: Der ungemein elegante Graf Almaviva, der auch im Moment des Wutanfalls nicht die Contenance verlor und wirklich erst im Finale vor seiner Contessa in die Knie ging. Der König Lear, souverän-distanziert beim Verteilen seines Erbes, verstört-zerstört durch den Gewittersturm des Haide-Bildes wankend . . .Als Wiener Musikfreund mußte man reisen, um solche Momente erleben zu dürfen. Denn Oper sang Dietrich Fischer-Dieskau in Wien nicht. München, Berlin waren seine Heimstätten. An der Bayerischen Staatsoper, wo er in seinen Paraderollen, etwa auch als Barak in der Frau ohne Schatten oder als Mandryka in Arabella, wirklich zu Hause war, wagte er sich sogar einmal an den Hans Sachs, eine Partie, von der man meinte, er würde sie lediglich ein Mal zu Aufnahmezwecken im Studio singen, um sie dann wieder kraftvolleren Bassisten-Kollegen zu überlassen.

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Rudolf Barschai

1924 - 2010

Barschai studierte Geige am Moskauer Konservatorium bei Wadim Borisowskij und war zunächst vor allem als Kammermusiker aktiv. Mit Leonid Kogan und Mstislaw Rostropowitsch spielte er Streichtrio und war Mitglied der Erstbesetzung des Moskauer Borodin-Quartetts, dem er sieben Jahre lang angehörte.

1953 wechselte er endgültig ans Dirigentenpult. Er gründete unter dem Eindruck eines deutschen Kammerorchesters, das im Rahmen des ersten offiziellen Staatsbesuchs eines deutschen Bundekanzlers in Moskau nach dem Krieg gastierte, das Moskauer Kammerorchester, das unter seiner Führung Weltruhm erlangte. Das Repertoire bestand vor allem aus dem großen Kanon der westlichen späten Barockmusik und Wiener Klassik. Aufnahmen entstanden von Bachschen Concerti, von Werken Haydns und Mozarts (die Symphonien 29-41) zum Teil mit exzellenten Solisten von Kogan bis Oistrach.

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Arthur Grumiaux

1921 - 1986

Ein Mann fürs Grobe war er nie. Der flämische Geiger, der seine erste Geige vom Großpapa erhalten hatte und der, statt eine Wunderkindkarriere zu starten, mit sechs ein solides Musikstudium begann, galt vor allem als dezenter Meister, der mit Geschmack und Stilgefühl agierte. Zwar verfügte er über eminente Virtuosität, aber er stellte sie niemals zur Schau, arbeitet eher mit Understatement - und vor allem: er stellte sie grundsätzlich in den Dienst des großen Ganzen. Wo die Kollegen gern Kraft und Verve walten lassen, wirkt Grumiaux meist besonnen, oft sogar zurückhaltend.

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Phyllis Curtin

Geboren am 3. Dezember 1921 im amerikanischen Clarksburg (West-Virginia) als Phyllis Smith, studierte sie am Wellesley College, bei OlgaAvierino und bei Boris Goldovsky in Boston und debütierte 1946 als Tatjana in Tschaikowskys »Eugen Onegin« bei derNew England Opera Company.

Curtin wurde vor allem als Interpretin Neuer und zeitgenössischer Musik bekannt. Legendär ihre Aufnahme der »Wozzeck«-Bruchstücke von Alban Berg unter Erich Leinsdorf. In den Fünfzigerjahren sang sie Jahr für Jahr (später hie und da noch als Gast bis 1976) in der New York City Opera, wo unter anderem die Uraufführung von Carlisle Floyds Opern »Susannah« (1956) und »The Passion of Jonathan Wade« (1962) ganz auf sie zugeschnitten waren.

Curtin sang auch in der amerikanischen Erstaufführung von Gottfried von E...

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Inge Borkh

1921- 2018

Fast ein halbes Jahrhundert war Inge Borkh nicht mehr auf der Opernbühne gestanden, als sie im August 2018 im Alter von 97 Jahren starb. Mehr als eine Generation von Musikfreunden konnte schon damals nur auf Tonaufnahmen zurückgreifen, um halbwegs ermessen zu können, worauf der Weltruhm dieser Künstlerin basierte. Borkh war offenkundig ein Phänomen, das sich mit musikalischen Vokabeln nicht annähernd umschreiben läßt. Sie muß auf der Bühne von umwerfender darstellerischer Überzeugungskraft gewesen sein. Anders ist kaum zu erklären, daß nach ihrem Debüt als Salome an der New Yorker Metropolitan Opera der Eiserne Vorhang wieder hochgezogen werden mußte. Das Publikum jubelte lang weiter. Eine Bühnenfigur von außerordentlichem Rang also, eine, die durch schiere Präsenz auf der Sz...

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Géza Anda

1921 - 1976 In Budapest geboren und in den Klassen Ernst von Dohnányis und Zoltán Kodálys ausgebildet, ließ sich der Pianist 1942 in Zürich nieder. Im Alter von 19 Jahren hatte unter Willem Mengelberg sein Debüt mit Orchester gefeiert.Als Nachfolger von Edwin Fischer leitete Anda ab 1959 die Meisterkurse am Konservatorium von Luzern, ehe er 1969 eine Professur in Zürich übernahm.

Weltberühmt wurde Anda dank seiner Aufnahme des langsamen Satzes aus Mozarts Klavierkonzert in C-Dur, KV 467, für den Soundtrack des Films Elvira Madigan. Der Filmtitel wurde nicht für Andas Aufnahmen auf unzähligen Schallplattencovers mit Aufnahmen dieses Werks in den Siebzigerjahren verwendet und sorgte für reißenden Absatz. Viel beachtet wurde danach die erste Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Mozarts...

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