Kategoriearchiv: Feuilleton
Hanekes Mozart-Regie
FESTWOCHEN "Così fan tutte"? So machen's gottlob nicht alle! Theater an der Wien. Michael Hanekes Mozart-Inszenierung übersiedelt für einige Tage aus Madrid ins Theater an der Wien. Szenisch ist das ein Fest. Wer meint, dass Oper auch etwas mit Musik zu tun haben sollte, weint zwischendurch leise.
Ja, ist ja gut. Ich bin gleich wie der still und a...
Die Oster-»Arabella«
SALZBURG
Hofmannsthals aberwitzige poetische Ansprüche
Osterfestspiele. In Salzburg scheitert man an einem offenbar völlig unzeitgemäßen Stück. Obwohl Christian Thielemann am Pult des Uraufführungsorchesters versucht, die filigranen Richard-Strauss-Klänge den ungeeigneten Reitschuldimensionen des Festspielhauses anzupassen.
Ein Brief für Sie", sagt der Diener. Bei Hofmannsthal heißt es: "Da wär' ein Billett für Euer Gnaden." Diesen Unterschied, wie man so schön sagt, möcht ich Klavier spielen können. Dann dürfte ich als Korrepetitor mit den Festspielsängern vielleicht "Arabella" einstudieren.
"Und in dem Wie, da liegt der ganze Unterschied", heißt es in einem andern Werk des Duos Hofmannsthal/Strauss - da ist die ganze Malaise schon vorausgeahnt. Wer "Arabella", dieses zutiefst wienerische Stück, bei den diesjährigen Salzburger Osterfestspielen erlebt, der ahnt: "Arabella" geht wahrscheinlich gar nicht mehr. Heutzutage. Das Stück ist so unmöglich geworden wie auf dem Sprechtheater Schnitzler; oder Hofmannsthals eigener "Schwieriger".
Der »unmögliche« Wiener Ton
Günther Groissböck
»Wenn die Met anklopft, ist es Zeit« Im Gespräch. Im neuen Staatsopern-"Lohengrin" gibt Günther Groissböck heute Abend den König Heinrich. In Salzburg ist er der Ochs auf Lerchenau im "Rosenkavalier".
Mit Ausnahme Londons geht es mir überall gut", sagt Günther Groissböck und lacht. Das Royal Opera House Covent Garden, ergänzt er, "ist der einzige blinde Fleck" in seiner Biografie. Im Übrigen hat der Bassist aus Waidhofen an der Ybbs so gut wie überall gesungen, wo man gesungen haben muss, wenn man sich als Teil des illustren Welt-Opern-Ensembles fühlen möchte. Selbst würde ihm eine solche Bezeichnung wohl nie über die Lippen kommen. Groissböck wirkt im Gespräch so "geerdet", wie sich's für einen Vertreter des profunden Vokalregisters gehört. Aber sein Gegenüber denkt natürlich die interna...
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Matthäuspassion, 2014
Bach ist groß - und Harnoncourt sein Prophet Musikverein. Die "Matthäuspassion" im Zyklus des Concentus musicus, luxuriös besetzt und tiefgründig. Bei Bach, man weiß es, erreichen sie den Gipfel: Eine eingeschworene Gemeinde bilden Concentus musicus, der Arnold Schoenberg Chor - die auswendig singenden Sängerknaben nicht zu vergessen. Wenn die "Mat...
Matthias Goerne
Wozzecks Winterreise ins Abstrakte Im Gespräch. Matthias Goerne singt nach dem New-York-Gastspiel Alban Bergs Antihelden auch im Stammhaus der Staatsoper und freut sich auf ein Festwochen-Schubert-Abenteuer.
Matthias Goerne ist in den kommenden Wochen mit bedeutsamen Projekten im Wiener Musikleben präsent. Ab morgen, Sonntag, singt er in der Staatsoper den "Wozzeck". Bei den Festwochen präsentiert er dann einen ungewöhnlichen, multimedialen Schubert-Abend.
Den Titel-Antihelden der Alban-Berg-Oper hat Goerne seit Langem im Repertoire: "Ich habe ihn schon gesungen, als ich noch keine dreißig war - unter Christoph von Dohnanyi in Zürich", erinnert er sich. Und er hält diese Partie für eine der lohnendsten Aufgaben, jedenfalls für eine, von der man als Sänger und Darsteller nicht so schnell ...
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Gerard Mortier
Verführer und Aufreger Nachruf. Der streitbare Opernmanager aus Belgien starb 70-jährig an einem Krebsleiden. In Salzburg sorgte er in den Neunzigerjahren für eine Neuorientierung der Sommerfestspiele nach der legendären Ära Herbert von Karajans.
An ihm schieden sich die Musiktheater-Geister. Ge rard Mortier hat wie kein zweiter Intendant seiner Generation ästhetische Vorstellungen zu prägen verstanden. Denn zuallererst war er ein Verführer. Einer, der rhetorisch - und das in vier Sprachen - sein Gegenüber von der Wahrheit seiner Thesen überzeugen konnte. Jedenfalls konnte man ab einem bestimmten Zeitpunkt seiner Karriere in nahezu sämtliche...
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Adriana Lecouvreur in Wien
ERSTAUFFÜHRUNG Ein Östrogen-Konflikt, wie gemacht für Primadonnen Die Staatsoper spielt Francesco Cileas Oper zum ersten Mal: durchaus eine Bereicherung des Spielplans. Zuletzt gab es nebst anhalten dem Jubel ein paar Buhrufe für das Regieteam. Man fragt sich, was die kritischen Geister von einer Inszenierung der "Adriana Lecouvreur" erwarten? Soll...
Simone Kermes
Das Ding aus dem Sumpf", aktuell Im Gespräch. Simone Kermes bereitet ihre erste Wiener Opernpremiere vor: Im Theater an der Wien singt die deutsche Sopranistin Rameau - eine neue Erfahrung für die Vielgeliebte.
Also, jedenfalls ist es für Simone Kermes keine alltägliche Sache: In der Neuinszenierung von Jean Philippe Rameaus "Platee" durch Robert Carsen im Theater an der Wien singt die deutsche Sopranistin La Folie - schon vom Namen her eine verrückte Partie. "Es ist höchst kompliziert und nicht leicht zu merken. Dabei klingt es so einfach", bringt die temperamentvolle Leipzigerin ihre erste Arbeit an einer französischen Barockoper auf den Punkt. Verrückt ist ja schon das Szenarium des Werks, das von einer hässlichen, aber eitlen Sumpfnymphe handelt, mit der sich die Götter einen Spaß er...
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Petrenko dirigiert Mozart in München – Die heftige Milde des Kaisers Titus
Oper in München. Dank GMD Kirill Petrenko erklingt im Nationaltheater eine Mozart-Aufführung, deren musikalische Qualität sich die Salzburger Festspiele wünschen könnten. DIE PRESSE, 12. Februar 2014 Triumphal verlief auch die zweite Premiere in der Amtszeit des frisch gebackenen Generalmusikdirektors der Stadt München, Kirill Petrenko. Sie galt, n...