Die moderne Begegnungszone
177 Debüts sorgen im Wiener Konzerthaus kommende Saison für einen kräftigen Schritt nach vorn.
»Brücken bauen« möchte Konzerthaus-Intendant Matthias Naske, wie er im Gespräch bekennt, ein junges Publikum fesseln mit einem »auf künstlerischer Exzellenz« basierenden, zugleich »anspruchsvollen und vielfältigen Programm«.
Die am Dienstag präsentierte Saisonbroschüre für 2023/24 zeigt, wie das gehen soll: Allein 177 Künstler gastieren erstmals im Konzerthaus. Ein frischer Wind soll nicht nur die letzten Nachwehen der Pandemie verblasen, sondern auch demonstrieren, dass dieses Haus den „Puls der Zeit“ fühlend „weit über die Landesgrenzen hinaus als beispielgebender Kulturbetrieb“ wahrgenommen werden kann.
Das Angebot ist bunt gemischt wie nie zuvor, reicht von der traditionellen „Klassik“ über die zeitgenössische Musik bis zu Jazz, Film- und World-Musik. Die Zahlen sind imposant: 61 Zyklen mit 450 Eigenveranstaltungen wurden aufgelegt, mehr als 400.000 Eintrittskarten stehen zur Verfügung. »Steig, Gedanke, auf goldenen Flügeln«, heißt es denn auch gleich im Eröffnungskonzert am 4. September, bei dem Riccardo unter anderem den Gefangenenchor aus Verdis »Nabucco« dirigieren wird.
Künstler im Fokus
Wie gewohnt, werden einige Künstler aus verschiedenen Sparten im Mittelpunkt von Porträt-Reihen stehen. Franz Welser-Möst wird im eigenen Zyklus die Philharmoniker, aber auch sein Cleveland Orchestra dirigieren. Im Fokus stehen auch Geigerin und Performance-Künstlerin Patrica Kopatschinskaja, die Sängerin Fatma Said oder der Hang-Spieler Manu Delago. Schlagzeug-Ikone Martin Grubinger will zwar mit seinem 40. Geburtstag seine sportlich-kräfteraubende Bühnenkarriere beenden, bleibt aber Kurator seiner Reihe »Percussive Planet«.
Schönberg, Bruckner
Von den Jubiläen, die kommende Spielzeit zu feiern sind, schlagen sich im Konzerthaus vor allem der 200. Geburtstag Anton Bruckners und der 150. von Arnold Schönberg nieder, aber auch der 100. von Schönbergs Schwiegersohn Luigi Nono. Man hat bei der Programmierung auch nicht vergessen, dass Karl Kraus kurz nach Eröffnung des Konzerthauses im neuen Haus legendäre Lese-Abende veranstaltet hat: Zum 150er des scharfzüngigen Literaten widmet sich Karl Markovics ausgewählten Kraus-Texten, umrahmt von Darbietungen der Concert Schrammeln.
Bei den Bemühungen um neues Repertoire zählt die Konzerthausgesellschaft auch weiterhin auf die Unterstütuung durch das ORF Radiosymphonieorchester, dessen geplante Auflösung Naske als »zu dreist« bezeichnet: »Es ist für mich unverständlich, wie diese Idee geboren werden konnte«.