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Lisa della Casa

»Arabellissima«

Bezaubernd war alles an dieser Künstlerin, da waren sich Publikum und Kritik sogleich einig: Sie sah nicht nur blendend aus, sondern verfügte über alle stimmlichen Mittel, strahlenden Glanz musikalisch zu vermitteln. Ihr Sopran konnte herrlich aufblühen, sich aber auch mit einem melancholischen Schleier bedecken, wenn der Ausdruck das gerade erforderte. Die Fin-de-siècle-Stimmung, wie sie Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss so unvergleichlich zu beschwören wußten, fand in Lisa della Casas Gestaltungsvermögen den kongenialen Ausdruck.

Aus Zürich, wo sie ausgebildet worden war und ihr Debüt absolviert hatte, war sie Mitte der vierziger Jahre in die Welt gezogen. Wenig später war sie bereits Mitglied der Wiener Staatsoper. Damals sang sie noch die kleinere Schwester, Zdenka, in ihrer »Leiboper«. Niemand Geringerer als Richard Strauss selbst prophezeite ihr, sie werde bald die Titelpartie unvergleichlich schön singen!

Tatsächlich genoß man ihren Anblick und ihre Stimme bald auch in anderen Strauss-Partien. Die großen Frauengestalten dieses Komponisten wurden della Casas Domäne. Sie gestaltete - was keiner andern gelang - alle drei weiblichen Hauptrollen im Rosenkavalier. Aber auch Mozart sang sie dank ihrer noblen Phrasierungskunst vollendet. Schallplatten, die längst in den Rang von Legenden avanciert sind, Erich Kleibers Figaro-Aufnahme beispielsweise, dokumentieren ihre Kunst einem dankbaren Publikum bis heute.

Die Arabella aber hat die Schweizer Sopranistin mehr als 200 Mal gesungen. Sie war aber auch ein exzellentes Meistersinger-Evchen. Aristokratische Würde und jede Facette warmherziger Weiblichkeit in musikdramatischer Gestalt waren ihr gegeben. Alle bedeutenden Häuser holten Lisa della Casa für die wichtigsten Partien ihres Fachs. Die Festivals in Bayreuth, Glyndebourne und natürlich Salzburg sicherten sich in ihr einen Kassenmagneten.

1973 ist Lisa della Casa das letzte Mal in der Staatsoper aufgetreten. Direktor Gamsjäger setzte damals eigens für sie - wie könnte es anders sein - die Arabella auf den Spielplan, ein Werk, das er im übrigen keiner Aufführung würdigte. Seit damals lebte der Publikumsliebling zurückgezogen in einer Villa am Bodensee.

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