Zum Tod von Lore Fessler, Gründerin des „Presse“-Schaufensters

LORE FESSLER (1932-2026)

Ihre „Rückendeckung“ war gewaltig. Otto Schulmeister, legendäre „Presse“-Galionsfigur, war als Herausgeber ihr direkter Vorgesetzter. Ilse Leitenberger, ebenso legendär als Chefin diverser Ressorts und stellvertretende Chefredakteurin, sorgte für den nötigen Zuspruch durch die gesamte Redaktion: Ein Kulturmagazin sollte die „Presse“ haben.

Drei Seiten im Rahmen der Wochenendbeilage „Spectrum“ waren der Vorschau auf kommende Höhepunkte in Theater, Oper, Konzert, Film und Fernsehen gewidmet. Und die bekannten Edelfedern des Blattes, die für die jeweiligen Bereiche zuständig waren, sollten die Tipps knapp, aber wohlformuliert abgeben.
Das Konzept bewährte sich glänzend. Und Lore Fessler konnte ihren Traum nicht nur realisieren, sondern bald zur eigenständigen Kultur- und TV-Beilage der „Presse“ erweitern. Mittlerweile hat die Fusion mit dem „Magazin“ der Farbbeilage eine völlig andere Gestalt verliehen. In Fesslers Zeiten freute sich die Leserschaft jedenfalls über die Vorberichte zu Ereignissen auf den Schauplätzen der Hochkultur, aber auch fernab davon, wo sich Bemerkenswertes finden ließ. Die Autoren schätzten das wachsame Auge der Chefin, dem kein Fehler entging. Seit Jahren hatte Schulmeister – „Fessler an die Maschine!“ – ihr seine Leitartikel diktiert; und sie kein Nachschlagewerk gebraucht, um, sagen wir, Hölderlin-Zitate korrekt zu schreiben.
Als Opern- und Theater-Enthusiastin entging ihr auch keine Ungenauigkeit in Texten jüngerer Autoren. Sie korrigierte sie stets mit sanftem Verweis auf sorgfältige Recherche. Wer mit ihr arbeiten durfte, wird sie nicht vergessen.