Kategoriearchiv: Feuilleton
Welser-Möst in Salzburg
Noch ist Salzburg nicht verloren Franz Welser-Möst bei den Festspielen: Der beste Beweis, daß die Theorie vom "Persönlichkeitsverlust" unserer Zeit nicht zutrifft. Es gibt sogar sehr junge, starke Künstler, die konsequente Interpretationen anbieten. Man muß sie nur engagieren.
Nach der Fünften Bruckners in Wien war ich ziemlich sicher. Jetzt weiß ...
Verdi, fad, von Ronconi
Fadesse oblige - Falstaff schläft Luca Ronconi inszenierte für Salzburg das Finale von Verdis letzter Oper als "Falstaffs Traum". Die einzige Begründung, die mir dafür einfällt ist die: Über so viel Theater-Fadesse muß sogar der Titelheld sanft entschlummern.
Wer das Programmheft studiert, kann zwei Rückschlüsse ziehen. Entweder, falls er "Falstaf...
Christa Ludwigs Festspiel-Abschied
Ein Adieu ohne Tränen, wenn's am schönsten ist Christa Ludwig sagte adieu. Ein Abend mit vielen Blumen, Ovationen - aber ohne Tränen. Die passen nicht zum Stil dieser Grande Dame.
Christa Ludwig identifiziert sich, scheint's, mit jener absoluten Verinnerlichung, wie sie Gustav Mahler in vollständiger Hingabe an Friedrich Rückerts "Ich bin der Welt...
Jansons in Salzburg
Die Norweger als Gipfelstürmer Oslo Philharmonic. Die Frage, ob die musikalischen Aufsteiger aus dem Norden die Konkurrenz mit den Salzburger philharmonischen Hausorchestern aufnehmen können, ist nun beantwortet: Sie können.
Mit Mariss Jansons haben die norwegischen Musiker längst den Sprung zur Weltspitze geschafft. Sie demonstrierten das bei den...
Muti und die Norman
Pilgerfahrt ins Reich der Töne Muti und die Norman, ob Gerard Mortier das mochte? Dem Publikum galt es als Fest. Anders als bei den Abenden zuvor waren vor dem Salzburger Festspielhaus wieder "Suche Karte"-Schilder auszumachen.
Carl Orffs beliebter Satz, demnach es "doch ein Unterschied" ist, "wie etwas, und nicht was geschieht", fand anläßlich de...
Schaafs »Zauberflöte«
Karneval der Kuscheltiere Salzburg zeigt wieder einmal eine ganz uneinheitliche Inszenierung von Mozarts "Zauberflöte". Wer von sich behauptet, dieses Werk ganz und gar durchschaut zu haben, werfe den ersten Stein.
Bezeichnend, wo diesmal applaudiert wurde. Jubel erntete vor allem Rolf Glittenbergs prachtvoll verschwenderischer Sternendekor für di...
Harnoncourts Salzburg-Debüt
Von der Schönheit der Sünde Monteverdi »Krönung der Poppäa« galt das Operndebüt Nikolaus Harnoncourts in Salzburg. Ein Triumph.
Ein Triumph vielleicht für Gerard Mortiers »neuen« Festspielgedanken. Denn wie ließe sich der sinnfälliger darstellen als mit dem Einzug des Concentus Musicus in Karajans Festspielhaus? Ein Triumph jedenfalls für den Dir...
Clemencics »Drachenkampf«
Clemencic im Clinch mit getanzten Klischees
Ballett-Uraufführungen, die von den Letzten Dingen oder sonstigen mystischen Erfahrungen handeln, wirken meist peinlich. "Drachenkampf" ist keine Ausnahme.
Es ist schon so, daß es nur den allergrößten Choreographen gegeben ist, für die Urgründe aller menschlichen Erfahrungen ein gültiges Bewegungsvokabu...
René Clemencic, 1993
Es ist alles immer dasselbe" Drachenkampf heißt Ren'e Clemencics musiktheatralische Komposition, die heute, Donnerstag, in der Wiener Universitätskirche uraufgeführt wird. Eine Paraphrase des Hochzeitsrituals, ein "Psychogramm der heiligen Einheit der Gegensätze".
Gegensätzliches, scheinbar Unzusammenhängendes verbindet die Musik Clemencics seit jeher. Der polyglotte Wiener, ehemals Philosophiestudent der Sorbonne, Leiter eines nach ihm benannten Consorts, wurde als Interpret Alter Musik weltberühmt und hat von seiner Beschäftigung mit alter und ältester Komponiertradition ausgehend seinen eigenen Weg als schöpferischer Künstler gefunden. Er versteht, erklärt er im Gespräch, Musik als "Hörbarmachen des Weltgesetzes". Die alten Visionen der "Sphärenharmonien" feiern im Komponierstübchen Cl...
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