PODCAST
Ein Mauerblümchen mit Explosions-Potential
Von den vier Brahms-Symphonien wird die Dritte am seltensten aufgeführt. Und doch ist sie vielleicht die aufregendste von allen!
Die F-Dur-Symphonie kann in Sachen Popularität nicht mit ihren beiden Vorgängerinnen mithalten. Mit der Ersten, die in ihrer Wucht und innerer Größe die hochromantische Antwort auf Beethovens „Sichicksalssymphonie“ darstellt, so wenig wie mit der lichten Zweiten, der „Wörthersee-Symphonie“. Auch die nachfolgende Vierte, in Mürzzuschlag entstanden, wo – wie die Komponist meinte – „die Kirschen nicht süß werden“, ist trotz ihrer Herbheit beliebter als die auf den ersten Blick verwirrend rätselhafte Dritte.
Und doch: Im Musiksalon wollen wir diesmal anhand von Beispielen aus einer Aufnahme unter Bruno Walters Leitung erleben, wie aufwühlend und dramatisch dieses hoch komplexe Werk sein kann; und wie über die Sätze hin geheimnisvolle innere Beziehungen die ganze Symphonie zu einem in sich geschlossenen, faszinierenden Klangkosmos formen.
Letztendlich bleibt am Ende nur ein Grund erkennbar, warum Dirigenten dieses Werk meiden: Es endet im Pianissimo – also nicht „applaustreibend“ wie die drei Schwesterstücke. Nur: Wenn man die expressive Einspielung der Symphonie unter Bruno Walter hört, erfährt man, dass es auch in diesem Fall nur darauf ankommt, wer uns in Brahms‘ Klangwelt entführt…
