Pereira verläßt Florenz

Alexander Pereira ist als Intendant des Maggio Musicale zurückgetreten.

Der Bürgermeister der Stadt hatte dem österreichischen Kulturmanager diesen Schritt nahegelegt, nachdem die Florentiner Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen des Verdachts der Veruntreuung von Geldern des Theaters und Geldunterschlagung eingeleitet hatte. Seit langem steht Pereira in Florenz unter heftigem medialen Beschuss, während Publikum und Künstler seine Arbeit für den Maggio Musicale einhellig bewundern.

«PRIVATE GRÜNDE»

Pereira hat nun die Konsequenzen gezogen und nennt „private Gründe“ für seinen Rückzug. An Bürgermeister Nardella schrieb er: „Abgesehen davon, dass ich eine sehr schwierige Aufgabe hatte, war ich ständig Angriffen innerhalb und außerhalb des Theaters ausgesetzt, insbesondere von der Presse. Ich hatte also nie einen ruhigen Moment, und diese Situation hat dazu geführt, dass ich 20 Kilo abgenommen habe und Anfang Dezember in eine gesundheitliche Krise geriet“. Seine künstlerischen Erfolge seien bei den Angriffen gegen seine Person nie berücksichtigt worden.

PRIVATE SPONSOREN

Nardella dankte Pereira für seine geleistete Arbeit. „Maggio Musicale“ hätte unter seiner Führung einen „echten Aufschwung erlebt“. Der Anwalt Pereiras verweist auf die Diskrepanz zwischen den von seinem Mandanten für „Maggio Musicale“ ausverhandelten Zuwendungen durch private Sponsoren in der Höhe von etwa zehn Millionen Euro und den von der Staatsanwaltschaft „unter die Lupe genommenen“ Ausgaben von etwa 60.000 Euro. Schon bei seinen früheren Aufgaben – nicht zuletzt im Wiener Konzerthaus, bei den Salzburger Festspielen (2012-2014), aber auch bei den Opernhäusern von Zürich und Mailand (2015-2019) – hat Alexander Pereira stets Mäzenaten gewinnen können, die enorme Summen für die Kulturbetriebe aufbrachten.

UNTREUE?

Die Florentiner Juristen prüfen die Verwendung eines Teils der Gelder jenes mit 35 Millionen Euro dotierten Fonds der römischen Regierung, der zur Tilgung der in eineinhalb Jahrzehnten angesammelten Schulden des „Maggio Musicale“ dienen soll.
„Es tut mir leid, dass nach so vielen Jahren der Arbeit an den großen Theatern“, schrieb Aleander Pereira an den Bürgermeister, „diese Erfahrung in Florenz so traurig geworden ist, dass ich keine Lust mehr habe, sie fortzusetzen.“