
Das war der Vater der Moderne
Seinen Namen kennt jeder, seine Bedeutung für die Musikgeschichte kann kaum überschätzt werden. Das weiß man. Arnold Schönberg ist der Vater der musikalischen Moderne. Populär geworden ist seine Musik freilich nicht. Einige wenige Kompositionen der Frühzeit erfreuen die Ohren der Konzertbesucher wirklich. Allen voran die instrumentale Vertonung eines erotischen Gedichts von Richard Dehmel, „Verklärte Nacht“ hat es geschafft, ein Publikums-Favorit zu werden. Ob sich das im Jahr der Geburtstagsfeiern zu Schönbergs Hundertfünfzigstem ändern wird?
Aktivitäten in Wien

In Schönbergs Geburtsstadt, Wien, engagiert man sich diesbezüglich kräftig. 250.000 Euro hat die Stadt an Fördermitteln bereitgestellt, damit vor allem das Arnold Schönberg Center und das Festival Wien modern unter dem Motto „Schönberg 150“ aktiv werden können. Gleich zum Auftakt setzt man zwei der streitbarsten Persönlichkeiten der Wiener Moderne miteinander in Verbindung: Im Schönberg Center bittet man am 17. Jänner zur Eröffnung der Ausstellung „Arnold Schönberg & Karl Kraus“.
Das Schönberg Center setzt – nebst etlichen Konzerten und Seminaren – seine groß angelegten Aktivitäten am 29. Mai fort, um dem zentralen Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen: „Mit Schönberg Liebe hören“ sollte im Idealfall dazu führen, dass Musikfreunde künftig Schönbergs Musik mit Liebe hören.
Spielerisch im freien Raum
Der Zugang zum Schaffen des radikalen Neuerers der Musik ist bis heute nicht mühelos. Schönberg rief im Gefolge Richard Wagners zum Aufbruch in eine unbekannte harmonische Welt auf, setzte die Gesetze der Dur-Moll-Tonalität außer Kraft, um mit seiner berüchtigten Zwölftonmethode gleich wieder neue zu schaffen: Sie sollten ein sicheres Manövrieren im „atonalen“ Raum ermöglichen.
Für die Musikwelt blieb die „Zwölftonmusik“ mehrheitlich ein Rätsel. Nun sollen Neugierige, die 100 Jahre danach erkunden möchten, was es mit der tönenden Avantgarde wirklich auf sich hat, die Sache spielerisch ergründen können. Das Schönberg Center bietet ab 13. Februar die Möglichkeit, ein vom Staatstheater Augsburg konzipiertes Virtual-Reality-Spiel rund um Schönbergs „Erwartung“ zu spielen. Dabei müssen an bestimmten Punkten des bahnbrechenden Stücks jeweils Aufgaben gelöst werden, bevor die Aufführung weitergeht.
Das Festival „Wien modern“, für dessen Leiter Bernhard Günther Schönbergs Werk bereits unter der Rubrik „Alte Musik“ firmiert, möchte das Werk des Avantgarde-Pioniers in Beziehung zur aktuellen Musikszene setzen. Eine geballte Präsenz Schönbergscher Musik beim traditionellen Festival im Herbst soll jedenfalls den drei goldenen Regeln eines ganz anderen Wiener Pioniers gehorchen: Billy Wilder hatte sie formuliert: „1. Du sollst nicht langweilen. 2. Du sollst nicht langweilen. 3. Du sollst nicht langweilen.“

Zur weiterführenden Beschäftigung mit den Werken und Ideen des vielseitig interessierten und forschenden Jubilars gibt das Schönberg Center heuer ein neues „Schönberg Handbuch“ heraus.
Sendungen in Ö1
Die Leiterin des Schönberg Centers, Ulrike Anton, steht im Verein mit dem neuen Chefdirigenten der Wiener Symphoniker, Petr Popelka, übrigens demnächst in der Ö1-Sendung „Klassik-Treffpunkt“ Rede und Antwort (17. Februar, 10.05 Uhr). Die Musikredaktion des Senders befasst sich schon in den Tagen vom 29. Jänner bis zum 1. Februar jeweils ab 9.45 Uhr mit „Arnold Schönbergs Streben nach Wahrhaftigkeit“. Zum Geburtstag des Komponisten im September wird dann auch das ORF-Fernsehen eine neue Schönberg-Dokumentation mit bis dato unveröffentlichtem Material und einem neuen Schönberg-Darsteller: Dominique Horwitz präsentieren.