Operndiva Anna Netrebko hat sich nach längerem Schweigen wieder zu Wort gemeldet und verkündet, sie gedenke ihre Karenzzeit Ende Mai zu beenden. Nach negativen Reaktionen aus dem Westen angesichts ihrer Nähe zum russischen Staatschef Putin bekräftigte sie stärker als zuvor ihre Ablehnung des Kriegs in der Ukraine.
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Worüber man in der Opernpause diskutieren kann
Currentzis »unberührbar«
Bachler, der Künstler
Ukrainische Oper?
Thielemanns »Aida« mit der Stoyanova
Netrebko und die Scala
Die unendliche Geschichte geht weiter
Der Intendant der Mailänder Scala, Wiens Ex-Opernchef Dominique Meyer, zeichnet ein differenziertes Bild der Absagen und Rückzüge russischer Künstler von den internationalen Podien im Zuge der Kriegshandlungen in der Ukraine. »Ich bin erstaunt über all die falschen Dinge, die geschrieben wurden und nichts mit der Realität zu tun haben«, sagt Meyer über die Absage Anna Netrebkos, die dieser Tage Cileas Adriana Lecouvreur an der Scala singen sollte. Sie wird durch Maria Agressta ersetzt.
Netrebko und die Scala weiterlesenNetrebko zur Ukraine-Krise
New Yorks Opernchef in Moskau
Chef der New Yorker Met in Moskau
Peter Gelb startet eine Co-Produktion mit dem Bolschoi-Theater und ist in der russischen Metropole, um die Premiere von Wagners »Lohengrin« mitzuerleben. Soeben hat er seinen Spieplan für 2022/23 vorgestellt.
Die New Yorker Metropolitan Opera veröffentlichte ihren Spielplan für die kommende Spielzeit unglücklicherweise an jenem Tag, an dem der russische Angriff auf die Ukraine begann. Und Met-Chef Peter Gelb weilt – in Moskau. Könnten die Zeitläufte grotesker sein? Gelb ist angereist, weil er am Donnerstag der Premiere von Wagners „Lohengrin“ am Bolschoi-Theater beiwohnen wollte. Mit dieser Produktion soll eine Kooperation der beiden Opernhäuser beginnen. „Lohengrin“ wird, zumindest wenn alles nach Plan läuft, im Februar 2023 an die Metropolitan Opera übersiedeln.
Netrebko in New York: Ja und nein!
Eigentlich hatte Peter Gelb für diese Übernahme einen Trumpf im Ärmel: Anna Netrebko sollte die Elsa singen. Aber sie hat vor kurzem abgewinkt, kommt aber nächste Spielzeit dennoch nach New York: Ab 3. November 2023 ist sie für fünf Vorstellungen die Elisabeth von Valois in Verdis „Don Carlos“ an der Seite von Anita Rachvelishvili (Eboli), Russell Thomas (Don Carlos) und Günther Groissböck (König Philipp).
Groissböck, der an der Met kommende Spielzeit auch den Ochs in der von Simone Young dirigierten Aufführungsserie des „Rosenkavalier“ mit Lise Davidsen singen wird (ab 27. März), ist im neuen „Lohengrin“ sowohl in Moskau als auch in New York als König Heinrich vorgesehen. An der Met werden statt Tamara Wilson und Elena Stihkina als Elsa alternieren, den Titelhelden soll in allen acht Vorstellungen zwischen 26. Februar und 1. April Piotr Beczala singen, der an der Met kommende Saison zuvor bereits als Loris in Giordanos „Fedora“ (an der Seite von Sonya Yoncheva) zu erleben sein wird (ab 31. Dezember). Yoncheva singt an der Seite von Michael Spyres ab 28. Februar 2023 Bellinis „Norma“.
Stars und neue Namen
Die neue Saison der Met hebt am 27. September 2022 mit Cherubinis „Medea“ an. In einer Inszenierung von Dvid McVicar tritt Sondra Radvanovsky in die Fußstapfen der Callas. Tags darauf feiert Manfred Honeck sein Met-Debüt mit Mozarts „Idomeneo“ (Michael Spyres in der Titelpartie).
Die Met sieht, wie gewohnt, für viele ihrer Aufführungsserien auch kommende Saison wieder Doppelbesetzungen der Hauptpartien vor und stellt dabei einige neue Namen vor. So gibt es ab 2. Dezember 2022 Verdis „Aida“ mit Latonia Moore und Michelle Bradley in der Titelpartie, zwei bewährte Tenöre, Marcelo Álvarez und Brian Jadge, alternieren als Radamès.
Neue Opern
Latonia Moore ist auch am 10. April 2023 dabei, wenn Terence Blanchards „Champion“ Met-Premiere feiert. Der in Wien bestens bekannte Ryan Speedo Green wird da den Aufstieg eines Weltklasse-Boxers aus dem Nichts nachzeichnen. „Champion“ war Blanchards erste Oper. Die Met brachte kürzlich viel beachtet sein „Fire Shut Up in My Bones“ heraus, als erstes Werk eines farbigen Komponisten in New Yorks führendem Haus.
Uraufgeführt wird in New York kommende Saison Kevin Puts’ „The Hours“ mit Renée Fleming, Kelli O’Hara und Joyce DiDonato in den drei Frauenrollen, die in der Verfilmung des von Virginia Woolfs „Mrs. Dalloway“ inspirierten Stücks von 2002 von Meryl Streep, Julianne Moore und Nicole Kidman verkörpert wurden. (Premiere ist am 22. November).
Für Wiener Musikfreunde von speziellem Interesse: Speranza Scappucci, an der Staatsoper bestens bekannt und jüngst für ihr Debüt an der Mailänder Scala mit Bellinis „Capuleti e i Montecchi“ gefeiert, dirigiert in New York ab 10. November die Aufführungs-Serie von Verdis „Rigoletto“ mit Rosa Feola bzw. Lisette Oropesa (Gilda), Benjamin Bernheim bzw. Stephen Costello (Herzog) und Quinn Kelsey bzw. Michael Chioldi (Rigoletto). Adam Plachettka ist der Leporello im „Don Giovanni“ mit Peter Mattei (ab 5. Mai), und Tomasz Konieczny Wagners „fliegender Holländer“ unter Jaap van Zwedens Leitung (ab 30. Mai 2023).
Beginnend mit „Medea“ am 22. Oktober bringt die Met auch kommende Spielzeit wieder Monat für Monat mindestens eine HD-Übertragungen in internationale Kinos. Nur der Februar ist ausgenommen: Wie heuer legt man da in New York auch kommendes Jahr wieder eine Spielpause ein.
Phänomen John Adams
Klassik-Streaming, geht das?
Die Streamingplattform Spotify hat Anno 2022 Schlagzeilen gemacht, weil der Pop-Star Neil Young verbieten ließ, dass seine Musik über die Plattform abgerufen werden konnte. Den in jeder Hinsicht unbeteiligten Klassik-Freund hat daran nicht unbedingt interessiert, was Neil Young so erbost hat. Er dachte eher über die Tragweite eines solchen Boykotts nach – und stellte Vergleiche an, die ihn über Umwege doch wieder zu Mozart führten.
Wer auf Spotify bestimmte Künstler sucht, erfährt auch, wie viele Hörer ihnen Monat für Monat lauschen. Im Fall Neil Youngs waren es zum Zeitpunkt des Boykott-Beginns 5.704.132. Das war auch angesichts von offiziell dokumentierten etwas über 400 Millionen Nutzern des Dienstes keine Kleinigkeit.
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