Kategoriearchiv: Feuilleton
Legende Ifflandring
War's Iffland oder eher Till Eulenspiegel? Der Iffland-Ring, dessen Träger der in der Nacht auf Sonntag verstorbene Josef Meinrad seit 1959 war, ist ein mythenumwobenes Ehrenzeichen für den "besten deutschen Mimen". Wer wird ihn erben? Werner Krauß vermachte den Ring mit dem in Edelsteinen gefaßten Porträt des Schauspielers, Autors, Impresarios Aug...
Britten Erstaufführung
Von der unerbittlichen Konsequenz des Zufalls Peter Grimes von Benjamin Britten erlebte nach 50 Jahren seine späte Erstaufführung in der Staatsoper. Die aufregendste Musiktheater-Premiere seit langem.
Ganz persönlich: So bewegt habe ich das Haus am Ring selten verlassen. "Peter Grimes", inszeniert von Christine Mielitz, realisiert von einem animie...
Rosenkavalier, neu besetzt
Frühlingserwachen Der "Rosenkavalier" als Indikator: Solange junge Kräfte für Marschallin, Octavian, Sophie und Ochs "nachwachsen", ist die Wiener Opernwelt noch in Ordnung. Sie wachsen nach!
Die Schwarzkopf, die Jurinac, Otto Edelmann - ob man in zwei Jahrzehnten auch sagen wird: "die Kirchschlager" und "der Hawlata"? Ich glaube, ja. Im "Rosenkav...
Heinrich Schiff
Der Wagemut des Cellisten im Goldenen Saal Heinrich Schiff musiziert im Großen Musikvereinssaal sämtliche Solosuiten von Johann Sebastian Bach. Ein einsamer Mann mit seinem Cello in einem "symphonischen" Raum. Vor etwa zehn Jahren spielte Schiff Bach im Brahmssaal - ohne viel Rücksicht auf klangliche Verluste. Die staunend lauschenden Musikfreunde ...
Gianandrea Gavazzeni
Gianandrea Gavazzeni ist tot. Der Doyen der italienischen Dirigenten starb am Montag im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Bergamo. Gavazzeni war einer der bekanntesten professionellen Opernkapellmeister für Musik zwischen Bellini und Puccini. Die Mailänder Scala hatte in ihm einen Garanten für souverän geführte Vorstellungsserien. Nicht nur die Orchester fühlten sich unter seiner Führung wie in Abrahams Schoß. Jede Bewegung - sie wurde, wie bei Maestri seines Schlages üblich, mit den Jahren immer spärlicher, auf das Wesentliche konzentriert - trug zur klaren Orientierung der Musiker bei. Auch die Sänger fanden in Gavazzeni stets einen kun...
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Jänner 1996
Mit allen sieben Zwergen! Schneewittchen kann auf dem Theater noch so ausschauen wie frisch dem Märchenbuch entschlüpft. Ganz ohne Sigmund Freud. Zumindest in St. Pölten. Nicht nur, ich geb's ja zu, Kinderaugen leuchteten: "Schneewittchen und die sieben Zwerge" gemahnten wohl auch manche erwachsene Begleitperson an unbeschwerte Kindertage. In St. P...
Isang Yun
+ 1995 Das Schicksal wollte es, daß die Uraufführung der letzten Komposition des Koreaners bei »Wien modern« zu dessen Tombeau wurde.
»Piri« für Solo-Oboe stand, von Heinz Holliger atemberaubend realisiert, als Würdigung am Beginn. Musik, die charakteristisch für Yuns Konzentration auf den einzelnen Ton ist, auf Klanginseln, die - oft in höchsten Höhen des spielbaren Tonbereichs angesiedelt - zu äußerster Intensität anwachsen können. Holliger präsentierte danach mit Patrick Demenga zwei neue »Ost-West"-Miniaturen, in denen das Cello mit weitausgreifenden Phrasen den Okzident, die Oboe mit isolierten Klängen den Orient repräsentiert. Dann Yu...
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Nitsch an der Oper
Massenets "Herodiade" Was als sicherer Skandal galt, entpuppt sich als Sensationserfolg: Das Wiener Publikum bejubelte das Staatsopern-Debüt des Aktionskünstlers Hermann Nitsch. Der hatte sich zwar "Parsifal" gewünscht, war aber letztendlich auch mit Massenets Salome-Oper zufrieden. Nancy Gustafson, Agnes Baltsa und Placido Domingo sangen, Marcello...
Hubert Stuppner
Meditative Italianità aus Südtirol Hubert Stuppner, Südtirols bekanntester zeitgenössischer Komponist und musikalischer Multifunktionär, der jüngst den Würdigungspreis für Musik des Wiener Unterrichtsministeriums erhielt, im Gespräch.
Ob das alles nicht ein bißchen nach Resignation klinge, frage ich Hubert Stuppner im Verlauf unserer Unterhaltung einmal, nachdem er eloquent über die Unmöglichkeit, heute noch wirklich "Neue Musik" zu komponieren, referiert hatte: "Resignation?", fragt er zurück, und gibt ebenso knapp die Antwort: "Absolut!" Das klingt aus seinem Mund allerdings keineswegs larmoyant, sondern ebenso wie eine nüchterne Bestandsaufnahme wie seine zuvor akribisch ausformulierten "Endzeitberichte" in Sachen Avantgarde.
Stuppner ist ein Künstler, der sich offenkundig präzis Rech...
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