Kategoriearchiv: Interviews, Portraits

Moriz Rosenhal

1862 - 1946

Den direkten Liszt-Abkömmling Rosenthal hielten viele Zeitgenossen für den größten aller Pianisten. Er seinerseits soll aber nie auch nur ein freundliches Wort über einen Kollegen verloren haben.

→ ROSENTHAL-ANEKDOTEN Der strenge Eduard Hanslick kritisierte am allseits als überwältigend empfundenen Spiel des jungen Rosenthal ein »Ungestüm«, von dem er hoffte, es werde sich mit der Zeit legen, »wie es sich ja auch bei Liszt und Tausig später gelegt hat.« Die erhaltenen Aufnahmen dokumentieren das Spiel eines alten Mannes, der wohl jenes »Ungestüm« längst eingebüßt hatte, aber für die dankbaren Nachgeborenen noch Beweisstücke jener klanglichen Sensibilität und Liebe zur Tonschönheit dokumentieren, die für die romantische Schule essentiell waren. Rosenthals Aufnahme von → Liszt...

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Max Fiedler

1859 - 1939

Max Fiedler war einer der führenden Dirigenten seiner Generation, zog es aber vor, seßhaft zu bleiben und nach Bindungen an Hamburg (auch als Konservatoriums-Direktor) und an die Berliner Philharmoniker über viele Jahre das Musikleben in Essen zu prägen, statt allzuviel herumzureisen. Das - nebst vielleicht der Tatsache, daß Fiedler vor allem im Konzert brillierte und kaum je Opern dirigierte - ist wohl der Hauptgrund, warum sein Name nicht jenen Stellenwert in der Erinnerung der Musikwelt gewann, den er angesichts beeindruckender interpretatorischer Leitungen verdient hätte.

Brahms' Anwalt

Die Zeitgenossen verbanden seinen Namen vor allem mit profunden Aufführungen der Symphonik von Johannes Brahms. Immer dirigierte gab Fiedler ganze Brahms-Abende, die bald legendären Status erlangten. Immerhin führte die künstlerische Ahnengalerie des Dirigenten direkt zu Brahms zurück, der den jungen Solisten kannte und ihn angeblich sogar einmal gebeten haben soll, an seiner Stelle an einer Aufführung seines B-Dur-Klavierkonzerts mitzuwirken, was Fiedler aber bescheiden abgelehnt haben soll.

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Eugène Ysaÿe

1858–1931  Eugène Ysaÿe war nach übereinstimmenden Aussagen seiner Zeitgenossen eine Hühne von einem Mann, also nicht nur künstlerisch, sondern auch körperlich eine imponierende Erscheinung. Für die Kollegen Kreisler, Zimbalist, Elman, Thibaud oder Szigeti galt er als Numero uno unter den großen Geigern seiner Zeit.

Geboren in Lüttich, erhielt er seinen ersten Unterricht mit vier Jahren von seinem Vaters. Als Henri Vieuxtemps ihn eines Tages üben hörte, drang er darauf, den jungen Mann ans Konservatorium zu schicken. Dort studierte Ysaÿe bei Rudolphe Massart, dann bei Wieniawski, der inzwischen die Stelle des kränklichen Vieuxtemps eingenommen hatte. Auf Vieuxtemps stieß Ysaÿe dann doch noch in Paris. Er bezeichnete ihn stets als seinen wichtigsten Lehrer.  Seinem imme...

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Edward Elgar aus Wiener Perspektive

MEHR ÜBER ELGAR UND SEIN WERK

Englands bedeutendster Komponist der Spätromantik hat es in Wien nie leicht gehabt. Man begegnete ihm mit freundlichem Wohlwollen, aber auch herablassend. Ein persönlicher Rechenschaftsbericht.

Als Wiener Musikkritiker konnte man noch in den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts Kopfschütteln ernten, wenn man nach einer der raren Aufführung des »Traum des Gerontius« schrieb, es stünde der Musikstadt Wien recht gut an, etwa jede zehnte Aufführung von Johannes Brahms »Deutschem Requiem« durch eine des Elgar-Oratoriums zu ersetzen. Das würde dem wahren Rang des englischen Meisters zwar nach wie vor nicht wirklich gerecht werden, aber immerhin eine kleine Anerkennung darstellen.Angenommen haben die Wiener Veranstalter diesen wohlmeinenden Ratschlag natürlich nicht.

Die Werke Edward Elgars besitzen im Repertoire der österreichischen Hauptstadt nach wie vor den Status von Exoten. Und das obwohl Schallplattensammler, die sich für die Spätromantik der Ära von Richard Strauss interessieren, selbstverständlich etwa Pierre Monteux klangschöne Londoner Aufnahme der »Enigma-Variationen« besitzen. Live zu hören bekommen sie auch aus diesem Werk bestenfalls einmal den »Nimrod«-Satz als Zugabe bei einem Gastspiel eines britischen Orchesters…

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Sergej Tanejew

1856 – 1915

AUFNAHMEN

Tanejew war eine der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten der russischen Romantik. Als Meisterschüler Peter I. Tschaikowskys und Nikolai Rubinsteins, der dem Teenager zur Musikerkarriere geraten hatte, reüssierte er zunächst international als meisterhafter Pianist, doch wurde er als Tschaikowskys Nachfolger bald zu einem gesuchten Kompositions-Lehrer, der eine Zeitlang auch das Moskauer Konservatorium leitete. Der Lehrer Zu seinen Schülern zählen Rachmaninow, Skrjabin, Medtner, Gretschaninow und Glière. Tanejews Lektionen waren gefürchtet, denn er war von beißendem, oft sarkastischem Humor und konzentrierte sich vor allem, je älter er wurde, immer mehr auf das Unterrichten des strengen Satzes. Geschult hat er sich in diszipliniertem Selbststudium: Er übersetzte Ludwig...

