Archiv der Kategorie: Nachruf

August Everding

Der Eloquenteste unter den unrettbaren Theatermenschen
August Everding ist tot: Die Theater- und Opernwelt verliert einen ihrer umtriebigsten Exponenten, der vor allem eines immer war: ein großer Ermöglicher.

Über seine Inszenierungen konnte man des öfteren sehr unterschiedlicher Meinung sein. Das gab er selber auch gerne zu, denn er war ein Vertreter jenes Theaterverständnisses, demzufolge das Bühnenleben immer, aber wirklich immer in Bewegung bleiben müsse. Wer rastet, der rostet. Das hätte August Everdings Wahlspruch sein können.
Gerastet hat er nie. Und daß er in den Augen des Publikums nicht "gerostet" ist, daß seine Ästhetik auch den f...

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Alfred Schlee

Kapitän der Avantgarde
Geboren 1901 in Dresden, gestorben dieser Tage in Wien: Der Musikverleger Alfred Schlee.

Was er nicht verlegt hat, spricht wenigstens so für ihn wie das, was er aus Komponistenhänden angenommen hat, um es zu verbreiten: Der Musikverleger Alfred Schlee hat sich, wie Gottfried von Einem einmal formulierte, "Liebe und Haß" der Schöpfer Neuer Musik redlich verdient. Das ist die einzige Position, in der ein Musikverleger existieren kann, der es ernst mit der Sache meint, nicht mit Freunden oder sonstwie netten Menschen, die zufällig auch Musik hervorbringen.
Liebe und Haß empfindet vielleicht jemand, dem es ebenso ernst is...

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Alfred Schnittke (Nachruf)

PIONIER DER NEUEN EINFACHHEIT
Von der Harmonie im Dickicht der Avantgarde
Alfred Schnittke ist tot.
Der Komponist starb im Alter von 63 Jahren in einer Hamburger Klinik. Ein weiterer Schlaganfall beendete ein Leben, das voller Prüfungen war.

Als Wolgadeutscher war Alfred Schnittke 1934 zur Welt gekommen. Der in Sachen Kulturpolitik rigorose Kommunismus prägte Leben und Schaffen des sensiblen, zartbesaiteten Künstlers, der in Wien prägende Eindrücke empfangen hat. Sein Vater verbrachte in der österreichischen Hauptstadt einige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Redakteur einer deutschsprachigen Zeitung der sowjetischen Besatzungsm...

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Hermann Prey

Der Charmeur mit den Augen voll Tränen
Hermann Prey ist tot. Der liebenswerte deutsche Bariton starb kurz nach seinem 69. Geburtstag im oberbayrischen Krailling an einem Herzinfarkt.

Zuerst einmal der Figaro: Wenn Hermann Prey als Rossinis "Barbier" angesetzt war, dann ereignete sich im Opernhaus so etwas wie die natürliche Verschmelzung der sogenannten "ernsten" mit der sogenannten Unterhaltungsmusik. Denn Prey war ein Versöhner, der auch Menschen zur Oper brachte, die ohne ihn keinen Schritt in einen solchen Musentempel gewagt hätten.
Das war ein Effekt des beginnenden Fernsehzeitalters, als die TV-Gewaltigen sich noch sehr an den altherge...

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Leonie Rysanek

Kaiserin, Lichtgestalt, Ungeheuer
Leonie Rysanek, zuletzt Präsidentin der Wiener Festwochen, über die Jahre hin aber vor allem eine der größten Sängerinnen unserer Zeit, ist tot.
Erinnerungen an eine Unvergleichliche.

Die Kaiserin, das ist vermutlich das erste, was ein Wiener Musikfreund assoziiert, wenn der Name Leonie Rysanek fällt. Die »Frau ohne Schatten« von Richard Strauss war denn auch jene Rolle, in der die Qualitäten dieser Künstlerin sich am reinsten und innigsten offenbart haben. Eine Phrase wie "Dir Barak bin ich mich schuldig" konnte nur die Rysanek in jener Mischung aus Größe und Hingabe bewältigen, die den rechten Sinn der ...

