Alle Beiträge von sinkothekar

Lotzings »Undine«

Gustav Albert Lortzing (1816) Libretto: Lortzing nach de la Motte Fouqué

AUFNAHMEN

PERSONEN DER HANDLUNG

Ritter Hugo von Ringstetten (Tenor) Bertalda, Tochter des Herzogs Heinrich (Sopran) Tobias, ein alter Fischer (Baß) Marthe, sein Weib (Alt) Undine, ihre Pflegetochter (Sopran) Heilmann, Ordensgeistlicher (Baß) Kühleborn, mächtiger Wasserfürst (Bariton) Veit, Hugos Schildknappe (Tenor) Han...

weiterlesen für SINKOTHEK-ABONNENTEN

 

La Traviata Einführung

Verdis heikelste Herausforderung La Traviata ist ein dermaßen populäres Werk, daß es schwierig ist, die Oper wirklich adäquat zu realisieren. Eine "Traviata" sei sie, "vom Weg abgeirrt", Violetta Valery sagt es selbst, in einem Moment, da sie allein gelassen ist. Daß eine wie sie, die ihren Weg jenseits aller rigiden gesellschaftlichen Normen gegangen ist, als eine "Traviata" gilt, stellt sie nic...

weiterlesen für SINKOTHEK-ABONNENTEN

 

Meistersinger

APERÇU

CD-TIPPS Warum ehren wir die »Meistersinger« nicht? Operngeschichte. 150 Jahre nach der Uraufführung wird Wagners einst populäre Oper kaum aufgeführt - wohl wegen der Stellen, die nach Deutschtümelei klingen. Dabei geht es in diesem Stück, wenn man's richtig versteht, um die Freiheit der Kunst. Ein Feuilleton vom Juli 2018 (»Die Presse«) Jüngst hätte die internationale Musikwelt ganz im al...

weiterlesen für SINKOTHEK-ABONNENTEN

 

Tristan und Hans Sachs

Bei Richard Wagner ist nichts dem Zufall überlassen. Seine Verehrer freuen sich, wenn er sich in den Meistersingern von Nürnberg selbst zitiert und zu Hans Sachs‘ Worten „Mein Kind, von Tristan und Isolde weiß ich ein traurig Lied“ die Anfangstakte des Tristan erklingen. Doch hat dieses Zitat Methode. Denn Hans Sachs, der Held der Meistersinger, hat tatsächlich selbst ein Tristan-Drama (in sieben Akten!) gedichtet – und läßt es mit moralisierenden Worten – und etlichen Bezügen zu klassischen Autoren – enden:

Tristan und Hans Sachs weiterlesen →

Tristan und Isolde

Die Hieroglyphe der Moderne

Vor 150 Jahren wurde in München »Tristan und Isolde« uraufgeführt, ein Werk, das wie kein anderes Epoche gemacht hat. Mit dem berüchtigten »Tristan«-Akkord begann die musikalische Moderne. Die Wurzel bilden Liebe und Todesfurcht.

Ob sich jemand im Auditorium der Münchner Hofoper im Klaren darüber war, daß er einem historischen Ereignis beigewohnt hatte? Vielleicht ja, die Wehen, die zu dieser Geburt geführt hatten, waren so ausdauernd, so heftig gewesen, daß zumindest einige der Begleitumstände lange vor dem Premierendatum bekannt, ja berüchtigt waren. Am 10. Juni 1865 erblickten Richard Wagners »Tristan und Isolde« das Bühnenlicht. Von den epochemachenden Uraufführungen im Verlauf der Musikgeschichte war dies, »Sacre du printemps« hin oder her, die epochemachendste.

Vielleicht ist der unmögliche Superlativ in diesem Fall erlaubt. Um Strawinskys Ballettmusik von 1913, später die »Atombombe in der Musikgeschichte« genannt, konnten folgende Generationen dank der stilistischen Diversifikationen im 20. Jahrhundert einen Bogen machen. »Tristan« aber wurde zum Prüfstein für jeden, der nach Wagner noch Opern zu schreiben wünschte, für jeden, der an künstlerischen »Fortschrittq glaubte.

