Leo Schützendorf

1886-1931

Alban Bergs erster Wozzeck – und einer der großen Komödianten der Berliner Opernszene in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Aber in die Bassbuffo-Ecke konnte man Leo Schützendorf nicht so einfach abdrängen, auch wenn er spät in seiner Karriere vor allem in Operetten auftrat.
Der 14. Dezember 1925 markierte für den Nachruhm dieses Sängers jedenfalls das entscheidende Datum: Es war die Uraufführung von Alban Bergs »Wozzeck« in der Berliner Lindenoper unter Erich Kleibers Leitung. Schützendorf war der Interpret der Titelpartie – und er hat nach übereinstimmender Aussage der Zeitgenossen den heiklen Balanceakt zwischen Gesang, Deklamation und allen dazwischen liegenden vokalen Möglichkeiten bravourös bewältigt – und das Schicksal des getriebenen, geknechteten Soldaten ebenso vielschichtig als Schauspieler erlebbar gemacht.

Das allein sichert dem Sänger einen Platz im Olymp. Wenn auch spätere Rezensenten seine vielen Einzelaufnahmen, die er im Schellackzeitalter von den großen Baßarien zwischen Mozart, Lortzinge, Rossini und Mussorgsky gemacht hat, weniger hoch bewerten, weil Schützendorf auch vor dem Mikrophon dazu neigte, theatralische Akzente zu setzen, Klanggrimassen soszuagen, die er seinem Gesang sozusgen aufpropfte.

Dennoch bleibt hörbar, oder zumindest: erahnbar, wie gewaltig die Stimme tönen konnte, und wie vielseitig Schützendorfs darstellerische Kunst gewesen sein mag.

Leo Schützendorf als

Mozarts Figaro

Lortzings Van Bett

Mussorgskys Boris Godunow