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Wer hat die französische Spielform der Gattung Oper erfunden?
Jean Baptiste Lully.
Wer war sein »Nachfolger«?
Jean-Philippe Rameau,
So weit können wir dem Diskurs mühelos folgen.
Fragen wir uns aber: Was war dazwischen? Wie lautet die Antwort?
Wer das auf unterhaltende Weise erfahren möchte, lauscht heute Abend dem Operntermin auf Ö1. Ab 19.30 Uhr erklingt ein großer Querschnitt durch André Campra »Le Carnaval de Venise«, einer Ballett-Opera in drei Akten samt Prolog, wie sie für den französischen Hof seit Lully charakteristisch waren.
Hervé Niquet dirigiert
1699 komponiert, führt uns das bunte Spektakel eine typische Dreiecks-Komödie vor: Zwei Frauen, die sich in denselben Mann verlieben, während ein eifersüchtigen Nebenbuhler sich notgedrungen in einen Intriganten verwandelt. Buffo-Opern dieses Zuschnitts gibt es wie Sand am Meer. Musik wie die von Campra ist hingegen rar: feinsinnig ausgearbeitet, voll Charme und Witz, birgt die Partitur brillante Aufgaben für virtuose Sänger – und wenn ein Klangregisseur wie Hervé Niquet mit seinen Kräften vom »Concert Spirituel« für die Klangregie sorgt, dann steht einem amüsanten musikalischen Hörspiel nichts entgegen.