NACHRUF
Berislav Klobucars eminente Bilanz: 96 Mal "Tosca", 72 Mal "Don Carlos", 51 Mal "La Bohème" und "Butterfly" . . .
Abschied von einem, der seit 1953 immer da war
Er ist weit über tausend Mal, genau an 1133 Abenden, am Dirigentenpult der Wiener Staatsoper gestanden. Schon das ist rekordverdächtig. Noch mehr die Zahl der unterschiedlichen Werke, die er aus dem Effeff beherrschte: 53 verschiedene Titel nennt das Nachschlagwerk des Hauses am Ring. Berislav Klobucar war das Gegenteil eines Spezialisten. Ob Verdi oder Wagner, Puccini oder Mozart, Smetana oder Tschaikowsky, Alban Berg oder Francis Poulenc, er ging ans Pult und dirigierte.
Da...
Nur orchestraler Sex
Volksoper. Richard Strauss' Rarität erklingt nur konzertant. Aber bei diesem Komponisten kann man ja alles hören!
Feuersnot", ab Samstag in der Volksoper, ist die zweite Oper von Richard Strauss. "Guntram", ein Ideendrama nachwagnerischer Prägung, zu dem Strauss stilecht den Text selbst verfasst hatte, war schiefgegangen. Doch ...
(1956 bis 2014)
Sie war eine ungewöhnliche, eine besondere Frau und vielseitige Interpretin: Ioanna Mardoszkiewicz, in Polen geboren und ausgebildet, hat ihre Studien in Paris und Wien vervollständigt. Ihr stilistischer Horizont war demnach reich genug, um ihrem energischen künstlerischen Aussagewillen zu genügen. Eine Mischung aus Expressivität und intellektueller Durchdringung verlieh ihrem Spiel die unverwechselbare Note. So begriff der Hörer etwa Bachs "Chaconne" durchaus als einen der Gipfelpunkte musikalisch-architektonischer Formbeherrschung, aber auch als eine Art bilderreiches Klangtheater. Madroszkiewicz vermochte den scheinbaren Wi...
Frühere Biographen legten das Schwergewicht auf seine Musik. Die neueren untersuchen Richard Strauss‘ Verhältnis zum Nationalsozialismus und zur Moderne. Ein Vergleich zum 150. Geburtstag des Komponisten.
Der Mann mit dem Schatten
Der 150. Geburtstag von Richard Strauss? Wer da meint, das wäre für die Musikwelt ein Grund zu feiern, irrt. In einer Zeit, in der Künstler nicht vorrangig nach ihren Leistungen, sondern nach ihrer Gesinnung beurteilt werden, diskutiert man sichtlich lieber über Straßennamen als über Opern und symphonische Dichtungen. Das ist zwar ein Phänomen der veröffentlichten Meinung und nicht des Publikumsinteresses. Aber die veröffentlichte Meinung reagiert auf Publikationen zu Jubiläen derzeit beinah ausschließlich mit einem Scanprozeß, der dem Sicherheitscheck vor den Flughafengates ähnelt.
»Wenn die Met anklopft, ist es Zeit«
Im Gespräch. Im neuen Staatsopern-"Lohengrin" gibt Günther Groissböck heute Abend den König Heinrich. In Salzburg ist er der Ochs auf Lerchenau im "Rosenkavalier".
Mit Ausnahme Londons geht es mir überall gut", sagt Günther Groissböck und lacht. Das Royal Opera House Covent Garden, ergänzt er, "ist der einzige blinde Fleck" in seiner Biografie. Im Übrigen hat der Bassist aus Waidhofen an der Ybbs so gut wie überall gesungen, wo man gesungen haben muss, wenn man sich als Teil des illustren Welt-Opern-Ensembles fühlen möchte.
Selbst würde ihm eine solche Bezeichnung wohl nie über die Lippen kommen. Groissböck wirkt im Gespräch so "geerdet", wie sich's für einen Vertreter des profunden Vokalregisters gehört. Aber sein Gegenüber denkt natürlich die interna...
Thielemanns Alleingang
Semperoper Dresden. Der designierte Intendant, Serge Dorny, darf sein Amt nicht antreten und macht dem Dirigenten brieflich Vorwürfe.
Ein "künstlerisches Konzept im Einklang mit der Institution unter Berücksichtigung aller in ihr enthaltenen Sparten (Oper, Konzert und Ballett)" wollte Serge Dorny in Dresden verwirklichen. Die...
ZWISCHENTÖNE
Im kalifornischen San Diego will man das Opernhaus nicht in Konkurs schicken. Man sperrt es kurzerhand zu.
Alles blickt entsetzt in Richtung Burgtheater und ist empört. Die Geldvernichtungsstrategie des mittlerweile entfernten Theaterhäuptlings enthält aber auch reichlich Sprengstoff von jener Art, die Stammtischrunden-Erregungen effek...
Wozzecks Winterreise ins Abstrakte
Im Gespräch. Matthias Goerne singt nach dem New-York-Gastspiel Alban Bergs Antihelden auch im Stammhaus der Staatsoper und freut sich auf ein Festwochen-Schubert-Abenteuer.
Matthias Goerne ist in den kommenden Wochen mit bedeutsamen Projekten im Wiener Musikleben präsent. Ab morgen, Sonntag, singt er in der Staatsoper den "Wozzeck". Bei den Festwochen präsentiert er dann einen ungewöhnlichen, multimedialen Schubert-Abend.
Den Titel-Antihelden der Alban-Berg-Oper hat Goerne seit Langem im Repertoire: "Ich habe ihn schon gesungen, als ich noch keine dreißig war - unter Christoph von Dohnanyi in Zürich", erinnert er sich. Und er hält diese Partie für eine der lohnendsten Aufgaben, jedenfalls für eine, von der man als Sänger und Darsteller nicht so schnell ...
Verführer und Aufreger
Nachruf. Der streitbare Opernmanager aus Belgien starb 70-jährig an einem Krebsleiden. In Salzburg sorgte er in den Neunzigerjahren für eine Neuorientierung der Sommerfestspiele nach der legendären Ära Herbert von Karajans.
An ihm schieden sich die Musiktheater-Geister. Ge rard Mortier hat wie kein zweiter Intendant seiner Generation ästhetische Vorstellungen zu prägen verstanden. Denn zuallererst war er ein Verführer. Einer, der rhetorisch - und das in vier Sprachen - sein Gegenüber von der Wahrheit seiner Thesen überzeugen konnte. Jedenfalls konnte man ab einem bestimmten Zeitpunkt seiner Karriere in nahezu sämtliche...
ZWISCHENTÖNE
Musikstudenten führen uns vor Ohren, wie es klingt, wenn Franz Lehár oder Emmerich Kálmán das Säbelrasseln zur "leichten Muse" machen.
Als wär's eine Operette: Kriegsgelüste im Wiener Walzertakt
Wie groß meine Sehnsucht ist, mich in Reih und Glied zu stellen und wirkliche Kämpfe mit tausend anderen zusammen zu leisten, gegen die meine...