Archiv der Kategorie: Nachruf

Isang Yun

+ 1995
Das Schicksal wollte es, daß die Uraufführung der letzten Komposition des Koreaners bei »Wien modern« zu dessen Tombeau wurde.

»Piri« für Solo-Oboe stand, von Heinz Holliger atemberaubend realisiert, als Würdigung am Beginn. Musik, die charakteristisch für Yuns Konzentration auf den einzelnen Ton ist, auf Klanginseln, die - oft in höchsten Höhen des spielbaren Tonbereichs angesiedelt - zu äußerster Intensität anwachsen können. Holliger präsentierte danach mit Patrick Demenga zwei neue »Ost-West"-Miniaturen, in denen das Cello mit weitausgreifenden Phrasen den Okzident, die Oboe mit isolierten Klängen den Orient repräsentiert.
Dann Yu...

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Haubenstock-Ramati

Harmonien der Zukunft

Das Festkonzert zu seinem 75. Geburtstag, das im Konzerthaus in der Vorwoche stattfand, war Roman Haubenstock-Ramatis letzte, tiefe Freude.

Während der letzten Jahre hat er erleben dürfen, daß eine engagierte junge Interpretengeneration sich in seine Welten hineinzuleben begann, seine Träume weiterträumte und so endlich glaubhaft zum Klingen brachte, was noch ein Jahrzehnt zuvor Gelächter oder - im besten Fall stumme Verständnislosigkeit geerntet hatte.
Das war Roman Haubenstock-Ramatis, des stillen, in sich verschlossenen Mannes, Schicksal: Der lauteste Widerspruch traf ihn 1966 in Berlin, als seine Kafka-Oper "Amerik...

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witold lutoslawski

Von der wahren, guten und schönen Musik
Witold Lutoslawski ist tot. Die Neue Musik hatte wenige Männer seines Formats, die echte Avantgardisten waren. Echt, weil sie Fortschritt verstanden, wie er nur sein kann: aus Tradition geboren.

Auf Béla Bartók hat der Pole nicht nur eine Trauermusik komponiert. Der ungarische Meister war für den knapp dreißig Jahre Jüngeren das große kompositorische Vorbild. So viel läßt sich jedenfalls an den frühesten Stücken von seiner Hand ablesen.
Da gab es - und gibt es im heutigen Konzertgebrauch noch immer - das "Konzert für Orchester", dem Bartók nicht allein den Titel geliehen hat, sondern auch vieles von se...

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Zum Tod von Anestis Logothetis

Urgewaltig und filigran
Anestis Logothetis, Wahlwiener mit griechischen Vorfahren und einer der eigenwilligsten Komponisten unserer Zeit, starb mit 72 Jahren in Lainz. Erst 1989 wurde er mit dem staatlichen Würdigungspreis für Musik geehrt.

Bis er am Dreikönigstag einem Krebsleiden erlag, galt der Bulgare griechischer Abstammung, den es 1942 nach Österreich verschlagen hatte, eigentlich als Außenseiter. Dem großen Publikum blieb er suspekt, weil dieses allen Schöpfern Neuer Musik argwöhnisch begegnet; von den Kollegen aber wurde der AlUhl-Schüler wahlweise mitleidig oder gönnerhaft belächelt, oder gar nicht erst als ernstzunehmender Komponis...

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Ivan Koslowski

Gefesselter Caruso des Ostens
Ivan Koslowski ist tot. Die Nachricht, auf die viele westliche Musikfreunde wohl mit Achselzucken reagieren, bedeutet für echte Belcanto-Freunde nicht mehr und nicht weniger, als daß einer der größten Sänger des Jahrhunderts von uns gegangen ist.

Daß der ukrainische Tenor international nahezu unbekannt geblieben ist, verweist uns nicht zuletzt auf die Folgen des stalinistischen Terrors. Obwohl die Glanzzeit dieses unvergleichlichen Künstlers dank seiner perfekten Technik jahrzehntelang andauern konnte, blieb er ein "sowjetisches" Phänomen.
Seine Auftritte im Westen sind an einer Hand mühelos abzuzählen. Im Gespr...

