Kategoriearchiv: Feuilleton
Ildiko Raimondi
Die Spezialistin für jede musikalische Gelegenheit Ildiko Raimondi rettete dieser Tage nicht nur "Wiener Blut" in der Volksoper, sondern demonstrierte auch in der Staatsopern-"Fledermaus" ihre Vielseitigkeit. Im Gespräch wirkt die Vielbeschäftigte ruhig, als ob sie gerade auf Urlaub wäre. Dabei zählt sie zu den Stützen des Staatsopern- wie des Volksopernensembles und springt dabei immer wieder über alle Fachgrenzen. Vor ein paar Monaten begeisterte sie in der "Fledermaus" in Schönbrunn als Rosalinde. Zu Silvester war sie in der Staatsoper wieder Adele - und sprang in der Volksoper im selben Zeitraum noch als "lustige Witwe" ein. Ob das der Stimme guttut? "Man springt ja nicht wirklich", sagt die Sängerin, "man singt alle Rollen mit seiner Stimme, technisch unverändert." Freilich: Wer gerad...
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Georgi Swiridow
Musik, die Partei und die Kraft der Volkskunst Georgi Swiridow (Sviridov), russischer Komponist und »Volkskünstler«, starb 82jährig in Moskau. Würdigung eines angepaßt Unangepaßten.
Die Zeiten liegen noch nicht so weit zurück, in denen in Rußland Musik nicht gleich Musik war, in denen Komponisten zuerst die Partei fragen mußten, ob ein Klang schön oder häßlich, genehm oder nicht genehm sei, bevor sie ein Werk veröffentlichen durften. Menschen in deutschsprachigen Landen Europas, in denen solcher Kulturterror seit 1945 nicht mehr erlebt ward, tun sich nach wie vor schwer mit der Bewertung und Einordnung von Musik, die in Zeiten der Sowjetdikt...
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John F. West
Mit 14 ist er schon ein Liebhaber gewesen Jon Fredric West ist der neue Tristan. Seit seinem Münchner Debüt reißen sich die Opernhäuser um ihn. Nach der Staatsoper erlebt nun der Musikverein den neuen Wagnerhelden. Der Tenor im Gespräch.
Lorin Maazel brachte Jon Fredric West nach Europa. Nach Erfahrungen in amerikanischen Konzertsälen verpflichtete der Dirigent den Tenor für die Wiedereröffnung des Münchner Prinzregententheaters und sorgte damit für eine veritable Sensation: Seit der TV-Übertragung dieses Ereignisses wissen die Operndirektoren, daß es endlich wieder eine neue wagnergeeichte Stimme gibt. Der Sänger selbst nimmt das gelassen hin: "Ich fühle mich wohl. Mir haben sie schon als ich 14 war, gesagt, daß ich einmal ein dramatischer Tenor werden würde. Und sie haben mich gleichzei...
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Bychkov in Dresden
Dresdens flotter neuer Opernchef Semyon Bychkov, einst Karajans liebster Nachfolgekandidat, hat es vorgezogen, behutsam Karriere zu machen. Jetzt bekleidet er wichtige Chefpositionen. Der Dirigent im Gespräch.
Er war kaum dreißig, als Herbert von Karajan meinte, dieser junge Russe käme als Chef der Berliner Philharmoniker in Betracht. Auch wenn das auch nicht gleich in die Tat umgesetzt wurde: Der Name Semyon Bychkovs war plötzlich in aller Munde. Daraus hätte sich Kapital schlagen lassen. Aber der junge Mann war schlau genug, zu wissen, daß in der Musik Blitzkarrieren auch relativ schnell wieder zu Ende gehen können. Er zog es also vor, sein Können langsam und stetig zu entwickeln, war zuletzt führend beim Maggio musicale in Florenz und leitet das Orchestre de Paris - immerhin war auch d...
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Harnoncourt 1997
Wie aus einem Cellisten ein Mozart-Rebell wird Nikolaus Harnoncourt leitet am Wochenende ein ungewöhnliches Mozart-Programm im Musikverein. Der Dirigent im Gespräch über Interpretation, Oper, Wien und Salzburg.
