Alle Beiträge von sinkothekar

Beethoven, politisch

Beethoven, seine Kaiser, seine Götter und Heroen Für die Welt ist er Revoluzzer und Klassiker in Personalunion. Doch selbst Jubiläen bescheren uns kaum stimmigere Beethoven-Perspektiven. 20. Jänner 2020 Freude, schöner Götterfunken", gewiss, aber auch: "Ein großes deutsches Volk sind wir . . . gerecht ist unser Krieg . . . stimmt an das Feldgeschre...

 

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Die musikalische Moderne

Entschlossen nach vor und zurück 5. Jänner 2020 Von Schönberg bis Gershwin: Die musikalische Moderne war eine merkwürdige Mixtur. Seit den Jahren um den Ersten Weltkrieg hatte die musikalische Moderne ihre Klauen gewetzt, in den 1920er-Jahren trieb sie erstaunliche Blüten - gedüngt mit einer Mixtur aus unbedingtem Fortschrittsglauben und Reaktion. ...

 

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Alfred Wopmann zum Geburtstag

Intendanten? Sind das nicht die PR-Agenten jenes notorischen Klüngels von Stückezertrümmerern? Rückblickend sollte man Alfred Wopmann daher lieber einen Prinzipal nennen, einen, der das (Musik-)Theaterhandwerk von der Pike auf gelernt hat und zum Pater familias der Bregenzer Festspiele geworden ist, dem besten, den das Festival je gehabt hat.

Mit Musik hat alles bei ihm begonnen. Er war Student des legendären Franz Samohyl, aus dessen Kaderschmiede die Philharmoniker zwei Generationen ihrer Geiger rekrutierten. Mit den Studienkollegen, die zu Symphonikern oder Staatsopern-Musikern geworden waren, musizierte Wopmann in jungen Jahren als Substitut. Er war beispielsweise mit von der Partie, als Dimitri Mitropoulos die Premiere der „Macht des Schicksals“ im Haus am Ring dirigierte.

Auf den Livemitschnitt dieses Ereignisses stößt, wer nach der mitreißendsten Aufnahme dieser Verdi-Oper sucht. Er fehlt gewiss auch in der Sammlung Wopmanns nicht, der im Gespräch so lebhaft über Hörerlebnisse zu berichten weiß wie über seine jüngste Lektüre, über ärgerlich misslungene Neuinszenierungen und erfüllende Kunstgenüsse, die aufmerksame Beobachter der Szene ja doch heute noch machen können.

Die Neugier, das Suchtverhalten, große Erlebnisse zu ermöglichen und mit anderen teilen zu wollen, machten Wopmann zum idealen Festspiel-Chef. Er war imstande, Raritäten zu entdecken, die das Publikum lieben lernte, weil er die rechten Interpreten fand. Das verdankte er nicht nur der Fähigkeit, Noten lesen zu können, sondern auch seiner intimen Kenntnis des Theaters. Die wiederum gründete auf langjähriger Assistententätigkeit bei Meisterregisseuren, solchen, bei denen Aufführungen noch mit dem ersten Akt begannen, mit dem letzten endeten und zwischendrin so eindrucksvoll wie möglich die Geschichte erzählt wurde, die dem Text zu entnehmen war; Jean-Pierre-Ponnelle beispielsweise.

So wurde aus dem Orchestergeiger ein Oberspielleiter, ein Regisseur und 1983 der künstlerische Leiter der Bregenzer Festspiele. Als solcher hat Wopmann Geschichte geschrieben, weil sein musikalisch fundierter Theaterinstinkt ihn Lösungen für Unlösbares aufspüren ließ: Wer Jerome Savarys „Zauberflöten“-Inszenierung am See erlebt hat, Harry Kupfers und Wladimir Fedosejews „Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch“ im Festspielhaus, der weiß, wo das Wort „unvergesslich“ im Musiktheater am Platz ist – und gratuliert dem findigen Impresario zum heutigen 85. Geburtstag herzlich.

23. November

Der tägliche Klassik-Tip im Lockdown

Heute: Die Kriminalstory im Hause Schönberg.

Für alle, die heute Abend einen Konzertbesuch geplant hätten eine Empfehlung, sich mit einem der herausragenden Kammermusik-Werke des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen: Georg Baselitz hätte in seinem Musikvereins-Zyklus in Wien heute Abend Arnold Schönbergs Streichquartett Nr. 2 präsentiert. Sagen Sie jetzt, bitte, nicht: Um Gottes Willen, nur kein Schönberg! Das Stück bietet faszienierende Klang-Erlebnisse und es lassen sich dazu spannende (Liebes-)Geschichten erzählen.

Tomasz Konieczny

»Apokalypse« im Lockdown Der beliebte polnische Bassbariton Tomasz Konieczny hat sich entschlossen, sein Lockdown-Projekt „Apokalypse“ am Dienstag im Musikverein zu präsentieren. Im Spielplan der Wiener Staatsoper sucht man den Namen Tomasz Konieczny heuer vergeblich. Dabei war dieses Haus seine künstlerische Heimat. „Natürlich möchte ich zurückkommen“, sagt der Publikumsliebling im Gespräch – und es klingt immerhin nicht so, als ob es diesbezüglich keine ernsthaften Gespräche gäbe. Aber alles darf man als Sänger nicht immer ausplaudern. Immerhin so viel erzählt der polnische Bassbariton: „Gerade ist eine Aufführungsserie von Wagners ,Fliegendem Holländer‘ zu Ende gegangen, und ich glaube, ich habe da eine Partie gefunden, die ideal für mich ist. Das war ein Treffer ins Schwarze.“

Das Wer...

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Rainer Bischof

Im Gespräch. Zwölf Töne und Schrammelklang Rainer Bischof bringt die Ästhetik der Schönberg-Schule und die Musiktradition seiner Heimatstadt unter einen Hut. Auch im Lockdown blieb er höchst aktiv. Unterkriegen lässt sich ein Rainer Bischof nicht: "Das lernt jeder Künstler, mit Kränkungen oder Zurückweisungen umzugehen", sagt der Wiener Komponist. "Ich war ja auch immer stolz auf meine Feinde!" Viel Feind, viel Ehr', heißt es. Dem Sprichwort stimmt Bischof zu: "Feinde bringen einen weiter!" In diesem Sinn war auch die für viele so niederschmetternde Zeit der "Lockdowns" in der Pandemie für ihn zunächst vor allem ein Motor der Kreativität. "Vom Schöpferischen her betrachtet," sagt er, "war das erstaunlich: Ich habe so viel gearbeitet wie noch nie."

Die Bilanz der vergangenen eineinhalb Jah...

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