Nachruf.
Der Dirigent, den alle liebten
Mariss Jansons, der lettische Maestro, der von Oslo aus seine Weltkarriere startete, starb am Sonntag im Alter von 76 Jahren nach langer Krankheit in St. Petersburg. Kommende Auftritte hätten ihn nach Wien und Salzburg geführt.
Ein Diktator am Pult war er nicht. Im Gegenteil. Es lässt sich schwer ein herzlicherer, gutmütigerer Mann denken, dem der Weltruhm so gar nicht zu Kopf gestiegen ist. Mariss Jansons war durchdrungen von der Mission der Musik; und das verstand er, wohlgemerkt, nie als seine, sondern als eine Verpflichtung der besonders begabten Menschen zum Wohle aller. Er wollte ein Teil davon s...
Ein musikalischer Romantiker in unseren Tagen
Nachruf. Zum Tod von Ivan Eröd, der als Schüler Zoltan Kodalys 1956 aus seiner ungarischen Heimat nach Österreich flüchtete und hier zu einem der gefragtesten Lehrer wurde. Seine Musik empfanden auch konservative Konzertabonnenten stets als höchst eingängig und liebenswert.
Romantik, gradlinige, an Dur und Moll orientierte Texturen - die Musik Ivan Eröds stellt man gern in die neo-tonale Ecke der sogenannten Postmoderne. Doch tut man dem Meister der Konstruktivität damit unrecht. Was sanftmütig und geradezu altvertraut klingt, nur mit einigen zeitgemäßen Ingredienzien gewürzt, basiert auf klug...
Des Wiener Waldvögleins unaufhaltsame Weltkarriere
Nachruf. Wilma Lipp, weltweit bewundert und dreieinhalb Jahrzehnte lang treues Mitglied der Wiener Staatsoper, starb 93-jährig am Ammersee.
Sie war noch ein Teenager, als man sie an die Wiener Staatsoper verpflichtete, und mit 26 schon Kammersängerin, die jüngste, die je aus dem Haus hervorgegangen ist: Wilma Lipp war der Inbegriff eines treuen Ensemblemitglieds, obwohl sie gleichzeitig ein Weltstar war.
Und das kam so: Eigentlich studierte die Wienerin, Jahrgang 1925, Klavier. Aber die silberhelle, mit bombensicheren Höhen begabte Stimme ließ Kenner aufhorchen. Das Mädchen war nicht für di...
Wotan, aber auch Baal - die künstlerische Spannweite dieses Sängers war bemerkenswert.
Es sind die weltweit aktiven Darsteller der Wagnerschen Götterfiguren, denen man in der Regel Stimmgewalt, großes Pathos und äußersten Ernst zubilligt, die ihre Zuhörerschaft aber immer wieder in Erstaunen versetzen, wenn sie komödiantischere Saiten aufziehen. Bei Theo Adam war das immer wieder der Fall. Ihn kannte und liebte man als Inkarnation großer tragischer Helden - und er erntete Ovationen, als er bei der Uraufführung von Friedrich Cerhas Brecht-Vertonung Baal eine Menge sonst verhüllter Facetten aufleuchten ließ.