Kategoriearchiv: Feuilleton
Johan Botha
PORTRAIT
Das Ende aller Notlösungen für das Helden-Fach
Mit dem südafrikanischen Tenor Johan Botha erschien mehr als nur ein strahlender Gralsritter im internationalen Opern-Business. Portrait eines Ausnahme-Sängers im Vorfeld der »Lohengrin«-Premiere im Jahr 2005 – bei der erstmals seit Jahrzehnten in Wien wieder einmal die sogenannte »verlängerte Gralserzählung« gesungen wurde.
Es war Staunen erregend. Nach drei Stunden Aufführungsdauer stützte die mächtige Erscheinung des Schwanenritters die Hände aufs Schwert und begann die berüchtigte Gralserzählung zu singen, als gälte es, ein zartes Schubertlied zum Klingen zu bringen. Es war Johan Bothas Debüt als Lohengrin in der Wiener Staatsoper und die Musikfreunde der Stadt waren sich hernach einig: Einen solchen strahlenden Helden hatte man seit Menschengedenken nicht mehr erlebt. So sicher, so mühelos, in allen Lagen belkantesk klangen Wagnersche Heldenpartien nur auf historischen Aufnahmen.
Bienerts »Alzburg«
Tanz, von oben gesehen Bernd R. Bienerts packende Kreation im Semperdepot.
Ein Text zuerst, Albert Rueprecht rezitiert ihn mit jenem gerüttelt Maß an ironischer Distanz, die nötig ist, die verschmitzten Sprachspielereien zum Thema Österreich, Kultur, Selbstbild in all ihrer Hintergründigkeit zu servieren, ohne in falschem Selbstzerfleischungs-Path...
Doppel-Premiere
Kein Bier mehr im Haus! Staatsoper. Janacek und Puccini verwirren vollständig.
Osud ("Schicksal") von Leos Janacek und "Le villi" von Giacomo Puccini - eine eigenwillig programmierte Doppelpremiere sorgte für Verwirrung beim Wiener Staatsopern-Publikum. Was haben die beiden Stücke, die im Haus am Ring zur Erstaufführung kamen, gemeinsam? Mit den W...
Pavarotti 70
Bis zum hohen C: Immer nur lächeln Luciano Pavarotti. Der Inbegriff des strahlenden Operntenors feiert 70. Geburtstag.
Der Abgang war traurig: Die letzten Auftritte Luciano Pavarottis in Wien präsentierten eine Legende, die ihre vokale Strahlkraft verloren hatte, sei es bei Freiluftkonzerten oder in der Staatsoper, wo man ein paar Mal Girodanos "A...
»Und ich sah«
Die jüngste der jüngsten Posaunen Uraufführung. Thomas Daniel Schlees "Und ich sah" beeindruckte in Seckau.
In jeder Hinsicht bemerkenswert scheint die Uraufführung von Thomas Daniel Schlees Oratorium "Und ich sah", die Sonntag in der Basilika Seckau stattfand. Zum einen ist es heutzutage nicht mehr selbstverständlich, dass ein zeitgenössischer Ko...
Thomas D. Schlee
Neue Musik, die uns zur Erkenntnis führt Thomas Daniel Schlee im Gespräch über sein apokalyptisches Oratorium, das in Seckau uraufgeführt wird.
Ich darf eine ganz ehrliche Antwort darauf geben", meint Thomas Daniel Schlee, der künstlerische Leiter des Carinthischen Sommers, auf die Frage, wie es ihm denn als Intendant in Kärnten gehe: "Es läuft ausgezeichnet. Unsere Produktion der Arvo-Pärt-Oper war achtmal ausverkauft." Im Übrigen erreichte Schlee mit seinem anspruchsvollen Kärntner Sommer-Programm eine Auslastung von über 85 Prozent, ist also rundum zufrieden. Derzeit ist er freilich mit seiner eigentlichen Berufung beschäftigt: Der Komponist Thomas Daniel Schlee freut sich auf die Uraufführung seines Oratoriums "Und ich sah", sein Opus 55, das die Cappella Nova von Otto Kargl anlässlic...
ZUM WEITERLESEN, BITTE ANMELDEN
» Mathis«
HAMBURGISCHE STAATSOPER. »Zum Bilden übermenschlich begabt« »Mathis der Maler« eröffnete umjubelt die Ära der dirigierenden Intendantin Simone Young.
Ein kluger Schachzug der neuen Intendantin und Generalmusikdirektorin der Hamburgischen Staatsoper: Nachdem Simone Young ihre musikalische Kompetenz als Konzert- und Repertoiredirigentin vom ersten T...
Schreiers Adieu
Ein Meister nimmt Abschied Peter Schreier gibt seine letzten Liederabende in Wien: Schubert, innig, klar.
Ovationen zuletzt, versteht sich. Nicht nur in Wien schwingt bei solchen Gelegenheiten die Dankbarkeit für Jahrzehnte künstlerischer Geschenke mit, die ein Sänger seiner Verehrergemeinde beschert hat. Peter Schreier kehrt noch einmal als Lied-...
Tell
Widerhall des Romantik-Urknalls Die Staatsoper wagt sich noch einmal an Rossinis "Wilhelm Tell".
Mag die gar nicht reiz- und witzlose Inszenierung David Pountneys auch schon in unzusammenhängende, von Renato Zanellas unsäglichen Choreographien gestörte Einzel-Gags zerfallen: Musikalisch gelingt diesmal eine Aufführung auf sehr hohem Niveau. Bertra...