Eine „geistige und körperliche Befreiung unserer Bewohner“ war das Ziel – große Worte, gesprochen von einem der berühmtesten Musiker seiner Zeit, der hie und da lieber politische Reden hielt, als dass er auf dem Konzertpodium Beethoven oder Tschaikowsky spielte.
Bronisław Huberman war einer der größten Geiger des 20. Jahrhunderts. Er war aber auch ein Mann, der sich leidenschaftlich für Richard Coudenhove-Kalergis Paneuropa-Idee engagierte und deren Popularisierung einen eminenten Anteil seiner Zeit und Energie widmete.
Das war, lang bevor die Zeitläufte Huberman unwiderruflich dazu zwangen, als Pole und Jude Konsequenzen zu ziehen und in Palästina gewissermaßen einen Gegenentwurf zu seinen philanthropischen europäischen Visionen ins Werk zu setzen. Mit demselben Impetus, mit dem er zuvor den paneuropäischen Gedanken verfochten hatte, kämpfte der allseits umworbene Musiker für die Etablierung eines jüdischen Orchesters, aus dem sich später Israel Philharmonic entwickelt sollte.
1882 - 1937
Karol Szymanowski kam 1882 in dem heute in der Ukraine liegenden Dorf Tymoschówka zur Welt. Die Eltern waren wohlhabende Gutsbesitzer. Karol wuchst in einer äußersten kultivierten Atmosphäre auf und genoß von Kindheit an eine kunstsinnige Ausbildung. Der Vater Klavierunterricht erteilte ihm den ersten Klavierunterricht. Schon der 18-jäh...
Der Komponist (1882 - 1964), fototrafiert von Anton J. Trčka (1893-1940)
Steirischer Impressionismus
Er war einer der wichtigsten Vertreter der österreichischen Spätromantik um die Mitte des 20. Jahrhunderts: Joseph Marx, hörbar ein Zeitgenosse von Richard Strauss. Seine Musik ist prachtvoll, klangschwelgerisch, bietet sozusagen die steirische Synthese aus französischem Impressionismus und deutscher Nachwagner’scher Tradition.Der Grazer, virtuoser Pianist und wortgewandter Anwalt einer an der Tradition geschulten, die Tonalität wahrenden, aber phantasievoll erweiternden musikalischen Moderne, war als Lehrer eine der prägenden Persönlichkeiten des österreichischen Musiklebens der Zwischen- und Nachkriegsära.
Sie war die »Jeanne d'arc des Cembalos«. In Zeiten, in denen es kaum eine Spieltradition auf diesem historischen Instrument gab, widmete sie sich ganz der barocken Literatur, die sie erstmals wieder konsequent auf dem »richtigen« Instrument wiedergab. Wenn auch der ungeheure Popularisierungs-Schub, den die barocke Klaviermusik und die sogenannte Originalklangpraxis dadurch erfuhren, auf einem von Pleyel eigens für die Landowska gebauten, riesigen Instrument gelang, dessen klangliche Eigenschaften sich zu jenen der originalgetreuen Nachbauten, die heutzutage in Verwendung sind, wie ein Düsenjet zu einem Papierflieger verhielt.
Wie auch immer: Wanda Landowska wurde zu einer Pionierin, deren Aufnahmen nach wie vor verraten, was die Zeitgenossen an ihren Interpretationen so fasziniert hat. Landowska ging mit der Neugier eines guten Opernregisseurs an die »Libretti« heran, die sie in den Notenausgaben barocker Musik vorfand: Nicht selten sprach sie etwa von bestimmten Scarlatti-Sonaten als »Miniaturdramen« und spielte sie auch mit entsprechender Verve und Erzählfreude: Wie eine gute Rezitatorin entlockte sie der Stimme ihres Instruments die unglaublichsten Schattierungen.
