Schlagwortarchiv: Pausentratsch Konzert

Igor Levit in Salzburg, 2025

Salzburger Festspiele +++ Igor Levit +++ Klavierabend

Igor Levit im Salzburger Festspielhaus Foto SF/Marco Borrelli)

Die Verwirrung aller Musikgefühle

Der Pianist widmete sein offizielles Salzburger Festspiel-Recital Anno 2025 Exzessivem von Schubert, Schumann und Chopin.

 

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Feuilletons von Anno dazumal: Schönbergs Erwartung

Zemlinsky und Schönberg

Salzburg spielt heuer wieder einmal Arnold Schönbergs Erwartung – und manche Rezensenten tun so, als wäre das eine Großtat. Dabei gilt dieses Werk seit Jahr und Tag als Schlüsselstück des musikalischen Expressionismus und wurde in jüngster Zeit von vielen bedeutenden Opernsopranen in aller Welt gesungen; oft in konzertanten Wiedergaben, immer wieder aber auch in Inszenierungen. Und die Salzburger Festspielaufführung mit Jessye Norman in Robert Wilsons Inszenierung in den Neunzigerjahren genießt bereits legendären Status.

DAS WERK WAR SOFORT EIN EMINENTER ERFOLG

Obwohl die Komposition bereits auf dem Höhepunkt der sogenannten atonalen Phase Schönbergs vollendet war, dauerte es bis in die ersten Jahre der Zwölfton-Phase des Komponisten, daß Erwartung den Weg auf die Bühne fand. 1924 dirigierte Alexander von Zemlinsky beim Prager Musikfest die Uraufführung. Marie Gutheil-Schoder sang – und es kann keine Rede davon sein, daß die Zeitgenossen Schönbergs radikale Musiksprache nicht geschätzt hätten: Die Rezension im Prager Tagblatt berichtet von stürmischem Applaus und erweist sich als kluge Einordnung der Komposition in die Entwicklungsstränge der jüngeren Musikgeschichte.

Schafft die Salzburger Festspiel-Eröffnung ab!

APERÇU

Bei der festlichen Eröffnung der Salzburger Festspiele gab es diesmal eine peinliche Panne. Offenbar geführt von Insidern, gelangten einige Personen, die gegen das Vorgehen der israelischen Regierung im Gaza-Streifen protestieren wollten, auf die Bühne und in die Arkaden der Felsenreitschule und störten dort die Rede des Vizekanzlers, Andreas Babler. Die Aufregung war nachher größer als während des Vorfalls: Wie konnte das passieren? Warum hat das Sicherheitssystem versagt?

Die Lehre daraus: Man kontrolliert nun die Eintrittskarten, die seit der Corona-Pandemie ohnehin personalisiert sind – was übrigens einen empfindlichen Eingriff in die Rechte der Kartenkäufer darstellt – noch rigoroser als zuvor. Als ob die prächtig geschmückten Festspieladabeis und die nach wie vor oft gut gekleideten Musikfreunde eine Gefährdung darstellen würden. Das ist so absurd, wie das jährliche Theater um die Festspieleröffnung. Diese stellt nämlich für noch halbwegs bei Sinnen befindliche Kultur-Konsumenten seit langem nur noch ein Ärgernis dar. Nicht wenn, wie diesmal, Protestaktionen gestartet werden, sondern wegen der unerträglichen hohlen Phrasen, die bei dieser Gelegenheit von den Politikern, aber meist auch von den Festrednern gedroschen werden.

Was die bis zum Überdruß wiedergekäuten Moralisierungen von allen Seiten mit der europäischen Kunst und ihrem Beitrag zu unserm Leben zu tun haben sollen, müssen sich die Berichterstatter jedesmal verkrampft aus den Fingern saugen und in weitere belanglose Worthülsen verpacken.

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Wer war Haydn?

Die Frage, die mir Katrin Nussmayr diesmal gestellt hat, scheint allzusimpel. Wir alle antworten doch auf die Frage, »Wer sind die musikalischen Klassiker?«, wie aus der Pistole geschossen mit: Haydn, Mozart und Beethoven.
Und doch: Mozarts Musik ist so omnipräsent wie die Beethovens. Aber Haydn? Der »Papa« der Klassik hat zwar irgendwie alles erfunden, was gut und teuer ist, die Symphonie, wie wir sie kennen, oder das Streichquartett, die Königsdisziplinen der Instrumentalmusik für zwei Jahrhunderte. Aber wann haben wir das letzte Mal etwas von Haydn im Konzert gehört?

