Musikerlob für Ioan Holender
Werner Resel, Vorstand der Wiener Philharmoniker, im "Presse"-Gespräch über die Aktivitäten des Orchesters als Hausorchester der Wiener Staatsoper und im selbstbestimmten Konzertleben.
Staatsopernchef Ioan Holender artikulierte jüngst seine Freude über das gute Verhältnis zwischen Operndirektion und Orchester. Dessen Vorstand, Werner Resel, spielt den Ball zurück: "Ein Opernchef hat es nicht immer leicht mit uns. Unser Vertrag gibt uns Freiheiten bezüglich unserer Tourneen und unserer Konzerte. Da muß ein Direktor manchmal Abstriche in der Planung machen. Es kommt schon vor, daß wir einen guten Spielplanentwurf durcheinander bringen, weil wir zu diesem oder jenem Zeitpunkt auf Reisen sind und eine Anhäufung von groß besetzten Opern nicht möglich ist."
Gerade i...
Die Legende lebt fort
Boris Christoff, der große bulgarische Bassist, starb 74jährig. Das reiche Plattenerbe bewahrt seine Kunst als die eines der bedeutendsten Singschauspieler des Jahrhunderts.
Der Name Schaljapin fiel häufig, wenn von Christoff die Rede war. Tatsächlich schien die Baß-Legende von einer neuen abgelöst zu werden. Das Potential der Stimme des stattlichen Bulgaren mit den markanten Zügen war von der Art, die Hörer im entscheidenden Moment schaudern läßt: Gewaltige Tiefe in jeder Bedeutung des Wortes tönte da; und tönt via Tonträger noch immer.
Unausweichlich ist Christoffs Singen vor allem, wenn es um jenen Komponisten geht, ...
Der zornige Bruckner
Franz Möst mit London Philharmonic
Es gibt Schlußjubel und Schlußjubel. Der eine, vorher berechenbar, gilt Publikumslieblingen, gleich, was sie tun. Der andere, spontan, bricht aus, wenn ein musikalisches Ereignis die Zuhörerschaft unmittelbar ins Mark trifft. Letzterer ist der ehrlichere und war nach längerer Zeit am Pfingstmo...
Recht ägyptisch: Svjatoslav Richter im Konzerthaus
"Das ist, wie wenn der Niki Lauda mit einem Trabi fährt", kommentierte mein Sitznachbar das laut umjubelte nächtliche Ereignis im Konzerthaus. Er ist Pianist, er muß es wissen. Ich bin zwar nur Kritiker, aber ich gebe ihm recht.
Nach Jahrzehnten kam der große Svjatoslav Richter wieder einmal in ei...
Über den Wogen entfesselter Blödheit
Die Volksoper zeigt das "Weiße Rößl", wie es wirklich ist: einfach zum Lachen
In die Volksoper ging ich an diesem Samstag - hochkarätiger Konkurrenz zum Trotz - weil mir nicht egal ist, wie an diesem Haus Operette gespielt wird. Obwohl mir hätte klar sein müssen, daß "Das weiße Rößl" höchstens nominell, nicht ab...
Höchste Tastkunst
Dimitri Baschkirov im Musikverein
Ein Konzert außerhalb der Abonnementzyklen, im "Frühlingsfestival" des Musikvereins, mit einem hierzulande fast schon "vergessenen" Pianisten - und doch ein voller Brahmssaal. Das spricht für Neugier bei den jüngeren, gutes Erinnerungsvermögen bei den älteren Musikfreunden. Und es bescherte allen ...
Jungstar, überschwemmt
Maxim Vengerov spielte gegen das Mahler-Orchester
Zwei Zugaben gönnte der junge russische Geiger Maxim Wengerov sich und seinem Publikum anläßlich seines Auftritts im Musikverein am Montag. Das war gut so, denn auf diese Weise war garantiert, daß man doch noch hören konnte, zu welchen geigerischen Höhen sich dieser Künstler a...
Spätzündung mit Dauerfolgen
Enescos "Oedipe" im Jugendstiltheater
Sage keiner, die Plattenfirmen hätten keine Macht. Gerard Mortier hat es in Salzburg längst eingesehen. Junge Wiener Operntruppen nehmen sich an bestimmten Aktivitäten der Konzerne sogar ein Beispiel. Das belebt die Szene. Daß am Donnerstag abend, mehr als ein halbes Jahrhundert nach...
Der Mozart-Stil und die Schlaraffen-Oper
"Figaros Hochzeit" - Ein Nachschlag
Als wär's ein Nachschlag zu unseren Opern-Betrachtungen im Dienstagblatt, präsentierte die Staatsoper eine Aufführung von Mozarts "Figaro", die wohl alle staunen machte, die sie erleben durften. Steckt das Genre Oper in der Krise? Haben wir keine tauglichen Mozartdirigente...
Am Beispiel Verdi
Was wir von Oper noch zu erwarten haben
Vielleicht reden wir alle von sehr unterschiedlichen Dingen, wenn wir über Oper diskutieren. Vielleicht sind schon die Voraussetzungen recht differenziert, die Hoffnungen, die jeder einzelne sich macht, sobald er ein Opernhaus betritt. Manchmal scheint es jedenfalls so, wenn man Reaktionen ...