1879 - 1962
Ein Dirigent, der vor allem dank seiner magistralen Bruckner-Deutungen in Erinnerung geblieben ist. Andreae, ausgebildeter Komponist (er schrieb unter anderem eine Vertonung von Shakespeares Romeo und Julia) war zunächst Chormeister in Zürich und Korrepetitor an der Münchner Hofoper. Er leitete von 1914 bis 1939 das Zürcher Konservatorium. Jahrzehntelang war er Chefdirigent des Zürcher Tonhallorchesters.
Bemerkenswert in seiner Dirigentenkarriere ist auch die Erstaufführung von Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion in Mailand.Mit den Wiener Symphonikern gelang die erste, nach wie vor empfehlenswerte Gesamtaufnahme der Bruckner-Symphonien, Dokument der romantischen Bruckner-Spieltradition (Andreae verwendet die Fassungen von Haas und Schalk - allerdings kommen bei seiner kl...
1879 - 1961
Vorwiegend autodidaktisch ausgebildet, debütierte Thomas Beecham nach Assistenten-Diensten beim Hallé Orchestra in Manchester 1906 am Pult eines eigens für ihn zusammengestellten Orchesters in London.In der Folge widmete er sich vor allem der Oper und brachte etliche Premieren - darunter viele englische Erstaufführungen heraus. Mozart, ...
1879 - 1953
Fitelberg war Lette, wurde aber von Adoptiveltern in Polen großgezogen und studierte am Warschauer Konservatorium. Gemeinsam mit seinem Freund und Studienkollegen gründete er die Gesellschaft junge polnischer Komponisten und engagierte sich für die Aufführung neuer Musik. Als Geiger wurde er Mitglied der Warschauer Philharmoniker, übernahm aber 1908 deren musikalische Leitung. Auch in Wien gastierte Fitelberg und dirigierte nach 1911 etliche Vorstellungen der Hofoper.
Während des Ersten Weltkriegs kamen Engagements an die großen russischen Opernhäuser in Moskau und St. Petersburg, wo er bis zum Zusammenbruch des Zarenreiches Ballett, Oper, aber auch Konzerte dirigierte.
Diaghilevs Maestro
1921 ging er nach Paris, um unter anderem Premieren von Diaghilevs Ballets Russes einzust...
1876 - 1973
Er war der herausragende Cellist des XX. Jahrhunderts, geboren in Katalonien, ausgebildet bei José García in Barcelona und als talentiertester Musiker seiner Generation von Isaac Albeniz an Königin María Cristina empfohlen, die ihm ermöglichte, am Konservatoriums in Madrid zu studieren. Dort absolvierte Casals die Kammermusikklasse von ...
M. Karlowicz (1876–1909)
Er war 33 Jahre jung, als er beim Skilaufen in der Hohen Tatra einem Lawinenunglück zum Opfer fiel. Dennoch gehört Mieczysław Karłowicz zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der polnischen Musikgeschichte. In seiner Generation wurde Karol Szymanowski (1882–1937) der berühmteste Komponist.
Karłowicz kam als Sohn einer wohlhabenden Familie von polnischen Akademikern im heutigen Litauen zur Welt und ließ früh außergewöhnliche musikalische Begabung erkennen. Als Violinstudent wurde er nach Berlin geschickt, widmete sich aber bald vor allem der kompositorischen Tätigkeit.
Lieder und Klavierwerke standen am Beginn. Die Serenade für Streicher op. 2, 1897, ist das erste größer angelegte Werk. Es folgten die Musik zu Jozafat Nowinskis Bühnenwerk »Die weiße Taube« und die...
Ermanno Wolf Ferrari
1876 - 1948
Ein Mann zwischen allen Stühlen. Auch wenn man mit Dylan Thomas der Ansicht sein kann, daß das für den wahren Künstler die einzig würdige Position sei: Ermanno Wolf Ferrari hat sich dort immer wieder - und je älter er wurde, desto mehr - höchst unbequem gefühlt. Obwohl er als Komponist darau...