Es gab kein Zurück nach den harmonischen Kühnheiten dieses Werks. Der sogenannte »Tristan«-Akkord verkündete als Hieroglyphe der Moderne die Emanzipation der Dissonanz. Selbst Italiens letzter großer Melodiker, Puccini, notiert in den Skizzen zum Finale seiner unvollendeten »Turandot»: poi Tristano (»dann Tristan«). Was da wohl zu erwarten gewesen wäre?

weiterlesen für SINKOTHEK-ABONNENTEN

 

IL TROVATORE

CD-TIPP

Herbert von Karajan – Leontyne Price, Ettore Bastianini, Franco Corelli, Giulietta Simionato
(Salzburger Festspiele 1962 DG)
  1. Il trovatore Salzburg 1962 Leontyne Price Franco Corelli Ettore Bastianini
  2. Giulietta Simionato
  3. Leontyne Price Ettore Bastianini Franco Corelli
  4. Giu8lietta Simionato Ettore
  5. Bastianini Franco Corelli Leontyne Price
  6. Leontyne Price Franco Corelli
  7. Wr. Philharmoniker - Herbert von Karajan

Troubadour und Wien – heikle Beziehung

Verdis Troubadour, das war im 19. Jahrhundert der Inbegriff der italienischen Oper, viel gespielt und an Popularität nur für einige Zeit von Gounods Faust übertroffen. Heute ist das Werk einer der „Angstgegner“ von Intendanten, weil es schwierig geworden ist, Sänger zu finden, die der heiklen Mixtur aus höchster Expressivität und artifizieller Stimmbeherrschung fähig sind. Spannend zu verfolgen, wie dieses Werk, allen Vorwürfen einer unverständlichen Handlung zum Trotz, dank seiner musikalischen Aussagekraft auch in Wien sogleich zum Publikumsfavoriten wurde – und lange Zeit den Spielplan beherrschte. Dagegen konnte auch ein mächtiger Kritiker wie Eduard Hanslick nichts ausrichten, dessen ästhetische Vorbehalte ja nicht nur, wie die Fama will, Richard Wagners Werke trafen, sondern auch Verdi. Nach der Erstaufführung des Troubadour konstatierte der Kritiker der Neuen Freien Presse zwar das „intensive Talent“ des italienischen Meisters, hielt ihm aber „künstlerische Roheit“ vor. An „dramatischer Energie“ übertreffe Verdi zwar seine Vorgänger Bellini, Donizetti und Rossini, doch sei er ihnen „als Musiker“ unterlegen und neige vor allem dazu, „gute Anfänge“ stets mit „einem trivialen Satz“ abzuschließen. Solche Vorbehalte hatte das Publikum offenbar nie. Jedenfalls stand das Werk bereits kurz nach der Eröffnung des neuen Hauses am Ring auf dem Hofopern-Spielplan und hielt sich dort so gut wie ohne Pause – in deutscher Sprache.

Die Ära Karajan

Im Zuge der Neubewertung der Italianità in der Oper nach der Landnahme Herbert von Karajans änderte sich auch die Sicht auf den Troubadour. Alles begann mit dem Gastspiel einer Tourneeproduktion, die Karajan mit Maria Callas und Giuseppe di Stefano von Mailand aus unternahm. Donizettis Lucia di Lammermoor stand auf dem Programm – und der Triumph dieser legendären Aufführungsserie sicherte dem Dirigenten die endgültige bedingungslose Hingabe des Wiener Publikums; und den Posten des Staatsoperndirektors, nachdem Karl Böhm von Angriffen gegen seine Person entnervt das Handtuch warf.

