Kategoriearchiv: Feuilleton
Anestis Logothetis
Mit Klecks und Punkt zum Hörgenuß Anestis Logothetis, Wahlwiener aus Griechenland und stets neue Wege beschreitender Komponist, präsentiert sein Oeuvre am Samstag in Krems.
Auf einer Riesenleinwand wird das Publikum die für den Uneingeweihten bestimmt rätselhaften Partituren des Künstlers bestaunen können, die mit den Musik-Niederschriften auf traditionellem Fünfliniensystem nichts mehr zu tun haben und, wie der Komponist selbst erzählt, "Klangassoziationen" gleichermaßen festhalten wie im Interpreten wecken sollen. "Wo man einen Klecks sieht, soll man auch einen Klecks hören", meint Logothetis, und deutet auf einen schwarzen, an den Rändern ausgefransten großen Punkt im Lineament seiner "Partitur". Daß dem Publikum bei den Erläuterungen, die Logothetis in Krems selbst vornehmen will, lan...
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Silja probt Janacek
Selbstporträt-Krimi Anja Silja, einst Bayreuths jüngste Heroine, probiert an der Volksoper Janaeks "Sache Makropoulus" und verspricht im "Presse"-Gespräch einen veritablen "Opernkrimi".
Christine Mielitz, die schon Schostakowitschs "Lady Macbeth" zum musikalischen Psychothriller stilisiert hat, führt Regie. Sie tut das, glaubt man Anja Silja, mit der Akribie eines Theaterdiktators von Rang: "Jeder Gang, jede Geste ist minutiös vorherbestimmt". Die Silja freilich ist seit frühester Jugend gewohnt, mit Regiegrößen zusammenzuarbeiten und sich dabei durchzusetzen. "Ich habe", erklärt sie freimütig, "Regisseure lieber, bei denen der Sänger seine Eigenpersönlichkeit einbringen kann. Gegenüber derart festgefügten Konzepten kann man sich nur schwer durchsetzen. Aber wenn jemand so logisch und unw...
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Brendels Beethoven-Rundreise
Beethoven, ganz geheim Alfred Brendels dritte Beethoven-Rundreise geht in die zweite Etappe. Im Musikverein setzte der Pianist die Darstellung des Sonatenwerks am Dienstag abend fort, ganz ruhig, introvertiert - in stiller Größe also.
Ein aufdringlicher Musiktraumdeuter ist Brendel wirklich nicht. Zwar hat sich sein Beethovenbild mit den Jahren ga...
Wienerische Perfektion
NACHRUF Ein Perfektionist ist tot Erich Leinsdorf, ein Wiener Dirigent, der in die Welt vetrieben wurde, starb im 82. Lebensjahr in Zürich. Das gab seine Witwe Vera am Sonntag bekannt.
Ein Zyniker war er, vielleicht, einer, der nie mit Kritik hinter dem Berg gehalten hat. Aber auch einer, der sein Handwerk, das da war: Musik zu machen, so perfekt beherrscht hat wie kaum einer seiner Zunft. Bemerkungen aus seinem Munde konnten bitterböse sein, trafen den Kritisierten tief, vor allem deshalb, weil er fast immer recht hatte, wenn er bei anderen Fehler, Irrtümer, mangelnde Bildung konstatierte. Er vertrug es nicht, wenn Musiker schlecht vorberei...
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Der »neue« alte Brahmssaal
Neuer alter Brahms-Saal Im Musikverein in Wien wird mit Beginn der Konzertsaison der zweite Saal, der Brahms-Saal, in neuem Glanz erstrahlen. Die auf Hochtouren laufenden Renovierungsarbeiten bringen erstaunliche Veränderungen mit sich.
Wiens Kammermusikfreunde werden ihren Lieblingssaal kaum wiedererkennen, wenn sie ihr erste Abonnementkonzert de...
Darf man Barenboim glauben?
Unbescheiden am Sommerende Daniel Barenboim erzählt Tschaikowskys Vierte Symphonie. Mit vielen Ausschmückungen, großen Gebärden, blumigen Details. Ich glaube ihm kein Wort.
Wiewohl ich zugeben muß, daß es sehr effektvoll ist, wenn die Wiener Philharmoniker im Abschlußkonzert des Wiener Musiksommers im Musikverein sehr laut werden und trotzdem ihre...
Operette an die Staatsoper!
»Operette zurück an die Oper« Opernführe Marcel Prawy sieht Chancen, das Genre Operette aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken. Sein Rezept: »Operette gehört zurück an die Staatsoper«.
Das Wort zurück in diesem Zusammenhang werden vielleicht manche als provkant empfinden. Prawy ist es freilich wichtig: "Operette war in meiner Jugendzeit ein fixe...
Salzburg und Wien
Die Staatsoper ruft Mortier Ioan Holender gibt sich im Gespräch zufrieden. Die Staatsoperneinnahmen aus dem Kartenverkauf, die Auslastungsziffern steigen. Nur die Kooperation mit Gerard Mortier läßt zu wünschen übrig.
Eigentlich gibt es, wovon niemand spricht: einen Kooperationsvertrag zwischen der Wiener Staatsoper und den Salzburger Festspielen. Schon in der Vergangenheit war die Zusammenarbeit beider Institutionen immer wieder von Erfolg gekrönt. So hat man etwa die Uraufführung von Friedrich Cerhas "Baal" in den achtziger Jahren gemeinsam realisiert. Die Premiere fand im kleinen Festspielhaus statt, die Reprisen im Wiener Haus am Ring. Wobei das Werk, ungewöhnlich genug, vor kurzem nach langen Jahren noch einmal in einer Serie gespielt werden konnte und dabei als eine Art besonderer V...
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Bregenzer Zukunft
Der Festspielerfolg des Jahres Alfred Wopmann und Franz Salzmann, die Führungskräfte der Bregenzer Festspiele, sind beglückt über die künstlerisch und finanziell erfolgreiche Bilanz des heurigen Sommers - und wälzen kühne Pläne.
Das optisch spektakulärste Projekt ist die geplante Erweiterung des Bregenzer Festspielhauses zum Festspielbezirk. Das Haus soll durch Zubauten und großzügige Umgestaltung einen ganz neuen Charakter bekommen. Für das Publikum wird ein neuer Eingang und eine Erweiterung des Foyers die Sichtverbindung aus dem Haus mit dem See herstellen. Das "Innenleben" des Gebäudes erhält einen neuen Verwaltungstrakt. Außerdem - was das wichtigste für die Theaterarbeit ist - entsteht eine Probebühne mit direkter Verbindung zur Hauptbühne, womit Umbauten erheblich erleichtert werde...
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