Philipe Jordan nach fulminantem Symphoniker-Konzert geehrt
Bundestheaterchef Christian Kircher überreichte dem Dirigenten nach einem Abend im Wiener Konzerthaus das Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik österreich. 1. Klasse. Die Laudatio hielt Konzerthaus-Intendant Matthias Naske — und Wiens Publikum jubelte dem Dirigenten zu; nicht zuletzt nachdem Kircher seine Zeit an der Staatsoper erwähnte…
Das war ziemlich pikant, war doch der Vertrag des Ex-Generalmusikdirektors der Staatsoper vom amtierenden Direktor des Hauses nach kritischen Anmerkungen des Dirigenten zu diversen Neuinszenierungen nicht verlängert worden,
Der Bundestheater-Chef bekam denn auch Sonderapplaus, nachdem er betonte, die Leistungen Philippe Jordans für Wien und Österreich hätte nicht nur mit seinen Konzertauftritten zu tun. Doppelt bemerkenswert, weil Kircher nur als „Einspringer“ agierte: Verschmitzt meinte er, die Grippesaison hätte hie und da Vorteile, weil sich im Theater und auf dem Konzertpodien manchmal auch Ersatzkräfte einfinden müßten.Das empfanden manche Kenner im Publikum als treffliche Pointe.
Vorangegangen war ein fulminantes Konzert der Wiener Symphoniker, deren Chefdirigent Jordan vor seinem Wechsel ins Haus am Ring war, und zu denen er jetzt offenbar verstärkt wieder zurückkehren wird. Matthias Naske verwies auf erinnerungswürdige Abende mit Werken Beethovens oder Mahlers. Diesmal entfalteten die Symphoniker enorme Klangschönheit bei Musik von Mendelssohn (mit dem feinsinnigen Jan Lisiecki als Solist in Mendelssohns G-Moll-Konzert) und Bruckners Vierter Symphonie, in der Jordan ein Exempel statuierte: Er wählte jene Fassung dieser sogenannten „Romantischen“, die Anfang des XX. Jahrhunderts auch von Dirigenten wie hans Knappertsbusch gern verwendet wurde — samt wagnerischen Instrumentations-Retuschen und Beckenschlägen, von denen man mittlerweile weiß, daß Bruckner selbst sie sanktioniert hat.
Unter Jordans Leitung klang die Musik dennoch nicht opernhaft und in feistem Klanggewand, sondern durchhörbar, klar strukturiert, also ziemlich „modern“, dabei aber doch von dramatischem Atem getragen.
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