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Robert Schumann

1810 - 1856 ZEITTAFEL Der Sohn eines Buchhändlers und Verlegers erfuhr eine umfassende Gymnasialbildung und wuchs vor allem durch Selbststudium zu einem ungemein kultivierten jungen Mann heran, sprachbegabt und musisch in der großzügigen Bedeutung des Wortes. Er gründete ein Schulorchester, las mit Freunden Dramen mit verteilten Rollen. Doch war er keineswegs konsequent musikalisch geschult. Er selbst taxierte sich so:

… Freies Phantasiren (täglich viele Stunden) … Krankhafte Sehnsucht nach Musik u. Clavierspiel, wenn ich lange nicht gespielt … Violoncell u. Flöte bei Stadtdir. Meißner … In der Phantasie am stärksten … Hinreißendes Feuer meines Vortrags … Gänzlicher Mangel einer Leitung fühlbar: Gehör, Technik insbesondere, Theorie

Eines Tages wandte sich die Mutter an den ehemaligen Hau...

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Robert Schumann

BIOGRAPHISCHES

ZEITTAFEL

  • Am 8. Juni 1810 im sächsischen Zwickau geboren als als jüngstes von fünf Kindern des Buchhändlers und Verlegers August Schumann
  • 1817 erster Klavierunterricht für den Schüler des Zwickauer Lyzeums.
  • 1825 Selbstmord der Schwester Emilie
  • 1826 Tod des Vaters
  • 1828 Klavierstudien bei Friedrich Wieck, Begegnung mit dessen elfjähriger Tochter Clara
  • 1829
    • zwei Semester Jus-Studium in Leipzig und Heidelberg
    • Ende des Klavierstudiums wegen Lähmung einer Hand.
  • 1833
    • Tod des Bruders Julius
    • Beginn der phasenweise schweren Depressionen
  • 1834 Gründung der Neuen Zeitschrift für Musik
    • Redaktionstätigkeit bis 1844
    • Verlobung mit Ernestine von Fricken, einer Klavierstudentin Wiecks.
  • 1835
    • Lösung der Verlobung, offizieller Grund: Ernestine ist nicht die leibliche Tochter des Barons von Fricken.
    • Briefwechsel mit Clara beginnt
  • 1836
    • Tod der Mutter
    • Bruch mit Wieck
    • Begegnung mit Frédéric Chopin.
  • 1837 Verlobung mit Clara
  • 1838/1839 Aufenthalt in Wien
  • 1839
    • Wegen Friedrich Wiecks Weigerung: Antrag an das Gericht auf Erteilung des Ehekonsenses
    • Tod des Bruders Eduard
  • 1840
    • gerichtliche Zustimmung zur Hochzeit
    • Ehrendoktorat der Universität Jena
    • Begegnung mit Franz Liszt
  • ab 1843 Klavier- und Kompositionslehrer am Konservatorium Leipzig
  • 1844 Chorleiter in Dresden.
  • 1850 Städtischer Musikdirektor Düsseldorf
  • 1852/1853
    • Anfeindungen, Intrigen – Rücktritt;
    • Freundschaft mit Johannes Brahms;
  • 1854
    • Depressionen, Halluzinationen – Selbstmordversuch
    • Aufnahme in die Heilanstalt Endenich bei Bonn
  • Schumann stirbt am 29. Juli 1856 in Endenich

Barock, Österreich

Heinrich Ignaz Franz BIBER von BIBERN

1644 – 1704
Die wahrscheinlich originellste Persönlichkeit des österreichischen Barock. Geboren im böhmischen Wartenberg, wirkt Biber ab 1670 am Hofe des Fürsterzbischofs von Salzburg.

1679 Vizekapellmeister
1684 Kapellmeister und Truchseß
1690 vom Kaiser geadelt.

Biber orientiert sich an der italienischen Instrumentalmusik seiner Zeit und erweitert als Geiger die Spieltechnik für sein Instrument um Doppelgrifftechniken, führt das Spiel in damals ungekannt hohe Lagen. Außerdem kultiviert er die Skordatur (die Verwendung ungewohnter Stimmungen) als Mittel zur Erweiterung der Harmonik.
Besonders virtuos gehandhabt werden die innovativen Praktiken in den sieben Partiten der

Harmonia artificiosa-ariosa,

die 1693 in Nürnberg gedruckt wurden.

Programm-Musik

Bibers Musik steckt voll pittoresker klanglicher Anspielungen auf außermusikalische Eindrücke, Naturlaute, Sprachmelodik, Stimmungsmalerei.
So gibt es eine Serenade à 5 »mit dem Nachtwächterruf« (1673) oder die von Nikolaus Harnoncourt wieder aufgefundene Battaglia mit handgreiflichen Schilderungen des Kauderwelschs im Heerlager, einer Schlachtenmusik und den armselig von dannen ziehenden verwundeten Kriegern.