In der Folge nutzte Karajan seine Doppelposition – er war auch einer der führenden Köpfe an der Mailänder Scala –, um die Aufführungen italienischer Opern in Wien zu revolutionieren. Ab sofort wurde in Originalsprache gesungen, und die Sänger waren mehrheitlich nicht mehr die Spitzen des eigenen Ensembles, sondern illustre Gäste. Überdies arbeitete man mit den Salzburger Festspielen zusammen, bei denen Karajan einen weiteren Tabubruch beging. Er nahm den Troubadour ins Programm. Das kam einem Sakrileg gleich. Salzburg war die Hochburg Mozarts und von Richard Strauss. Man hatte Verdi zwar für Choryphäen wie Arturo Toscanini oder Wilhelm Furtwängler angesetzt, doch stets waren es Werke, die immerhin auf Stücken Shakespeares oder Schillers basierten. Karajan hatte sich mit dem Don Carlos in diese Reihe gestellt.

Nun aber folgte der ganz und gar nicht „literarische“  Troubadour, dessen Libretto seit jeher Anlass zu Kritik gab. Puristen waren empört, doch Karajan lobte die theatralische Schlagkraft des Stoffs und die Unmittelbarkeit, mit der Verdi als Klangpsychologe die Tiefe von Uremotionen lotet. Das Publikum war glücklich, gingen doch Karajans interpretatorischer Impetus und vokale Gestaltungskünste eine ideale Verbindung ein.

Titelheld Franco Corelli eroberte dank blendender Erscheinung und ebensolcher Klangentwicklung alle Herzen, Leontyne Price war eine hinreißende Leonore. Bald sah man die Produktion auch in Wien – in ähnlicher Besetzung. Der Triumph war so durchschlagend, dass Karajan seine Troubadour-Produktion auch als Auftakt seines legendären Comebacks nach 13 Jahren Wien-Abstinenz wählte. Neben Christa Ludwig und Piero Cappuccilli war wieder die Salzburger Leonore, Leontyne Price, dabei, diesmal an der Seite von Luciano Pavarotti, auf den die Wiener nach seinen ersten Erfolgen ebenfalls lange Jahre hatten warten müssen.

Eklat – Placido Domingo als Retter

Beim Trovatore 1978 kam es zu einem Eklat. Zur Vorbereitung der TV-Übertragung setzte man kurzfristig eine Zusatzvorstellung an, bei der überraschte Staatsopern-Abonnenten in den Genuss einer Karajan-Aufführung kamen. Doch gingen sie im dritten Akt des Tenors verlustig: Franco Bonisolli, der Mann mit dem vermutlich sichersten hohen C der jüngeren Operngeschichte, warf unmittelbar vor der „Stretta“ sein Schwert auf die Bühne und verließ dieselbe. Karajan behielt die Nerven, gab den Auftakt, und Wien erlebte die wohl einzige Verdi-Cabaletta, in der nur das Orchester musizierte und der Chor sang, aber die Solostimme ausblieb. Den Manrico sang zwei Tage später anlässlich der Fernsehausstrahlung Placido Domingo . . .

Karajans Troubadour-Produktion blieb dann noch viele Jahre im Repertoire. Wobei sich mehr und mehr herausstellte, dass vor allem die Titelpartie immer schwieriger zu besetzen war – und die philologischen Ansichten von Interpreten und Opernfreunden über die »Stretta« weit auseinandergingen. Tatsächlich steht das hohe C nicht in Verdis Partitur. Doch erachten Verdianer es als unsportlich, wenn Tenöre darauf verzichten. Diese denken ebenso und lassen die Szene lieber einen Halbton nach unten transponieren. Sie singen ein hohes H – und ernten in aller Regel begeisterten Applaus dafür.

Skandal um István Szabó

Erst Anfang der Neunzigerjahre kam es an der Staatsoper endlich zu einer Neuinszenierung, die freilich in einem mittleren Desaster endete. Nicht, weil der damals neue Direktor Ioan Holender keinen strahlenden Manrico finden konnte in der damaligen Tenornotlage. Aber Filmregisseur István Szabó ließ das Werk im Nachkriegs-Wien spielen, erinnerte mit den Dekors an die zerbombte Staatsoper und die Flaktürme. Dergleichen ist hierzulande nie gut angekommen. So wurden Troubadour-Aufführungen rar, was die Direktoren auch der schweren Aufgabe entband, adäquate Interpreten für den Titelhelden zu finden. Ganz zu vernachlässigen ist ein solches Spitzenwerk für ein Haus wie die Staatsoper aber doch nicht. 15 Jahre nach der letzten Vorstellung des Szabó-Missgeschicks stand dann doch wieder Il trovatore auf dem Spielplan, Roberto Alagna war der Manrico, Anna Netrebko seine Leonora, Ludovic Tézier der Graf Luna und Luciana D’Intino die Azucena, ein luxuriöses Quartett. Marco Armiliator dirigierte, Daniele Abbado hat inszeniert.