Was wir diesmal machen, ist eigentlich ein reines Theaterprogramm, aber mit Musik, die man im Theater nicht hören kann", kommentiert Nikolaus Harnoncourt sein Doppelkonzert mit dem Concentus musicus und prominenten Solisten im Musikverein. "Wir beginnen mit einer Sinfonia, einer Theaterouvertüre, in der Mozart sozusagen das ganze Werkzeug, mit dem er in den nächsten Stunden arbeiten wird, vor dem Hörer ausbreitet. Da spürt man in jedem Ton schon Theaterluft. Dann folgen Szenen, die zum Teil für Opern als Zweitarien geschrieben worden sind, oder die nie aufgeführt werden, die Arie d...
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Vesselina Kasarova
Auch leise zu singen ist eine Tugend" Vesselina Kasarova, Mezzosopran aus Bulgarien mit Schweizer Paß, erklärt im Gespräch, warum sie so selten in Österreich singt.
Jüngst stahl sie im Musikverein einem prominenten Dirigenten die Show. Erst 1999 ist der nächste Auftritt in der Wiener Staatsoper geplant - in der Zwischenzeit singt Vesselina Kasarova an nahezu allen großen Häusern der Welt. Auch die Salzburger Festspiele wissen um die Zugkraft des immer noch ziemlich neuen Namens. Die Kasarova, die in Wien während der vergangenen paar Jahre Ensemblemitglied war, gilt bereits als Publikumsliebling. Vor allem mit ihrer Gestaltung des Sextus aus Mozarts "Titus" hat sie Furore gemacht. "Ich könnte mir durchaus vorstellen, einmal die Vitellia zu singen", meint die Künstlerin im Gespräch und spie...
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Clemens Hellsberg
»Noch ist es bei uns nicht verboten, mehr als 40 Stunden zu arbeiten« Die Wiener Philharmoniker, gerade heftig von den Grünen attackiert, wehren sich. Mit der Salzburger Festspielführung haben sie sich arrangiert. Orchestervorstand Clemens Hellsberg im Gespräch.
Die jüngsten Attacken gegen die Philharmoniker kamen zur Abwechslung nicht aus Salzburg, sondern von den Grünen. Man hat Mitgliedern des Orchesters vorgeworfen, durch ihre Unterrichtstätigkeit an der Musikhochschule zu Doppelverdienern geworden zu sein. Clemens Hellsberg: Es ist erschreckend zu sehen, welcher Mangel an Kompetenz in der Politik herrscht. Ich weiß nicht, ob Rückschlüsse zugelassen sind, aber wenn die Herrschaften auf anderen Ebenen, wo es wirklich ums Überleben geht, auch so wenig verstehen sollten, dann hielte ich ...
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Mozarts Frühwerk
Klein Mozarts arge Tücken Der junge Mozart war ein Wunderkind. Das schon. Aber wie macht man das einem Festspielpublikum begreiflich? Eine Betrachtung über die Aufführung von des Meisters Jugendopern in Salzburg. Als ich vor nicht allzu langer Zeit schrieb, man beschäftige sich bei den Festspielen mit Ladenhütern des Opernrepertoires, kommentierte ...
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Swjatoslaw Richter
Poesie, Fanatismus und schließlich die Verweigerung Swjatoslaw Richter, die Klavierlegende, die Generationen von Musikfreunden Rätsel aufgab, starb 82jährig an einem Herzinfarkt. Schon sein Erscheinen auf dem Parkett des industrialisierten Musikbetriebs umflorten von Kollegen wie Gilels genährte Gerüchte. Dann war das Konzert von Sofia, Ende der fünfziger Jahre, fast eineinhalb Jahrzehnte nach den ersten Wettbewerbssiegen. Die Legende aus Rußland ließ Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" in einer Farbenpracht und Wucht erstehen, daß den Kommentatoren die Worte fehlten. 1960 die erste USA-Reise. Und von da an stand fest: Swjatoslaw Richter w...
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