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Alexander BORODIN

1833 - 1887

Borodin, der illegitime Sohn des Fürsten Gedianow, war erfolgreicher und hoch geachteter Chemiker und betrieb die Musik als Hobby.
Schon als 14jähriger brachte er Werke für Flöte und Klavier und eine Cellosonate heraus, wandte sich jedoch nach seinen Studien in St. Petersburg und Reisen durch Italien, die Schweiz und Deutschland einer Tätigkeit als Militärarzt zu.
Ab 1864 war er als Professor für organische Chemie an der Petersburger Akademie tätig.
Unter der regen Anteilnahme seiner Komponistenfreunde vom sogenannten »mächtigen Häuflein« arbeitete Borodin freilich nebenher an musikalischen Werken, von denen einige zu den bedeutendsten Dokumenten der russischen Romantik zählen.

Rimskij-Korsakow berichtete über die Parallel-Universen, in denen sein Freund Borodin lebte: Hier das chemische Labor, in dem er Versuche anstellte, da die Wohnung mit dem Flügel, auf dem Borodin kühne harmonische Experimente mit Septim- und Nonakkorden machte. Vieles, vor allem die größer angelegten Werke, mußte da im musikalischen Bereich Fragment bleiben. Borodins Oper →   »Fürst Igor«  blieb unvollendet wie »Dritte Symphonie«. Beide Stück wurden aber von den Freunden Rimskij-Korsakow und Glasunow spielbar gemacht - wobei von der Symphonie lediglich zwei Sätze ausreichend skizziert wurden.
Bezeichnend ist die Geschichte der brillanten Ouvertüre zum »Fürst Igor«. Borodin hat sie mehrfach im Freundekreis am Klavier gespielt, doch erst Glasunow hat sie aus dem Gedächtnis rekonstruiert und in Partitur gesetzt.

Borodins »Zweite Symphonie« gehört jedenfalls neben den Symphonien Tschaikowskys zu den wichtigsten symphonischen Arbeiten der Hochromantik russischer Provenienz. Sie entstand - wie schon das Vorgängerwerk, die »Symphonie Nr. 1 in Es-Dur« unter der Anleitung von Mili Balakirew, der die Erste 1869 als Dirigent aus der Taufe gehoben hatte und nun trachtete, nach dem großen Erfolg den Freund zu einem weiteren symphonischen Versuch zu animieren. Mit der bei Borodin üblichen Zeitverzögerung entstand mit etlichen Schaffenspausen die Symphonie in h-Moll, neben den ganz anders gearteten Symphonien Peter Iljitsch Tschaikowskys die wichtigste russische Symphonie der Hochromantik. Sie wurde nicht zuletzt von den französischen Komponisten der folgenden Generation, allen voran Maurice Ravel, hoch geschätzt. Ravels Freunde benutzten den Rhythmus des prägnanten Eröffnungsthemas
als »Erkennungssignal«.

↑DA CAPO