*** SINKOTHEK ** PORTRAIT ***

Alexander Skrjabin

(* 1872, Moskau        + 1915, Moskau)

Alexander Skrjabin ist der Mystiker unter den russischen Komponisten der Zeit um 1900. Gefördert von Tschaikowskys Schüler Tanejew, entwickelte der exzellente Pianist und exzentrische Snob seinen Stil, ausgehend von Chopins Klavier- und Wagners theatralischer Kunst.
Die Vereinigung des Unvereinbaren war Skrjabins Programm – in seinen letzten Jahren, völlig zurückgezogen, suchte er nach philosophischer Welterlösung durch Musik.

Was wie geistige Hochstapelei wirken mußte, zeitigte grandiose Musik von ureigenstem Zuschnitt. Die Klangwelt von Skrjabins Spätwerk ist singulär und unverwechselbar – für Pianisten intellektuell wie spieltechnisch eine Herausforderung der besonderen Art.



Das Klavierkonzert

Skrjabins - noch ganz der Spätromantik angehörendes - Klavierkonzert entstand vom Herbst 1896 bis zum Frühjahr 1897 und wurde in Odessa am 23. Oktober 1897 mit dem Komponisten selbst am Klavier uraufgeführt.
Die Reaktionen waren geteilt, Nikolai Rimsky-Korsakow schäumte vor Wut, die Moskauer Rezensenten nahmen die Novität hingegen freundlich auf.
Eine Nähe zu Chopin konstatierte noch die englische Kritik nach der Premiere in der Londoner Queen’s Hall, 1914.

Unter den denkwürdigen Aufführungen des Konzerts mit Skrjabin am Flügel nimmt jene, die 1911 in Moskau stattfand, einen besonderen Rang ein: Am Dirigentenpult stand damals Kollege Sergej  Rachmaninow, der dann sieben Jahre später anlässlich der Konzerte in memoriam Skrjabin selbst den Solopart übernahm.


Zum Kennenlernen

Das Konzert folgt der klassischen dreisätzigen Form, die Skrjabin freilich rhapsodisch frei deutet: Das hochromantisch aufrauschende Eingangs-Allegro schweift harmonisch apart von der Grundtonart (ins »neapolitanische« G) ab, das Finale dehnt die Rondoform improvisatorisch allzuweit in die Länge.
Das ist der Schwachpunkt des Werks. Der Mittelsatz hingegen, eine abwechslungsreiche Folge von Charaktervariationen über ein zauberisch lyrisches Thema ist von idealem Zuschnitt.

Vladimir Ashkenazy und Lorin Maazel haben mit dem London Philharmonic Orchestra eine perfekte Aufnahme vorgelegt: blühend schön im Klang und höchst konzentriert, ohne der Versuchung nachzugeben, allzu gefühlsselig zu werden. Das kommt auch dem auf derselben CD (Decca) enthaltenen zweiten großen »Klavierkonzert« Skrjabins, Prometheus, entgegen, einem Werk des späten Skrjabin, bereits in einem großen Satz gearbeitet, der sich in großen Steigerungswellen entfaltet.  

Das überwältigende Klangerlebnis des Prometheus (Untertitel: Poeme du feu), eng verwandt mit dem ohne Soloklavier auskommenden Poeme de L’extase, führt uns in die Welt der allesamt einsätzigen späten Klaviersonaten, die das zentrale Element von Skrjabins Schaffen darstellen.



Das Spätwerk

Die Fantasie in h-Moll (1900) und die Vierte Sonate von 1903 können als unmittelbare Vorstufen zu den sechs einsätzigen späten Sonaten verstanden werden. Diese streben aus der sich mehr und mehr auflösenden Dur-Moll-Tonalität dem Kosmos von Skrjabins unverwechselbarer Harmonik zu, die sich aus den Elementen des vom Komponisten selbst so genannten »mystischen Akkords« ableitet.  



↑DA CAPO