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Ernest Chausson

1855 - 1899 Ein nicht zu vernachläßigendes Bindeglied zwischen César Franck und Claude Debussy hat ihn ein französischer Musiktheoretiker genannt: Ernest-Amédée Chausson ist als Dilettant zur Musik gekommen, hatte zunächst Jus studiert und in einer Anwaltskanzlei geaerbeitet, ehe ihn Jules Massenet einlud, in seine Kompositionsklasse am Pariser Konservatorium einzutreten.Die Lehrzeit war dann zwar nur kurz, aber der Entschluß, Komponist zu werden, war endgültig. Chausson hatte eine Vorliebe für die Musik von César Franck und wechselte 1880 für drei Jahre auch unter dessen Obhut. Damit gehörte er zur sogenannten »Bande à Franck« um Henri Duparc und Vincent d'Indy.

Es waren die Lied-Kompositioen, die Chausson die Türen der Pariser Salons öffneten. Temps des Lilas wurde ein regelre...

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Engelbert Humperdinck

1.9.1854 Siegburg - 27.9.1921 Neustrelitz.

Der Schöpfer der beliebten Märchenoper »Hänsel und Gretel« hat unter anderem bei Ferdinand Hiller am Kölner Konservatorium studiert (1872-76), gewann den Mozart-Preis der Stadt Frankfurt und wurde daraufhin Stipendiat an der Münchner Musikschule, wo er sich beim strengen Joseph Rheinberger, aber auch privat bei Franz Lachner vervollkommnete. Ein weiteres Stipendium, nach Mendelssohn benannt und ausdrücklich als finanzielle Unterstützung für Bildungsreisen gewidmet, ermöglichte es Humperdinck, ein Jahr lang in Italien zu stuieren, wo er Richard Wagner kennen ernen durfte, der ihn als talentierten jungen Komponisten schätzte und ihn daraufhin einlud, 1880 nach Bayreuth zu kommen, um in den folgenden Monaten als Assistent bei der Einstudierung der Uraufführung des Parsifal (1882) zu arbeiten. Wagner machte Humperdinck später sogar zum Lehrer seines Sohnes Siegfried, dem späteren Komponisten, dem er Unterweisungen im Tonsatz gab.

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Zdeněk Fibich

(1850-1900)

Unter den böhmischen Romantikern ist Fibich, wiewohl halb vergessen neben Smetana und Dvorak der dritte bemerkenswerte Meister.

Seinen ersten Symphoniesatz komponierte der talentierte Sohn eines böhmischen Oberförsters bereits mit 14 - und dirigierte auch die Uraufführung selbst. Die Mutter hatte das Talent des Burschen längst erkannt und ihn auf eine Musikschule geschickt. Bald durfte der junge Zdeněk nach Leipzig, wo sein Onkel, Raimund Dreyschock am Konservatorium Violine unterrichtete. Fibich durfte an diesem Institut bei den führenden Lehrerpersönlichkeiten studieren: Die Ausbildung bei Moscheles, Richter und Jadassohn konnte er mit 17 bereits abschließen. Nach weiteren Studien und Kapellmeister-Tätigkeiten in Prag und Wilna kam er als Dirigent ans Prager Nationaltheater...

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Richard Eilenberg

1848 - 1927 Den Namen dieses Komponisten kennt kaum ein Musikfreund. Eine der Melodien, die er komponiert hat, können aber viele nachsummen: »St. Petersburger Schlittenfahrt«. Ach, der!

Titelblatt der Erstausgabe von Eilenbergs op. 57

Ja, Richard Eilenberg war einer der erfolgreichsten Meister der Unterhaltungsmusik, wenn er auch – wie fast alle seiner Kollegen – als ganz »ernsthafter« Komponisten gelten wollte. Geboren wurde er am 13. Januar 1848 in Merseburg (Sachsen-Anhalt). Sein Vater war Militärmusiker beim 12. Husarenregiment. Der Sohn schlug eine ähnliche Laufbahn ein, nachdem er Klavier und Komposition studiert hatte. Eilenberg war 18, als er eine Konzertouvertüre als Opuas 1 vorstellte. Als Kapellmeister gastierte Eilenberg dann Italien und Skandinavien. Auf Einladung des Zaren...

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Leopold von Auer

1845 - 1930

Der ungarische Geiger war Student bei Joseph Joachim und fungierte ab 1868 als Profefssor am St. Petersburger Konservatorium.Außerdem leitete Auer in den Jahren von 1887 bis 1892 die Konzerte der Kaiserlich Russischen Musikgesellschaft

Von 1911 an lebte er in der Nähe von Dresden, danach wieder in St. Petersburg, um dann kurz vor Ausbruch der Revolution über Oslo nach New York zu gehen (1918). Er unterrichtete im Exil sowohl an der heutigen Juillard School in New York als auch am Curtis Institute in Philadelphia. Auer, dem unter anderem Peter Iljitsch Tschaikowsky sein Violinkonzert widmete, war unstrittig der bedeutendste Geigenlehrer seiner Zeit. In acht Bänden legte er seine Ansichten zur Spieltechnik nieder. In Sachen Bogentechnik und Haltung sorgte er für eine Revoluti...

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