Archiv der Kategorie: Nachruf
Herbert Vogg
Hintergründiger Humor für die Neue Musik
Zum Tod des legendären Wiener Musikwissenschaftlers, Verlegers und Opern-Librettisten Herbert Vogg.
Sein spitzbübisches Lächeln fehlte im Wiener Musikleben seit längerer Zeit. Herbert Vogg, nie um eine hintergründige Bemerkung verlegen und stets auf der Lauer, ob sein Gegenüber den Hintersinn bemerken würde, war in seinem letzten Lebensjahr krank und mehr und mehr daran gehindert, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Den Posten des Regisseurs der hinter den Kulissen waltet, hatte er zuvor meisterlich ausgefüllt. Als Leiter des Wiener Musikverlags Doblinger war Herbert Vogg entscheidend am Ausbau der Rei...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Gertraud Jesserer
Die Kraft der Zartheit
Die große und subtile Wiener Charakterdarstellerin starb kurz vor ihrem 78. Geburtstag bei einem Wohnungsbrand.
Sie war eine der populärsten Schauspielerinnen Österreichs, ein Star schon zu Schwarz-Weiß-Zeiten des ORF als Gerda in der legendären Fernsehfamilie Leitner. Das waren jene Zeiten, in denen man via TV ganz selbstverständlich das Beste aus unseren Theatern holte, weil man sich dort noch darauf verstand, wirklich herzhaft Komödie zu spielen. In diese wienerische Theaterlandschaft war Gertraud Jesserer zwar nicht sprichwörtlich hineingeboren worden, aber der Theaterbazillus hatte sie schon als Jugendliche so seh...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Gerhard Crepaz
Der Kultur-Animator
Zum Tod von Gerhard Crepaz, einem der weitblickendsten Veranstalter dieses Landes, der Hall in Tirol zum Kultur-Hotspot machte.
Seine Stimme war aufgeschlossenen Musikfreunden vertraut. Nicht wenige von ihnen verdanken dem ruhig, aber offenbar höchst engagierten Radio-Moderator Gerhard Crepaz entscheidende Anregungen zur Erweiterung ihres Horizonts. Man wandelte an seiner Hand durchs Dickicht der Avantgarde-Stile, und an den unscheinbarsten Stellen ließ er uns dann die Orchideen entdecken. Schöner konnte das Motto einer Sendereihe, die da hieß „Musik hören – Musik verstehen“ nicht in Radio-Realität verwandelt werden.
mehr
...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Udo Zimmermann
Moderne mit menschlichem Antlitz
Zum Tod des Dresdner Komponisten und Intendanten, der zeitlebens gegen den Stachel des avantgardistischen Zeitgeists löckte - und recht behielt.
Als Europa noch politisch in eine östliche und eine westliche Hemisphäre geteilt war, förderte die Frage nach dem sprichwörtlichen Puls der Zeit in Sachen Musiktheater höchst unterschiedliche Antworten zutage. So staunte man in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren nicht schlecht, wenn man - etwa im Rahmen von Gastspielen - mit Dingen konfrontiert wurde, die man jenseits des Eisernen Vorhangs für fortschrittlich hielt. Westliche Kommentatoren hielten damal...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Udo Zimmermann
NACHRUF
Moderne mit menschlichem Antlitz
Zum Tod des Dresdner Komponisten und Intendanten, der zeitlebens gegen den Stachel des avantgardistischen Zeitgeists löckte - und recht behielt.
Als Europa noch politisch in eine östliche und eine westliche Hemisphäre geteilt war, förderte die Frage nach dem sprichwörtlichen Puls der Zeit in Sachen Musiktheater höchst unterschiedliche Antworten zutage. So staunte man in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren nicht schlecht, wenn man - etwa im Rahmen von Gastspielen - mit Dingen konfrontiert wurde, die man jenseits des Eisernen Vorhangs für fortschrittlich hielt. Westliche Kommentatoren hielt...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Bernard Haitink
Er war großen Orchestern ein sympathischer Partner am Pult
Der niederländische Dirigent hatte keine Starallüren, trat immer bescheiden und besonnen auf - und war doch einer der meistbeschäftigten seiner Zunft. Nun ist er mit 92 Jahren gestorben. In vielfach preisgekrönten Tonträger-Serien lebt er weiter.
Am Pult der Wiener Philharmoniker war er häufig zu Gast, er bekleidete führende Positionen in der Londoner Covent Garden Opera, beim Glyndebourne Festival und beim London Philharmonic Orchestra. Vor allem aber verband die Musikwelt den Namen des niederländischen Dirigenten Bernard Haitink mit dem Amsterdamer Concertgebouw Orchester, dessen ...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Edita Gruberova
Unumschränkte Herrscherin in höchster Höhe
Die slowakische Sopranistin, die als "Koloraturwunder" vom Mitglied des Wiener Opern-Ensembles zum Weltstar wurde und ihren Spitzenrang jahrzehntelang behaupten konnte, starb 74-jährig in Zürich.
Sie war ein Stimmphänomen, wie es in der jüngeren Opern-Vergangenheit kaum ein zweites gegeben hat: Ihre Koloraturgewandtheit war legendär und leitete eine Renaissance des Belcanto-Repertoires im internationalen Opernbetrieb ein. Für Edita Gruberova setzten Intendanten weltweit immer wieder Donizetti- und Bellini-Opern auf die Programme, die zuletzt kaum eine Chance in den Spielplänen gehabt hatten - auch w...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Carlisle Floyd
Im Rückwärtsgang zum Puls der Zeit
Opern, die für die Vordenker der Avantgarde keine nennenswerte Größe darstellen, gelten dem Publikum oft als höchst lebensfähig.
Carlisle Floyd ist tot. Der amerikanische Komponist starb im Alter von 95 Jahren in Florida. Elf Opern hat er herausgebracht. Die Geschichte von Susanna im Bade hat einst den Ruhm des 28-jährigen Floyds begründet. "Susannah" wurde ein Welterfolg - und doch spielte der Name des Komponisten keine Rolle, wenn irgendwo über eine mögliche "Zukunft der Oper" diskutiert wurde.
Floyds Musik stand in einer Tradition, die von Puccini über Gian Carlo Menotti direkt zu jenen "Well-made Operas...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
Christa Ludwig
NACHRUF
Wer sang am schönsten im ganzen Land?
Einer der großen Opernstars des 20. Jahrhunderts verstarb am gestrigen Samstag im Alter von 93 Jahren in ihrer Wahlheimat Klosterneuburg.
Sentimental war Christa Ludwig nicht. Für allzu große Gefühlsäußerungen hatte sie wenig übrig. Wehleidigkeit kannte sie nicht. Schicksalsschlägen, meinte sie, müsse man ins Auge sehen und dann klug reagieren. Alles andere könne man mühelos managen. Wer ihr zuhörte, wenn sie den „Abschied“ aus Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ sang, hätte nie vermutet, dass hinter einer so tief empfundenen Interpretation eine vollkommen rational kalkulierende Interpretin stand. ...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN