Interview
Sabbatical zum Tanzen
Maxim Vengerov, der Welt begehrtester Geiger, spielt heute in Wien und freut sich auf ein "freies Jahr" zum Tango-Tanzen.
Von Wilhelm Sinkovicz
Ein Wirbelwind aus Novosibirsk ist er, ungemein impulsiv und quirlig, voll Energie: So könnte man Maxim Vengerov charakterisieren, mit seinen 30 Jahren der heute vielleicht gesuchteste Geiger der Welt. Im Musikverein spielt er heute, Dienstag, auf, die erste Brahms-Sonate, das Scherzo und einen zweiten Teil, sozusagen auf Zuruf, "improvisatorisch", sagt er selbst: "Wir haben ein Riesen-Repertoire drauf. Wollten wir alles spielen, wir bräuchten vier Stunden."
So will sich Maxim Vengerov heute also von der Stimmung leiten lassen. Von seiner und von der im Saal. Das Publikum wirkt auf diese Weise mit, je nachdem, wie es...
Im Gespräch
Daheim im Dreivierteltakt
Lorin Maazel, soeben zu Vorbereitungen für das Neujahrskonzert in Wien, über Wien, New York, Kinder und seine Orwell-Oper.
Da war ich natürlich sehr aufgeregt", erinnert sich Lorin Maazel an seinen ersten Auftritt als Neujahrs-Dirigent am Pult der Wiener Philharmoniker. Das war 1980 und es war ein Wagnis, das die Musiker eingegangen waren, erstmals nach vielen Jahren, die der philharmonische Konzertmeister Willy Boskovski dirigiert hatte, einen internationalen Dirigentenstar ans Pult zu bitten.
"Ich habe damals", erzählt Maazel weiter, "immer wieder die Frage gestellt: Ist das richtig so? Die Kollegen im Orchester haben mir sehr geholfen. Ich wollte ja keine Traditionen brechen, sondern sie pflegen. Irgendwie hat das dann offenbar doch gestimmt, denn ...
Wild umfehdet, ging in der Staatsoper erstmals Verdis kompletter »Don Carlos« in Szene, musikalisch wie szenisch durchdacht und exzellent gearbeitet. Warum das manche provoziert?
ÜBER DIE DIVERSEN FASSUNGEN DIESER OPER
Peter Konwitschnys erste Regiearbeit für die Staats...
STAATSOPER
Ekstase in der Staatsoper
»Daphne« von Richard Strauss wieder im Haus am Ring: Die Aufführung kommt einer Ehrenrettung gleich.
Die Premiere, Ende der vergangenen Saison, war für viele eine Überraschung: Dirigent Semyon Bychkov bewies im Verein mit einem grandiosen Sänger-Team, daß dieses Spätwerk von Richard Strauss wenn nicht die, so ...
Im Trümmerfeld unserer Zivilisation
Die Vorauspropaganda war enorm: Ein Rosenkavalier im Bordell, ja was treiben denn die Salzburger?
Verträgt unsere Zeit - gerade in Bühnendingen - eine zartfühlende, poetische Zeichensprache wie sie angeblich für den "Rosenkavalier" so charakteristisch ist? Wer würde beispielsweise bemerken, wenn Darsteller Gebot...
Fidelio aus Böhmens Hain und Flur
Der "Klangbogen" versucht sich an Smetanas selten gespieltem "Dalibor" im Theater an der Wien. Das ist kein kleines Wagnis.
Mehr als 30 Jahre ist es her, dass Leonie Rysanek mit gewaltiger Expansion ihre Anklage-Rufe gegen Dalibor erhob: Das war die letzte Begegnung mit Friedrich Smetanas Heroen-Oper. In der Wiene...
KRITIK: BAYREUTHER FESTSPIELE
Voodoo in der Rumpelkammer
Soll Bayreuth Hort der geistigen Auseinandersetzung mit Richard Wagner sein, war das Engagement von Christoph Schlingensief für "Parsifal" eine Fehlinvestition.
Neuer "Parsifal" in Bayreuth: Intermezzo - oder Schlusspunkt für das Regietheater?
Es gibt auch wichtige Fragen in diesem Zusammenh...
CARINTHISCHER SOMMER
Vorwärts mit Tradition
Mit Thomas Daniel Schlee sorgt beim Carinthischen Sommer ein neuer Intendant für innovative Signale - durchaus im Zeichen der Tradition.
Thomas Daniel Schlee übernimmt in diesem Sommer von der langjährigen erfolgreichen Intendantin Gerda Fröhlich die Leitung des Carinthischen Sommers. "Ich bin mir durchaus bewusst", sagt er im Gespräch mit der "Presse", "dass ich hier ein traditionsreiches Festival übernommen habe und ich möchte auch ganz speziell an die Geschichte anknüpfen." Die bemerkenswerteste Errungenschaft des 1969 vom philharmonischen Trompeter Helmut Wobisch gegründeten "Carinthischen Sommers" war über Jahre hin die Aufführung von Kirchenopern. Benjamin Brittens "Verlorener Sohn" entwickelte sich sogar zu einer Art carinthischem "Jederm...
Im Gespräch
Wie Daphne die Matura machte
Ricarda Merbeth, die neue Daphne der Wiener Staatsoper, erzählt, wie man einst in Chemnitz singen lernen und sein Abitur machen durfte.
Ich habe gesungen, bevor ich sprechen konnte", erinnert sich Ricarda Merbeth an ihre Kindheit in der damaligen DDR. In Chemnitz wurde sie geboren. Und es war, angesichts dieser offenkundigen Musikalität, keine Frage, dass ihr eine künstlerische Ausbildung zuteil werden sollte. In Magdeburg durfte Merbeth ihre Stimme ausbilden lassen - und spät auch die Matura nachholen: "Mein Abitur", erzählt sie, "habe ich 1984 nachgeholt. Vorher durfte ich nicht, denn ich war konfirmiert". Als brave Einwohnerin des kommunistischen Arbeiter- und Bauernparadieses hätte sie dem Sakrament die sogenannte Jugendweihe vorziehen müssen.
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Im Gespräch
»Schon wieder so ein Schwertsik«
Am Pfingstmontag wird in der Wiener Universitätskirche das jüngste Werk von Kurt Schwertsik uraufgeführt. Der Komponist erzählt, wie er auf den Heiligen Franz kam.
Eigentlich", sagt er, "hätt' ich da ja eine Messe komponieren soll." Es ging nämlich um die Orgelweihe in der Jesuitenkiche, wo man aus Anlass der Errichtung des neuen Instruments ein Festival "Organo pleno" veranstaltet. Außerdem feiert das Consortium Musicum Alte Universität mit seinem Leiter Christian Birnbaum sein 25-Jahr-Jubiläum. Grund genug für einen Auftrag an Kurt Schwertsik, einen der originellsten Komponisten unserer Zeit - dem freilich wenig Nähe zur katholischen Musizierpraxis nachgesagt werden kann.
Also: eine Messe? "Mir wär's", sagt Schwertsik in seiner unverwechselb...