Alle Beiträge von discjockey

Henzes »Tristan«

Sony 2022

Tristans Traum und Wahnsinn
Neues Album. Aufregend, aufschlussreich: Igor Levit stellt seine Interpretation von Henzes "Tristan" in historisch-kritischen Zusammenhang mit Werken von Liszt, Wagner, Mahler.

Ein Liebestraum, und was daraus werden kann: Zutiefst humane, intime Botschaften plaudert Igor Levit in seinem jüngsten Album aus. Das Programm der beiden CDs basiert auf den Erfahrungen einer Begegnung auf dem Salzburger Festspielpodium: Mit den Wiener Philharmonikern unter Franz Welser-Möst hat Levit im August 2018 Hans Werner Henzes "Tristan" aufgeführt, ein einzigartiges Klavierkonzert mit elektronischen Zuspielungen, das Ri...

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Boulez entdecken

über Pierre Boulez

Pierre Boulez
Pierre Boulez hat einen vergleichsweise schmalen Katalog von Werken hinterlassen, von denen einige jedoch tatsächlich Musikgeschichte geschrieben haben.

Als Einführung in die Klangwelt der Avantgarde nach 1945 mit ihren strengen Reglements, die sämtliche Parameter der Musik akribisch organisierten, taugt nach wie vor das Kammermusik-Werk »Le marteau sans maitre«, halb avantgardistischer Liederzyklus, halb absstrakte Klangskulptur, das der Komponist selbst mehrmals aufgenommen hat. Die letzte dieser Einspielungen mit dem Ensemble InterContemporain ist mit den beiden viel später entstandenen Werken »Dériv...

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Tetelmans Debüt-Album

Der neue Tenor-Liebling?

Das Opernarien-Debütalbum des chilenischen Sängers demonstriert eine samtig timbrierte Stimme mit satter Tiefe und Bomben-Höhen im italienischen und französischen Repertoire.

DG 2022

Das ist auch eine Lektion in Sachen Dramaturgie: Zuerst die Stimme. Die Stimme, ganz allein. Sie beschwört den Anblick des Himmels: „Cielo!“ – eine der schönsten Tenorstimmen unserer Tage, da waren sich die Zeugen der ersten Auftritte des in Chile geborenen, in den USA ausgebildeten Künstlers sogleich einig. Jahrgang 1988, schaffte Jonathan Tetelman Mitte der Zehnerjahre seinen Durchbruch. In Europa dauerte es etwas länger. Aber auch hierzulande ist der neue Stern am Opernhimmel aufgegangen: In Wien debütierte er in der szenisch verunglückten „Tosca“ im Theater an der Wien. Kommenden Juni singt er an der Seite von Asmik Grigorian in den Opernzwillingen „Cavalleria rusticana/Bajazzo“ erstmals im Haus am Ring.

Soeben brachte die Deutsche Grammophon Tetelmans erste Arien-CD in den Handel. „Cielo“, singt er zu Beginn, erst dann setzen langsam auch die Streicher des philharmonischen Orchesters von Gran Canaria ein, das unter Karel Mark Chichons Leitung die Stimme in der Folge trägt und anschmiegsam begleitet.

Mit den ersten beiden Tönen gibt Tetelman aber unbegleitet seine Visitenkarte ab: Sein samtweiches Timbre versteht er, man hört es sofort, mit Schmachtlocke zu präsentieren. Vielleicht einen Deut zu viel Vibrato mischt er bei. Doch er kann auch anders. Das verraten schon die folgenden Phrasen der großen Arie des Enzo aus Ponchiellis „La Gioconda“: Tetelman phrasiert mit Eleganz und einem von großen Atemzügen getragenen Schwung.

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Dimitri Mitropoulos

Die Mitropoulos-Edition
Die US-Studioaufnahmen

Sony 2022

Sämtliche Aufnahmen, die der griechische Dirigent Dimitri Mitropoulos (1896—1960) in seiner US-Zeit für RCA und Columbia gemacht hat, teils zum ersten Mal digitalisiert: Für Sammler ist das nicht nur deshalb spannend, weil Mitropoulos Garant für hoch-expressive Darstellungen klassischer und romantischer Partituren war. Auch, weil er sich sein Lebtag für zeitgenössische Musik engagiert und — zum Leidwesen der Orchestermanager — nicht nur in den Konzertsälen, sondern auch im Plattenstudio gern Musik der Moderne und der Avantgarde gepflegt hat.

Von den Dauerbrennern des Repertoires hat...

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