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Michael Tippett

»Ein Kind unserer Zeit«
Der britische Komponist Sir Michael Tippett starb am Donnerstag 93jährig an den Folgen einer Lungenentzündung in London. Eine unzeitgemäße Betrachtung.

Michael Tippett, zuletzt einer der anerkannt großen Meister der seit Edward Elgar wieder erstaunlich reichen britischen Musikgeschichte, war keineswegs unumstritten. Er wurde sogar einmal für drei Monate eingesperrt - 1943 als Pazifist keinen Militärdienst leisten zu wollen, wurde in England auf diese, im Vergleich zur deutschen Rechtslage in jener Zeit gewiß geradezu komfortable Weise bestraft.
Tippett versuchte, sich auf seine Weise mit dem Nationalsozialismus ausei...

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Georgi Swiridow

Musik, die Partei und die Kraft der Volkskunst
Georgi Swiridow (Sviridov), russischer Komponist und »Volkskünstler«, starb 82jährig in Moskau. Würdigung eines angepaßt Unangepaßten.

Die Zeiten liegen noch nicht so weit zurück, in denen in Rußland Musik nicht gleich Musik war, in denen Komponisten zuerst die Partei fragen mußten, ob ein Klang schön oder häßlich, genehm oder nicht genehm sei, bevor sie ein Werk veröffentlichen durften. Menschen in deutschsprachigen Landen Europas, in denen solcher Kulturterror seit 1945 nicht mehr erlebt ward, tun sich nach wie vor schwer mit der Bewertung und Einordnung von Musik, die in Zeiten der Sowjetdikt...

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Swjatoslaw Richter

Poesie, Fanatismus und schließlich die Verweigerung
Swjatoslaw Richter, die Klavierlegende, die Generationen von Musikfreunden Rätsel aufgab, starb 82jährig an einem Herzinfarkt.
Schon sein Erscheinen auf dem Parkett des industrialisierten Musikbetriebs umflorten von Kollegen wie Gilels genährte Gerüchte. Dann war das Konzert von Sofia, Ende der fünfziger Jahre, fast eineinhalb Jahrzehnte nach den ersten Wettbewerbssiegen. Die Legende aus Rußland ließ Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" in einer Farbenpracht und Wucht erstehen, daß den Kommentatoren die Worte fehlten. 1960 die erste USA-Reise. Und von da an stand fest: Swjatoslaw Richter w...

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Morton Gould

23. 2. 1996
Morton Gould starb im Alter von 82 Jahren in Orlando (Florida). Gould zählte zu den populärsten Erscheinungen der US-amerikanischen Musikszene. Gould war ein Wunderkind. Seine ersten Kompositionen wurden aufgeführt, als er erst sechs Jahre alt war. Er fand im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch sogleich einen Verleger, der sich seines Talentes annahm und für die Verbreitung von Goulds Werken sorgte. Als typisches Kind der amerikanischen Musikszene hatte Gould nie Scheu, zwischen allen stilistischen Stühlen zu sitzen und in seine Stücke auch Klänge aus der populären Produktion zu mischen. Allein die Titel vieler seiner Werke v...

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Gianandrea Gavazzeni

Gianandrea Gavazzeni ist tot. Der Doyen der italienischen Dirigenten starb am Montag im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Bergamo. Gavazzeni war einer der bekanntesten professionellen Opernkapellmeister für Musik zwischen Bellini und Puccini. Die Mailänder Scala hatte in ihm einen Garanten für souverän geführte Vorstellungsserien. Nicht nur die Orchester fühlten sich unter seiner Führung wie in Abrahams Schoß. Jede Bewegung - sie wurde, wie bei Maestri seines Schlages üblich, mit den Jahren immer spärlicher, auf das Wesentliche konzentriert - trug zur klaren Orientierung der Musiker bei.
Auch die Sänger fanden in Gavazzeni stets einen kun...

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