Archiv der Kategorie: SinkoCHARTS

Rachmaninow – Lugansky

Die Etudes-Tableaux
Ein doppeltes Rachmaninow-Jahr ist heuer zu begehen: Ende März folgen 80. Todestag und 150. Geburtstag rasch aufeinander. Wobei die Toasts wohl nach wie vor von kritischen Anmerkungen gestört werden. Mehr noch als andere Kollegen, die sich gegen die Diktatur der musikalischen Avantgarde zur Wehr gesetzt haben und noch Mitte des 20. Jahrhunderts an der Tonalität und einer (wenn auch harmonisch weit gefassten) romantischen Tonsprache festgehalten haben, trifft Rachmaninow immer wieder der Kitsch-Vorwurf. Man stellt ihn, weil manch einschlägiger Handwerker aus Hollywood tatsächlich bei ihm Maß genommen hat, in die Filmmusi...

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Klarinetten-Trios

Decca 2022

Bei Beethoven fängt der musikalische Spaß erst richtig an.

Drei Wiener Musiker haben die Lockdowns der Corona-Pandemie genützt, um das Repertoire an Klarinettentrios zu durchforsten. Sieben CDs sind bei Decca erschienen

Kundige Kammermusikfreunde kann man mit der Frage nach einem Klarinetten-Trio nicht aufs Glatteis führen. Sie kennen vermutlich sogar die Opuszahl 114, die zu Johannes Brahms‘ Spätwerk gehört. Aber selbst geeichte Kenner geraten ins Stocken, wenn sie weitere Stücke für Klarinette, Violoncello und Klavier nennen sollten. Beethovens „Gassenhauertrio“ ist 1797 für dieselbe Kombination entstanden.
Aber sonst?

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An Mozarts Klavier . . .

»Man bekommt Gänsehaut«, sagt Robert Levin auf die Frage, wie sich ein Pianist fühle der sämtliche Klaviersonaten Mozarts auf dessen eigenem Hammerklavier für CD aufzunehmen. »Man denkt immer wieder: Diese Tasten haben seine Finger berührt! Alle Wiener Meisterwerke hat er an diesem Klavier komponiert!«

Der historische Walter-Flügel gehört der...

 

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Bruckners Vierte

Bruckners beängstigende Wilde Jagd
Neu auf CD. Markus Poschner setzte seinen Zyklus mit Bruckners Symphonien in allen unterschiedlichen Fassungen mit der staunenerregenden Erstversion der Vierten fort.

Das Vorhaben ist ehrgeizig und der Termin naht: Zur Feier des 200. Geburtstags von Anton Bruckner will der Linzer GMD Markus Poschner sämtliche Symphonien des Meisters aufgenommen haben — und zwar in allen existierenden Fassungen. Das heißt, wir haben nicht mit neun nummerierten und zwei Studiensymphonien zu rechnen, sondern mit zwei weiteren Versionen der Dritten, der Frühfassung der Achten und der ersten Fassung der Vierten.

Letztere kam ...

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Tristans Traum und Wahnsinn

Igor Levits neues Konzeptalbum

Aufregend, aufschlussreich: Pianist Igor Levit stellt seine Interpretation von Hans Werner Henzes „Tristan“ in historisch-kritischen Zusammenhang mit Werken von Franz Liszt, Richard Wagner und Gustav Mahler, Liszts berühmten »Liebestraum« inbegriffen. (Sony)

Ein Liebestraum, und was daraus werden kann: Zutiefst humane, intime Botschaften plaudert Igor Levit in seinem jüngsten Album aus. Das Programm der beiden CDs basiert auf den Erfahrungen einer Begegnung auf dem Salzburger Festspielpodium: Mit den Wiener Philharmonikern unter Franz Welser-Möst hat Levit im August 2018 Hans Werner Henzes „Tristan“ aufgefü...

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Henzes »Tristan«

Sony 2022

Tristans Traum und Wahnsinn
Neues Album. Aufregend, aufschlussreich: Igor Levit stellt seine Interpretation von Henzes "Tristan" in historisch-kritischen Zusammenhang mit Werken von Liszt, Wagner, Mahler.

Ein Liebestraum, und was daraus werden kann: Zutiefst humane, intime Botschaften plaudert Igor Levit in seinem jüngsten Album aus. Das Programm der beiden CDs basiert auf den Erfahrungen einer Begegnung auf dem Salzburger Festspielpodium: Mit den Wiener Philharmonikern unter Franz Welser-Möst hat Levit im August 2018 Hans Werner Henzes "Tristan" aufgeführt, ein einzigartiges Klavierkonzert mit elektronischen Zuspielungen, das Ri...

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Boulez entdecken

über Pierre Boulez

Pierre Boulez
Pierre Boulez hat einen vergleichsweise schmalen Katalog von Werken hinterlassen, von denen einige jedoch tatsächlich Musikgeschichte geschrieben haben.

Als Einführung in die Klangwelt der Avantgarde nach 1945 mit ihren strengen Reglements, die sämtliche Parameter der Musik akribisch organisierten, taugt nach wie vor das Kammermusik-Werk »Le marteau sans maitre«, halb avantgardistischer Liederzyklus, halb absstrakte Klangskulptur, das der Komponist selbst mehrmals aufgenommen hat. Die letzte dieser Einspielungen mit dem Ensemble InterContemporain ist mit den beiden viel später entstandenen Werken »Dériv...

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Tetelmans Debüt-Album

Der neue Tenor-Liebling?

Das Opernarien-Debütalbum des chilenischen Sängers demonstriert eine samtig timbrierte Stimme mit satter Tiefe und Bomben-Höhen im italienischen und französischen Repertoire.

DG 2022

Das ist auch eine Lektion in Sachen Dramaturgie: Zuerst die Stimme. Die Stimme, ganz allein. Sie beschwört den Anblick des Himmels: „Cielo!“ – eine der schönsten Tenorstimmen unserer Tage, da waren sich die Zeugen der ersten Auftritte des in Chile geborenen, in den USA ausgebildeten Künstlers sogleich einig. Jahrgang 1988, schaffte Jonathan Tetelman Mitte der Zehnerjahre seinen Durchbruch. In Europa dauerte es etwas länger. Aber auch hierzulande ist der neue Stern am Opernhimmel aufgegangen: In Wien debütierte er in der szenisch verunglückten „Tosca“ im Theater an der Wien. Kommenden Juni singt er an der Seite von Asmik Grigorian in den Opernzwillingen „Cavalleria rusticana/Bajazzo“ erstmals im Haus am Ring.

Soeben brachte die Deutsche Grammophon Tetelmans erste Arien-CD in den Handel. „Cielo“, singt er zu Beginn, erst dann setzen langsam auch die Streicher des philharmonischen Orchesters von Gran Canaria ein, das unter Karel Mark Chichons Leitung die Stimme in der Folge trägt und anschmiegsam begleitet.

Mit den ersten beiden Tönen gibt Tetelman aber unbegleitet seine Visitenkarte ab: Sein samtweiches Timbre versteht er, man hört es sofort, mit Schmachtlocke zu präsentieren. Vielleicht einen Deut zu viel Vibrato mischt er bei. Doch er kann auch anders. Das verraten schon die folgenden Phrasen der großen Arie des Enzo aus Ponchiellis „La Gioconda“: Tetelman phrasiert mit Eleganz und einem von großen Atemzügen getragenen Schwung.

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