Eben.

Also doch »Wer war Haydn?« – hier im »Presse«-Podcast

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Eurovision – Der Songcontest. Und was noch?

Die EBU, Vereinigung der europäischen Rundfunkanstalten, feiert ihr 75-jähriges Bestehen auf ungewöhnliche Weise: Man hat Kompositionsaufträge für zeitgenössische Komponisten vergeben. Die über mehrere Spielzeiten verteilten Uraufführungen werden jeweils europaweit übertragen. Eine schöne Geste der Veranstalter, die sich nicht ganz mit der Organisation des populären »Songcontests« zufrieden geben.

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Sanftes Lächeln einer Sommernacht

Philharmonische Klänge vor Schloß Schönbrunn

Konzert der Philharmoniker in Schönbrunn. Zum 22. Mal fand der größte Klassik-Event nach dem Neujahrskonzert statt. Diesmal sogar bei idealem Wetter.

Freitag der Dreizehnte, aber ein Wetter prachtvoll wie selten. Nicht immer – vor allem in den ersten Jahren nicht – hatten die Wiener Philharmoniker so viel Glück bei ihrem »Konzert für die Welt«. Live ist dieser internationale TV-Termin ein musikalisches Volksfest für die Wiener, die bereits eineinhalb Stunden vor Beginn in endlose Kolonnen von der Kennedybrücke in Richtung des Hietzinger Tors strömen. Manche sogar elegant gewandet, die anderen wie auf dem Weg zum Freibad.

Die Restaurants ringsum sind ausgebucht. Eine verzweifelte Dame versichert, sie hätte zwei Plätze reserviert. Man verweist sie auf ein Lokal ähnlichen Namens um die Ecke…

Selbst vor den Toiletten im Schloßpark – was das imperiale Design betrifft, gewiss die luxuriösesten der Welt – bilden sich lange Schlangen. Nur hinter dem Palmenhaus steckt ein Entenpärchen, schlafbereit, schon seine Schnäbel ins Gefieder.

Eine Gedenkminute und das »lebenswerte Leben«

 

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Riccardo Muti im Salieri-Jahr: Mozart gewinnt ja doch immer!

WAS HEISST SCHON »WIENER FESTWOCHEN«? +++ 200, TODESTAG VON ANTONIO SALIERI +++ EIN FALSCHES »PHILHARMONISCHES« +++ RICCARDO MUTIS »ALTERSSTIL«

Die Hofmusikkapelle im Musikverein: eine Konfrontation Mozarts mit seinem erbitterten Feind, Antonio Salieri, dem Jahresregenten 2025.

WAS HEISST SCHON »FESTWOCHEN«?

Über die Frage, welches Profil sich die Musikstadt Wien mit ihren Festwochen gibt, wird aus aktuellem Anlass gerade viel diskutiert. Der Reigen war aus einem Musikfest hervorgegangen, bei dem sich die Crème der internationalen Komponisten ein Stelldichein gab. Die hießen damals natürlich Paul Hindemith, Igor Strawinsky oder Pierre Boulez …

Boulez ist übrigens einer der Jahresregenten 2025. Ein anderer: Antonio Salieri, dessen künstlerischer Zweikampf mit Mozart früher einmal eine Festwochen-Ausstellung wert gewesen wäre. Aber dergleichen ist mittlerweile ja einem Allerweltsgetümmel gewichen, das in seiner Zeitungeistigkeit überall in der EU stattfinden könnte. „Klassische“ Musik, für die der Name Wien international steht, ist längst vollständig aus dem Programm gestrichen. In den großen Konzerthäusern wird sie zur Freude der Touristen wie der Einheimischen freilich weiterhin gepflegt.

 

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Siegesfeiern in Moskau

So pfiff Schostakowitsch auf Stalin!

KULTURPOLITIK ZUM NACHHÖREN: PODCAST

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Siegesfeier Anno 1945: Schostakowitsch schreibt seine Neunte Symphonie. Deren Vorgänger handelten vom Krieg, Musik für das belagerte Leningrad, eine Tondichtung über die brutale Schlacht um Stalingrad. Wer dann eine Zelebration für die triumphierende Rote Armee erwartet hatte, bekam einen kleinen, feinen Klangzirkus. Statt Pathos und Bombast gab es lustige Flötentöne: Schostakowitsch hat regelrecht auf Stalin „gepfiffen“, damit viel riskiert, vor den Augen und Ohren der Nachwelt aber alles gewonnen.

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