Mysteriensonaten

Bibers instrumentales Hauptwerk sind jedenfalls die

16 Violinsonaten zur Verherrlichung von 15 Mysterien aus dem Leben Mariae (um 1675)

Sie gehören in gewisser Weise zur geistlichen Musik Bibers, die in ihren prunkvollsten liturgischen Ausprägungen, den für Festgottesdienste geschaffenen großen Messen, Vespern und Litaneien ihre Höhepunkte erreicht.
Die gewaltige 53-stimmige Missa Salisburgensis zur 1100-Jahr-Feier des Erzbistums Salzburg – man hat sie Autoren wie Orazio Benevoli oder Bibers Vorgänger → Andreas Hofer zugeschrieben – gilt mittlerweile sicher als Werk Bibers.
1682 stellt sie jenseits von Italien das beeindruckendste Beispiel musikalischer barocker Prachtentfaltung dar.
Aufgrund der reduzierten Theater-Praxis im Erzbistum Salzburg ist das Erbe an Opern aus Bibers Werkstatt weniger groß. Neben geistlichen Schuldramen findet sich Chi la dura la vince (»Arminius«, 1687) als einziges Beispiel einer groß angelegten Biber-Oper, von der auch die Musik erhalten blieb. Außerdem Alessandro in Pietra (1689 – nur das Libretto erhalten) und L’ossequio di Salisburgo (1699).

Biographisches

Der Ruhm Bibers als virtuoser Geiger führte von einer Position als Kammerdiener und Hofmusikant des Fürstbischofs von Olmütz. An dessen Hof in Kremsier pflegte man vor allem die festliche Blasmusik, die zu Zeiten so berühmt war, daß sie zu Gastauftritten an benachbarte Fürstenhöfe ausgeliehen wurde.
In diesem Umfeld galt Biber als einer der exzellentesten Musiker seiner Zeit. Seine Künste als Geigenvirtuose waren bald legendär.
Es scheint daher wahrscheinlich, daß Biber den Verlockungen anderer möglicher Dienstherren erlag, um aus der unangenehmen Doppel-Position zu entkommen. Obwohl der Bischof Biber schätzte, beschäftigte er ihn doch gleichermaßen als Musiker und Lakai.
Daß der ranghöere Fürsterzbischof von Salzburg, der Primas Germaniae sich für den genialen Musiker interessierte, kam also gerade recht. Gegen dessen Avancen konnte der Bischof von Olmütz letztlich wenig ausrichten.

Bibers Flucht

So nutzte der Musiker die Gelegenheit einer Dienstreise zur Flucht. Er war nach Tirol zum Geigenbauer Jakobus Stainer geschickt worden, um Instrumente für die Olmützer Hofkapelle zu besorgen.
Salzburgs Fürsterzbischof Max Gandolph, ein barocker Regent mit Sinn für kulturelle Prachtentfaltung, nahm Biber in seine Obhut. Von 1670 an bis zu seinem Tod war der Komponist in Salzburg tätig. Zunächst noch als Vizekapellmeister seines Vorgesetzten Andreas Hofer.
Dessen Vorrangstellung erklärt wohl auch die viel diskutierte Frage, warum die offenkundige Autorschaft Bibers an der Missa Salisburgensis verschwiegen wurde. Hofer war noch im Amt, als das Werk 1682 zur 1100-Jahr-Feier des Erzbistums Salzburg erstmals erklang. Den strengen hierarchischen Regeln der Barockzeit hätte eine Namensnennung wohl widersprochen…

Aufnahmen

Zur Wiederentdeckung dieses originellen Geists der Barockmusik hat → Nikolaus Harnoncourt mit seinen Forschungsarbeiten für das Repertoire seines Concentus musicus in den frühen Jahren seines Wirkens unschäztbare Leistungen erbracht.

mehr CD-Tipps

DA CAPO

Barock in Österreich

Im Schatten der Musikgeschichte


Auf den Spuren von Heinrich I. F. Biber und Georg Muffat —
— von der „Bauernkirchfahrt“ bis zum katholischen Mysterium;
mit Musikern wie Nikolaus Harnoncourt und Eduard Melkus.