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Lucia Popp

Die Seelenstimme
Lucia Popp erlag am Dienstag, 54jährig, einem Krebsleiden. Das Musiktheater verlor eine der beseeltesten Stimmen des Jahrhunderts.

Sie war am hinreißendsten, wenn sie ihre warm timbrierte, satte Sopranstimme ruhig und seelenvoll verströmen durfte: Mozart also war ihre ureigenste Domäne. Ihre Rosenarie vergißt nicht, wer sie hören durfte. Noch viel weniger die unendliche g-Moll-Traurigkeit ihrer Pamina, während derer die Zeit stillzustehen schien.
Es hat immer die berühmten Schrecksekunden gebraucht, bis Lucia Popp nach diesem, ihrem vielleicht allerbesten Glanzstück in der "Zauberflöte" Applaus bekommen hat. Die Erfolgverwöh...

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Wienerische Perfektion

NACHRUF
Ein Perfektionist ist tot
Erich Leinsdorf, ein Wiener Dirigent, der in die Welt vetrieben wurde, starb im 82. Lebensjahr in Zürich. Das gab seine Witwe Vera am Sonntag bekannt.

Ein Zyniker war er, vielleicht, einer, der nie mit Kritik hinter dem Berg gehalten hat. Aber auch einer, der sein Handwerk, das da war: Musik zu machen, so perfekt beherrscht hat wie kaum einer seiner Zunft.
Bemerkungen aus seinem Munde konnten bitterböse sein, trafen den Kritisierten tief, vor allem deshalb, weil er fast immer recht hatte, wenn er bei anderen Fehler, Irrtümer, mangelnde Bildung konstatierte. Er vertrug es nicht, wenn Musiker schlecht vorberei...

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Boris Christoff

Die Legende lebt fort
Boris Christoff, der große bulgarische Bassist, starb 74jährig. Das reiche Plattenerbe bewahrt seine Kunst als die eines der bedeutendsten Singschauspieler des Jahrhunderts.

Der Name Schaljapin fiel häufig, wenn von Christoff die Rede war. Tatsächlich schien die Baß-Legende von einer neuen abgelöst zu werden. Das Potential der Stimme des stattlichen Bulgaren mit den markanten Zügen war von der Art, die Hörer im entscheidenden Moment schaudern läßt: Gewaltige Tiefe in jeder Bedeutung des Wortes tönte da; und tönt via Tonträger noch immer.
Unausweichlich ist Christoffs Singen vor allem, wenn es um jenen Komponisten geht, ...

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Rudolf Nurejew

Elegance oblige
Der Ballettkönig Rudolf Nurejew ist tot
54jährig ist am Dreikönigstag in Paris der Tänzer Rudolf Nurejew gestorben - eine Legende schon zu Lebzeiten, umjubelter Kirow-Star, Liebling des internationalen Publikums, Enfant terrible der westlichen Ballettszene, als Egomane ein Schrecken aller Direktoren, zuletzt gezeichnet von seiner tödlichen Krankheit. Ein Star, in allem, was er tat, wie es nicht so bald wieder einen geben wird.
Seine Liebe zum Spektakulären, zum Außergewöhnlichen schien ihm schon in die Wiege gelegt; besser gesagt: in den Eisenbahnwaggon. Nurejew war im März 1938 auf einer Eisenbahnfahrt am Baikalsee, nahe Irku...

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John Cage

zum KOMPONISTENPORTRAIT
NACHRUF (1992)
Die Stille zwischen Joyce und Duchamp
Zum Tod des amerikanischen Avantgarde-Komponisten John Cage
Die Parabel vom Sinn, der unsinniger nicht sein kann: Daß Stille Musik ist, daß Harmonie anarchisch sein kann, daß es auf eins herauskommt, ob ein Komponist seine Werke mit mathematischer Akribie konstruiert oder einfach Tennisbälle ins offene Klavier wirft (nicht, weil es so ähnlich klingt, sondern weil es irgendwie genau dasselbe ist) - John Cage hat allen Schmerzen zugefügt.
Den Konzertabonnenten sowieso, falls sie je mit ihm in Berührung gekommen sein sollten. Aber auch den eifrigen Theoretikern der Avan...

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