La Traviata

Abendplakat der Uraufführung Ein Opern-Psychogramm »Traviata«, eine »vom Weg Abgeirrte« nennt sich Violetta Valéry selbst - in einem Moment, da ihr niemand widersprechen könnte: Es ist das stille Gebet einer verzweifelten jungen Frau, die sich dem Tod nahe fühlt, die fürchtet, ihren Geliebten nie wieder sehen zu können und die Gott um Verzeihung bittet. Ein intimer Akt der Selbstbespiegelung. Vio...

weiterlesen für SINKOTHEK-ABONNENTEN

 

Verdis »Otello«

zur Otello-Diskographie

Bühnenbild-Entwurf für die Mailänder Uraufführung (1. Akt)

Eine lange Schaffenspause hat sich Giuseppe Verdi nach seiner »Aida« gegönnt. Das Publikum sollte auch lange nicht erfahren, daß doch eine weitere Verdi-Oper in Arbeit war. Die Tatsache, daß sich Verdi zum zweiten Mal - nach »Macbeth« - einem Shakespeare-Drama zuwandte, blieb lange ein gut gehütetes Geheimnis zwis...

weiterlesen für SINKOTHEK-ABONNENTEN

 

Verdi Traviata

DISKOGRAPHIE Musik von Giuseppe Verdi.Libretto von Franceso Maria Piave, basierend auf dem Roman »Die Kameliendame« und dem gleichnamigen Theaterstück von Alexandre Dumas d. J.

Schon die ersten Takte des Orchestervorspiels verraten Giuseppe Verdis Absicht, hier neue Wege zu gehen: Nur Wagners Lohengrin hebt in jener Zeit vergleichbar irreal-schwebend mit vielstimmigen Violin-Klängen an, um ebenf...

weiterlesen für SINKOTHEK-ABONNENTEN

 

Verdi Nabucco

Die älteste räsonable Aufnahme läßt uns Maria Callas in einer ihrer größten frühen Leistungen hören: Ihre Abigail setzte Maßstäbe in der Verdi-Interpretation.

Vittorio Gui – Gino Bechi, Gino Sinimberghi, Luciano Neroni, Maria Callas, Amalia Pini, Iginio Riccò, Luciano della Pergola, Silvana Tenti
(Neapel, 1949)



Leonie Rysanek in der »Callas-Partie« in einem fulminanten Live-Mitschnitt von der Met.

Thomas Schippers – Cornell MacNeil, Eugenio Fernandi, Cesare Siepi, Leonie Rysanek, Rosalind Elias, Bonaldo Giaiotti, Paul Franke, Carlotta Ordassy
(New York, 1960)


Lamberto Gardelli – Tito Gobbi, Bruno Prevedi, Carlo Cava, Elena Souliotis, Dora Carral, Giovanni Foiani, Walter Kräutler, Anna D‘ Auria
(Wien, 1965 – Decca)

Die Referenzaufnahme der Interpretation der Titelrolle durch Tito Gobbi, entstanden in Wien. (Philips/Decca)


Giuseppe Sinopoli – Piero Cappuccilli, Plácido Domingo, Evgeny Nesterenko, Ghena Dimitrova, Lucia Valentini-Terrani
(Berlin 1982, DG)

Das Musterbeispiel einer amibitionierten Studioproduktion mit großen Namen – und unverhältnismäßig geringem dramatischem Effekt. Immerhin: Für den großen Piero Cappuccilli zählt der Nabucco nicht unbedingt zu den zentralen Rollen, er hat sie hier aber doch für die Ewigkeit festgehalten (ein späterer Mitschnitt aus Verona läßt ihn nur noch mit Restbeständen seiner Stimme hören…)