Erstmals aufgenommen: Falls Berliner Operette »Die Straßensängerin«, basierend auf G. B. Shaws »Pygmalion«.

Gewiß, »My Fair Lady« ist und bleibt die kongeniale Musical- und Film-Version der spritzig-bösen Komödie »Pygmalion«, aber schon 1922 kam dank Leo Falls Musik eine hörenswerte Operettenversion heraus – wie man nun dank der Studioaufnahme hören kann, die im Zuge einer konzertanten Aufführung in Leipzig entstand.
Eine späte Gabe der wienerischen Operette, zugeschnitten auf Berliner Verhältnisse.
Zwar hat der Komponist für die Berliner Spielart des Genres einige Jazz-Anklänge eingearbeitet, aber insgesamt handelt es sich dabei um eine späte Gabe der wienerischen Operettenkultur, voll von einschmeichelnden Walzermelodien und einigen Gesangsnummern, die Falls geniale Kunst der »endlosen Melodie« dokumentieren.
Da Shaw jegliche Vertonung seiner Theaterstücke verabscheute, mußten die Librettisten Falls die Geschichte gehörig adaptieren. Aus Eliza wurde die Straßensängerin Sonja und viele zauberhafte Pointen des Originals vermißt man hier. Dafür gewinnt man eine resolute juunge Dame, die nicht zur Getriebenen in einem Spiel älterer Herren wird, sondern die Zügel der Komödie selbst in die Hand nimmt. Eine amüsante Farce mit schöner Musik ist jedenfalls daraus geworden — und deutschsprachige Hörer werden sich nicht daran stoßen, daß cpo diesmal auf ausführliche Erläuterungen des Inhalts, ganz zu schweigen von einem Textabdruck, verzichtet hat. Als Operetten-Hörspiel dank der spürbar engagierten Sänger und Musiker unter Tobias Engeli ein Repertoiregewinn.