Harnoncourts Pilgerfahrt

In den Fünfzigerjahren des XX. Jahrhunderts ist Nikolaus Harnoncourt als Schatzgräber ins böhmische Kremser gepilgert, um dort in der Bibliothek unter den widrigsten Umständen des realen Sozialismus nach alten Musikbeständen zu suchen. Es wurde einer der fruchtbarsten Ausflüge der jüngeren Musik- oder besser: Interpretationsgeschichte.
Unter den Partituren, die Harnoncourt damals fand, befanden sich Werke wie die heute berühmte und von allen Originalinstrumenten-Ensembles gern gespielte Battaglia von → Heinrich Ignaz Franz Biber sowie manch geistliches Werk des nachmaligen Salzburger Hofkapellmeisters.

Ein halbes Jahrhundert später hat Harnoncourt einige der damals wieder gefundenen Werke Bibers, gekoppelt mit Concerti aus der Feder Georg Muffats, die ebenfalls für Salzburg geschrieben wurden, im Rahme der „styriarte“ in Stainz noch einmal ins Programm genommen: Man hörte Musik des ausgehenden 17. Jahrhunderts, voller Vorahnungen späterer Klangabenteuer von Bach bis Mozart, in dessen „Requiem“ sich manche Passage findet, die in Bibers f-Moll-Totenmesse ihr Urbild findet!

Hochblüte

Wenn es eine musikalische Ära gibt, in der Nikolaus Harnoncourt und sein Concentus die unangefochtenen Autoritäten waren, dann ist es wohl diese Hochblüte des österreichischen Barock. Das Publikum des Ensembles konnte live genießen, was den Nachgeborenen in Aufnahmen wohl unverlierbar zum Studium der heimischen Musikgeschichte bleibt: fein geschliffene Darstellungen der oft betörend schönen, immer originellen Klangmixturen, die Muffat und Biber ihrem kleinen, aber vielseitigen Instrumentarium abgetrotzt haben.

Da ist die gewaltige Chaconne in Muffats Concerto Propitia Sydera, Musik von staunenerregender Vielgestaltigkeit und großem koloristischem Reichtum. Bibers „Dreikönigs-Motette“, in denen sich die Solosopranstimmen mit den kühl-sinnlichen Linien von konzertierenden Flöten und Oboen mischen, während die profunden Bass-Stimmen dunkel-leuchtend mit den tiefen Registern des Concentus konkurrieren müssen.

Vergleichbar aufregende Instrumentationsfinessen finden sich in der Musikgeschichte wohl wirklich erst bei Mozart wieder. Harnoncourt sorgt auch bei Bibers großem „Requiem“ für Dramatik und Expressivität in jeder kleinsten Phrase. Dergleichen machte diesem Originalklangpionier zu Lebzeiten keiner nach. Höchste Lebendigkeit, intensiver, unmittelbar verständlicher Ausdruck prägen diese Wiedergaben.

H. I. F. Biber

Zu den Aufnahmeklassikern zählen die 1965 im Wiener Palais Schönburg entstandenen Einspielungen von Biber-Sonaten und und -Ouvertüren, mit denen Nikolaus Harnoncourt die von ihm aufgefundene Musik einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte. Auf dieser Pionierarbeit konnten spätere Interpreten aufbauen. Mittlerweile dürfte geklärt sein, daß die gewaltige Missa salisburgensis, die lange anderen Autoren zugeschrieben wurde, auch von Biber stammt. Von diesem vielstimmigenmusikalischen Kathedralbau liegen etliche Einspielungen vor, imposant jene unter Ton Koopmans Leitung (1999).

Am populärsten wurden Bibers programmatische Sonaten, in denen die barocke Lust an der pittoresken klanglichen Schilderung von ereignisreichen Geschichten und Erzählungen fröhlich Urständ feiert: die Pauernkirchfahrt etwa oder das effektvolle Schlachtengemälde Battaglia.
Unter den vielen Produktionen dieser Musiknehmen jene unter Nikolaus Harnoncourts Leitung nach wie vor einen Spitzenrang ein.

Mysterien des Rosenkranzes

Die feinsinnigsten von Bibers Werken sind freilich die Mysteriensonaten über den Rosenkranz, die mittlerweile zum Fixbestand der vor-bachischen Violinliteratur zählen; auch hier darf der Hörer in heimatlichen Gefilden bleiben:

Die Aufnahme durch Eduard Melkus aus den Sechzigerjahren ist wahrscheinlich nach wie vor die farbenprächtigste, im sprichwörtlichen Sinne „barocke“ Darstellung dieser Musik und beschwört von der Askese bis zur überbordenden Sinnenlust alle Aspekte dieser klingenden katholischen Mysterien.  (DG)

Jordi Savall präsentierte bei den Salzburger Festspielen die prächtige Missa Salisburgenis“, aber auch eine kaum bekannte Biber-Messe, die in einem Archiv in Brüssel aufgefunden wurde. (aliavox)

Bibers Requiem in f-Moll unter Paul McCreeshs Leitung  (DG)